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Bekommt das Saarland eine eigene Philharmonie?

Schlichter und deutlich billiger als die erste Skizze ist diese Idee von Architekt Stephan Braunfels für
einen Konzertsaal im 1908 erbauten Saarbrücker E-Werk.

Schlichter und deutlich billiger als die erste Skizze ist diese Idee von Architekt Stephan Braunfels für einen Konzertsaal im 1908 erbauten Saarbrücker E-Werk.

Der sah zwar auch schon den Umbau des E-Werks auf den Burbacher Saarterrassen vor. Doch Braunfels dachte (zu) groß. Wollte tief ins massive Betonfundament hinabstoßen, quasi ein Ufo in der alten Halle landen lassen. Spektakulär – aber teuer: Über 40 Millionen Euro hätte das gekostet. Für den 400 Mitglieder zählenden Förderverein, der den (Um-) bau in Teilen via Sponsoren und Spenden finanzieren will, ein unerreichbares Ziel.

Unerreichbares interessiert Leonardy nicht, scheinbar Unmögliches schon. Und so wie er sein Festival aus dem Nichts geschaffen hat, macht er sich jetzt an den Konzertsaal. So bat er Braunfels um einen zweiten Ansatz. Und der neue Entwurf bleibt nun auf dem (Hallen-)boden. Der eigentliche Konzertsaal steht quasi nach oben offen in der Halle. So wird’s nicht nur viel billiger, es hat auch einen ästhetischen Mehrwert: Im Konzert hätte man auch einen Eindruck der alten Industriearchitektur. Rund 1800 Zuschauerplätze ließen sich so realisieren, 1430 vor dem Orchester, 360 hinter dem Podium. Die akustischen Probleme einer solchen Variante sollen mit Stahlvorhängen in den Griff zu bekommen sein. Aus hauchdünnen Stahlfäden werden sie gewebt. Diese „Kettenhemden“ wirken akustisch so, als befände man sich in einen traditionellen Konzertsaal erster Güte. Fürs Stahlland an der Saar sei das doch maßgeschneidert, wirbt Leonardy gleich auch mit Blick auf mögliche Sponsoren.

Alles in allem kalkuliert der Förderverein mit 7,4 Millionen Euro für den Umbau (4,2 Millionen für Wände, Technik, Beleuchtung und Honorare, rund 600 000 Euro für die Stahlvorhänge, 600 000 Euro für die Tribüne). Eingerechnet sind auch der Erwerb der Immobilie, taxiert mit einer Million Euro, die sich im Besitz der städtischen Entwicklungsgesellschaft GIU befindet. Selbst eine Orgel wäre inklusive. Leonardy hat eine, allerdings überholungsbedürftige, Orgel, die zuvor im Wiener Musikvereinssaal Dienst tat, als Dank für die Österreich-Edition seines Festivals „organisiert“.

Trotzdem: Wer soll das bezahlen? Rund eine Million Euro hat der Förderverein bislang selbst in der Kasse. Weitere 1,4 Millionen will Leonardy von Sponsoren seines Festivals zusammenbringen, Vorgespräche seien geführt. Auch vom parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion in Berlin und Merkel-Vertrauten Peter Altmaier habe er positive Signale bekommen. Vor allem aber erhofft sich Leonardy rund fünf Millionen Euro von der neuen Landesregierung. Tatsächlich hatte der frühere Ministerpräsident Peter Müller (CDU) mal zugesagt, die Landesregierung werde für jeden privat erbrachten Euro einen weiteren zusteuern. Machte aber bloß 2,4 Millionen Euro? Zudem, so Regierungssprecher Thorsten Klein, sei diese Zusage auf Ende 2011 befristet gewesen. Dennoch befasse man sich mit dem neuen Vorschlag. Entscheidung aber völlig offen.

Leonardy freilich appelliert eben jetzt an die sich bildende Landesregierung, ein Zeichen zu setzen, da das Debakel um den 4. Pavillon die Kulturpolitik lähmt. Der neue Vorschlag sei der Finanzlage des Landes angepasst, sagt Leonardy. Auch die Nutzung soll auf’s Land zugeschnitten sein. Kein elitärer Kunsttempel, sondern ein Musikzentrum, das viele erreicht.

So sollen zum einen die beiden großen Orchester, die Deutsche Radiophilharmonie (DRP) und das Staatsorchester (Staatstheater) dort endlich einen angemessenen Saal vorfinden, in dem sie konzertieren, aber auch ohne Einschränkungen proben können. Ob der Mischnutzung ist das in der Congresshalle nicht möglich. Die Saarphilharmonie im E-Werk, sagt denn DRP-Orchestermanager und Fördervereinsmitglied Benedikt Fohr, wäre eine „gute Lösung für die DRP, denn ein komplett neu gebauter Saal ist unrealistisch“.

Neben SR und Staatstheater sollen aber auch die Musikhochschule, das Landes-Jugend- Symphonie-Orchester und die musikalischen Ensembles der Saar-Uni dort ein Podium finden. „Musikvermittlungsaktionen wären möglich“, meint Fohr, aber auch Jazz- Konzerte und eine Gastspielreihe wie in anderen Großstädten üblich. Kurzum, so Leonardy, man könnte „mit kleinem Geld Großes bewirken“.

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