A620 Saarlouis Richtung Saarbrücken zwischen Völklingen-Geislautern und Völklingen Nachtbaustelle, rechter Fahrstreifen gesperrt, bis 21.08.2018 06:00 Uhr (20.08.2018, 19:03)

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Auch Polen stehen gern am Schwenker





Valentina wirft ihre langen schwarzen Haare nach hinten. „Ich glaube diese Stadt ist perfekt für eine Erfahrung wie diese“, sagt sie in fließendem Englisch. Sie kneift ihre Augen zusammen, die Frühlingssonne strahlt ihr ins Gesicht. „Die Stadt ist zwar klein, aber es gibt hier eine ganze Menge zu tun“, ergänzt sie. Zusammen mit ihrer Freundin Ambra sitzt sie am Saarbrücker Staatstheater, mehr als 1000 Kilometer von zuhause entfernt. Sie und Ambra kommen aus Italien. Doch sie haben sich hier, an ihrem ersten Tag in Saarbrücken kennengelernt. Durch Zufall, wie Ambra versichert. „Ich mag Saarbrücken wirklich. Eigentlich hatte ich ein Stipendium für nur ein Semester. Aber ich habe mich entschieden noch eins zu bleiben“, sagt Ambra. Für zwei Semester studieren die beiden nun Sprachwissenschaften.

Sie sind nur zwei von mehreren tausend internationalen Studenten in Saarbrücken. Alleine an HTW und Universität studierten im Wintersemester über 4000 Ausländer aller Nationen. Programme wie das europäische Erasmus machen den Austausch zum Studium im europäischen Umland einfach. Dazu kommen Partnereinrichtungen der Universitäten, die über den ganzen Globus verteilt sind.

„Ich hatte das Gefühl, dass die Leute in Saarbrücken ziemlich gut an Ausländer gewöhnt sind“, sagt Giulio Malavolta, der ebenfalls aus Italien kommt. Er sitzt an seiner Doktorarbeit in Informatik und ist bereits seit drei Jahren in Saarbrücken. „Sehr viele von ihnen sprechen Englisch, was wirklich hilft. Allerdings hilft das auch irgendwo nicht, denn nachher kann ich dann kein Deutsch“, sagt er und lacht. „Überraschenderweise gibt es in Saarbrücken eine Menge internationale Studierende. Eigentlich ist es kein so bekannter Ort, aber irgendwie schafft ihr es, eine Menge Leute von überallher anzuziehen“, sagt Giulio. So wie seine Freundin. Sie kommt aus Usbekistan und promoviert ebenfalls in Informatik. Er hat sie in Saarbrücken gelernt. „Es ist irgendwie witzig, ich komme aus einem komplett anderen Land und aus einer komplett unterschiedlichen Kultur und wir konnten uns hier kennenlernen“, sagt Giulio.

Wenn er seine Erfahrungen mit denen seiner Freunde vergleicht, die in größeren deutschen Städten studieren, dann sind die Saarbrücker echt sehr freundlich, sagt Arif. Er kommt aus Bangladesch und macht seinen Master in Informatik an der Saarbrücker Uni. Am meisten war Arif von der Temperatur hierzulande überrascht. „Ich komme aus einem Land wo es niemals kälter als zwölf Grad wird. Als ich aus dem Zug stieg waren es gerade mal zwei Grad. Ich hatte schon zwei Jacken an, aber trotzdem konnte ich die Kälte kaum ertragen“, erinnert er sich. Doch die Kälte brachte ihm auch etwas Positives. „Im Winter, als es anfing zu schneien, das war eine unglaubliche Erfahrung. Ich hatte noch nie vorher Schnee gesehen, das werde ich niemals in meinem Leben vergessen“.

Die HTW Saar veranstaltet jedes Semester Deutschkurse für die Neuankömmlinge. Studierende aus allen erdenklichen Ländern kommen hierher um einen Einstieg in die Sprache zu finden. Die Studierenden, die den Kurs an diesem Tag besuchen, sind gerade erst wenige Wochen hier. Doch erste Eindrücke von Saarbrücken konnten sie bereits gewinnen.

„Die alte Architektur, alte Gebäude, alte Kirchen in Saarbrücken – solche Gebäude gibt’s in Finnland einfach nicht“, sagt der Finne Johan. „Die Leute sehen hier sehr viel glücklicher aus als in Finnland. Sie sind auch viel sozialer.“

„Was ich an Saarbrücken auch sehr zu schätzen weiß, was ich als Biologe auch zu schätzen wissen muss, ist die natürliche Schönheit Saarbrückens, dadurch, dass es von Wäldern umgeben ist“, ergänzt sein griechischer Nachbar Orestis.

„Die Busse hier sind sehr zuverlässig. Wenn es heißt, dass er um eine Uhrzeit kommen soll, dann kommt er auch tatsächlich um diese Uhrzeit“, sagt der Brasilianer Caio. Zwischen ihm und Bartek aus Polen bricht eine kleine Diskussion aus. „Wie wir im Deutschkurs bereits gelernt haben, esst ihr gerne Schwenker. Das ist ähnlich wie bei uns in Polen, da grillt auch immer jeder bei schönem Wetter“, erzählt Bartek. Doch Caio hat sich schon eine saarländische Weisheit angeeignet: „Grillen kann man immer“.

„Die Leute hier sind sehr nett. Das fängt bei der HTW an, sie ist für mich wie ein Zuhause. Alle Lehrer und Professoren sind sehr hilfsbereit und wir sind sehr dankbar dafür“, sagt Gunay, eine Austauschstudentin aus Lettland.

Saarbrücken als Zuhause. Das sieht auch Valentina so. „Ich bin weit weg von meiner Familie, weit weg von meinen Freunden, aber ich kann mich hier zuhause fühlen“, sagt sie.
 

 
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