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Autismus: Jugendamt verhindert Schulbesuch

Völklingen/Saarbrücken. Artikel 24 der UN-Behindertenkonvention besagt, dass Menschen mit Behinderung ein Recht auf einen integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Schulunterricht haben, dass angemessene Vorkehrungen für die Bedürfnisse des Einzelnen getroffen werden müssen. Punkt. Ob das viel oder wenig Geld kostet, hat laut Konvention keine Rolle zu spielen. Das ist die Theorie. Die Praxis ist dagegen oft komplexer. Die SZ berichtete im vorigen Jahr über den Jungen Felix (Name von der Redaktion geändert), der an Autismus leidet und hin und wieder verhaltensauffällig ist. Seinerzeit meinte das Bildungsministerium, dass es für ihn im Land keine geeignete Schule gebe.

Der Versuch, den heute 13-Jährigen in einem Internat außerhalb des Landes unterzubringen, schlug nach Angaben der Mutter fehl, weil er Heimweh hatte und es keine feste Bezugsperson gab. Felix sei verstärkt verhaltensauffällig gewesen, das Internat habe die Maßnahme abgebrochen. Seit Anfang des Jahres – so lange ist der Junge schon wieder zu Hause – versucht das Bildungsministerium, Felix doch noch einen Weg zur Bildung im Saarland zu ermöglichen. Nun stellte sich aber das Jugendamt des Regionalverbands quer. Es hielt den Versuch einer Einschulung für wenig erfolgversprechend und schlug daher einen „Hausunterricht“ vor. Das Bildungsministerium wiederum sah darin keine Lösung, da es das langfristiges Ziel sein müsse, den Jungen in die Schulgemeinschaft zu integrieren.



Und auch die Mutter lehnte den Vorschlag des Jugendamts ab: „Ein Unterricht bei uns Zuhause hätte zu noch mehr Spannungen geführt.“ Da Felix kein Einzelkind ist, würde auch der jüngere Bruder unter der Situation leiden. Daraufhin brachte das Ministerium das Palotti-Haus in Neunkirchen ins Spiel. Auch darin sah das Jugendamt „keine erfolgsversprechende Maßnahme“, wie Harald Kiefer, Sprecher des Regionalverbands, ausführte. Das Amt beharrte auf dem Hausunterricht. Nicht zu Hause, aber in Form eines Einzelunterrichts für zunächst sechs Wochenstunden an einer Förderschule in Völklingen. Darauf einigte man sich. Aus Sicht des Bildungsministeriums allerdings „mit dem Ziel, Felix sozial zu stabilisieren und sukzessive in eine Klassengemeinschaft zu integrieren“, wie Ministeriumssprecher Erik Harms-Immand unterstreicht.

Die Familie hoffte daraufhin, der Unterricht könne nach den Sommerferien beginnen, wartete zudem auf eine Familienhilfe und eine Autismus-Therapie für Felix. Es vergingen jedoch erneut Wochen, bis die Mutter beim Jugendamt Alarm schlug: „Wir können nicht mehr.“ Anfang Oktober – nachdem weitere Wochen verstrichen waren – ließ das Amt der Familie wenigstens eine Familienhilfe zukommen. Wann Felix allerdings die Therapie beginnen kann, die sein Sozialverhalten fördern soll, weiß die Mutter bis heute noch nicht. Nach Angaben von Harms- Immand stünde die Lehrkraft an der Förderschule in Völklingen zur Verfügung, es fehle jedoch die Eingliederungshilfe, die das Jugendamt zu stellen hätte. Die Suche nach einem Integrationshelfer scheiterte nach Angaben des Jugendamts bisher stets an den Kosten.

© WhatsBroadcast
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