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Bestürzung über Praktiker-Weggang

Kirkel. „Wir sind Saarländer, wir wollen Saarländer bleiben, wir haben ein tolles Unternehmen. Und ich hoffe, dass wir bis zum Schluss kämpfen, damit der Standort Kirkel erhalten bleibt“, sagte gestern ein Mitarbeiter auf der Beschäftigtenversammlung von Praktiker. Gestern Morgen hat Vorstandschef Thomas Fox seine Entscheidung, den Firmensitz von Kirkel nach Hamburg zu verlegen, der Belegschaft erläutert. Antworten auf drängende Fragen bekamen die Mitarbeiter nicht. Klar war, dass der Konzernsitz nicht gehalten werde und dass rund 170 Mitarbeiter in Kirkel weiter beschäftigt werden sollen – aber nicht von Praktiker, sondern bei einem Subunternehmer. Wie genau diese „Outsourcing“-Lösung aussehen soll, dazu blieb Fox eine Antwort schuldig.

Am Donnerstagabend hatte Praktiker angekündigt, die Zentrale nach Hamburg zu verlegen. Statt der 700 Mitarbeiter in Kirkel sollen in Hamburg nur noch 300 Mitarbeiter für Praktiker arbeiten. In Kirkel sollen nur noch Personalabrechnung, IT und Rechnungswesen über Subunternehmer erhalten bleiben.

Verdi-Chef Alfred Staudt war nach der Versammlung nicht nur betroffen davon, was gesagt wurde, sondern besonders davon, wie es gesagt wurde. „Viele Beschäftigte waren erschüttert über die Deutlichkeit“, sagt er. Dazu gehört auch das Tempo: Bis Mitte kommenden Jahres soll die Zentrale verlegt sein. Staudt kündigte trotzdem an, gemeinsam mit der Landesregierung für ein Gesamtkonzept „Praktiker im Saarland“ zu kämpfen.

Dass Fox an einem solchen Konzept offensichtlich wenig Interesse hat, zeigt auch die fehlende Gesprächsbereitschaft gegenüber der Landesregierung. Hilfsangebote der Politik seien Regierungskreisen zufolge komplett ignoriert worden.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) will die Sache aber noch nicht verloren geben: „Wir werden alles versuchen, um die Entscheidung zu korrigieren“, sagte sie gestern. Vorwürfe von SPD-Chef Heiko Maas, der der Regierung wirtschaftspolitisches Versagen vorwirft, weist sie zurück: „Letztlich ist es eine rein unternehmerische Entscheidung“, sagt sie.

Praktiker-Chef Fox hat unterdessen gestern in einer Analystenkonferenz die Details seines Sanierungsprogramms weiter konkretisiert. So will Praktiker die 300 Millionen Euro, die die Sanierung kosten wird, auf dem Kapitalmarkt aufnehmen. Damit sollen die Kosten für die Verlegung der Zentrale, ein Sozialplan, aber auch mögliche Marktschließungen gedeckt werden. Letztlich erwartet Finanzvorstand Markus Schürholz durch die Sanierung Einsparungen von jährlich 100 Millionen Euro.

Fox will auch das bereits im Rahmen von „Praktiker 2013“ beschlossene Marktkonzept vorantreiben. Anfang 2011 hatte der Konzern angekündigt, die Märkte kundenfreundlicher zu gestalten. „Bisher ist das erst zu 20 Prozent umgesetzt“, beklagt er. Bis Ende des Jahres sollen nun zwei Märkte – Kaiserslautern und Heppenheim – komplett auf das neue Konzept umgestellt sein.

Auch bei den Auslandsmärkten wurde Fox konkreter. So wird sich Praktiker nicht nur von Albanien verabschieden, auch für die Ukraine kündigte er den Rückzug an.

Fox sagte auch, wie er in Zukunft Kunden in die Märkte locken will. Dies soll weniger über Pauschalrabatte auf alles, sondern über Projekt-Aktionen, Rabatt-Coupons oder Produkt-Bündelungen geschehen. Schon ab kommender Woche sollen neue Werbestrategien getestet werden. Und: Boris Becker wird als Werbefigur nicht mehr dabei sein.

 

Meinung

Reichlich schlechter Stil

Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Thomas Fox wird nachgesagt, ein hervorragender Sanierer zu sein. Sein Kommunikationsstil allerdings lässt zu wünschen übrig. Denn wenn ein Konzern plant, seine Zentrale aus einem Land zu verlegen, wäre es guter Stil, darüber vorher mit der Landespolitik zu reden und Hilfsangebote ernsthaft zu prüfen. Das ist in diesem Falle offensichtlich nicht passiert. Ebenso wenig sensibel hat Fox gestern den Mitarbeitern die Neuigkeit präsentiert, dass sie in Kürze im besten Falle nach Hamburg umziehen, ansonsten aber ihren Arbeitsplatz verlieren und vielleicht noch bei einem Subunternehmer beschäftigt werden. Letzteres ist meist mit Abstrichen verbunden. Sicherlich hat die Entscheidung strategisch gute Gründe, die Präsentation war miserabel.

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