A8 Luxemburg Richtung Saarlouis Dreieck Saarlouis Vollsperrung in Richtung A8 Dillingen-Süd, Bauarbeiten, Dauer: 18.05.2018 18:00 Uhr bis 22.05.2018 05:00 Uhr (18.05.2018, 06:54)

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Commerçon sieht Grundschulen für Inklusion gerüstet

Die Ankündigung des saarländischen Bildungsministers Ulrich Commerçons (SPD), vom nächstem Schuljahr an an Grundschulen die UN-Behindertenrechtskonvention durchzusetzen, haben verschiedene Verbände und Gewerkschaften begrüßt. Viele kritisierten jedoch, dass die in ihren Augen für die Inklusion notwendigen Rahmenbedingungen – gerade was die Ausstattung der Regelschulen mit Förderlehrern angeht – nicht geschaffen wurden (wir berichteten).

Zwar nehme er die Kritik ernst, sagte Commerçon der SZ, jedoch sei dadurch in der Öffentlichkeit ein Zerrbild der tatsächlichen Situation entstanden. „Ich gehe nicht davon aus, dass es an den Grundschulen durch die Einführung der Inklusion zu massiven Änderungen kommen wird“, sagte der Minister. Denn schon heute besuchten im Saarland 60 Prozent der Kinder mit Förderbedarf eine Regelgrundschule. Bundesweit liege das Saarland mit diesem Wert mit an der Spitze. Für alle Schularten liege die Quote bei 46,4 Prozent. „Wir gehen nicht davon aus, dass die Quote von 60 Prozent sprunghaft auf 95 Prozent schnellen wird“, sagte Commerçon, „aktuell haben wir keinen Fall, in dem Eltern einen Antrag auf integrative Beschulung in einer Regelschule gestellt haben, dem wir nicht stattgegeben haben.“
Bisher müssten Eltern behinderter Kinder einen Antrag auf Regelbeschulung stellen. Durch die Gesetzesänderung werde die Regelbeschulung der Normalfall. Ein Antrag soll künftig für die Förderbeschulung gestellt werden. Zunächst sei nicht geplant, Förderschulen zu schließen. „Das wird abhängig sein vom Elternwillen. In dem Maße, in dem wir weniger Schüler an Förderschulen haben, werden wir Förderlehrerstellen ins Regelschulsystem übertragen“, kündigte er an.

Auch der öffentlich entstandene Eindruck, es kämen auf einen Schlag Scharen von Kindern mit Problemen an die Regelschulen mit zu großen Klassen, entspreche nicht der Realität. „Die meisten Kinder sind Kinder mit Förderbedarf Lernen oder Förderbedarf Sprache. Die reißen ja nicht die Schulgemeinschaft auseinander“, so Commerçon. Aktuell seien 1600 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in 1740 Klassen integriert. Das entspreche pro Klasse 1,2 Förderkindern, darunter auch etliche mit leichtem Förderbedarf wie Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Dyskalkulie. Dass durch die Inklusion normal begabte Kinder leiden, glaubt er aufgrund der Zahlen nicht.
In Zukunft sollen Förderschullehrer statt wie bisher stundenweise an einzelne Kinder fest Schulen zugeteilt werden. Dies habe sich bei den elf Schulen, die am Pilotprojekt „Inklusion“ teilnehmen, bewährt. Bisher koste es Förderlehrer viel Zeit, zwischen den verschiedenen Schulen zu pendeln. Wie viele Förderstunden die Schule erhält, hänge von der Anzahl der Kinder, der Größe der Klasse und der Lage der Schule ab. Darüber hinaus spiele auch die Zahl der übrigen Angebote wie etwa AGs eine Rolle bei der Budgetierung.

Die Kritik, dass es nicht mehr als 105 Förderschullehrer für die 162 Grundschulen im Land geben soll, will Commerçon nicht so stehen lassen. „Die 105 sind die Basisausstattung. Das betrifft im Wesentlichen die Kinder mit den Förderbedarfen Lernen, Sprache und sozial-emotionale Entwicklung. Was oft vergessen wird: Selbstverständlich werden wir für die körperbehinderten, geistigbehinderten und sinnesbeeinträchtigten Kinder weiterhin zusätzliche Förderbedarfe haben. Die sind noch nicht im Budget mit drin. Diese Bedarfe werden auch weiterhin ans einzelne Kind gebunden sein“, erklärt der Minister. Momentan gebe es pro Kind nur zwei Förderlehrerstunden in der Woche. Das ist definitiv zu wenig“, findet Commerçon und ist sicher: „Durch die neue, ressourcenschonendere Verteilung werden die meisten Schulen mehr Förderlehrerstunden haben als bisher.“ Sollte sich das Budget als zu gering erweisen, könne nachgesteuert werden. Aber er räumt ein: „Wir haben im Moment noch nicht genug Förderlehrer. Das ist ein echtes Problem. Das haben aber nicht nur wir, das haben alle in Deutschland.“ Daher möchte er auch die Kompetenzen der Regelschullehrer im Umgang mit Förderkindern stärken.

Nicht jede Schule bräuchte sofort einen Aufzug oder kostspielige Sehhilfen. Die gewünschte Wohnortnähe könne wohl nicht bei jedem Kind sofort erreicht werden. Ziel sei es jedoch, die Schulen schrittweise barrierefrei zu machen. „Die Inklusion ist eine Jahrhundertaufgabe, das kann man nicht oft genug betonen, sagt der Minister. Mögliche Anlaufschwierigkeiten seien normal, sagt Commerçon, aber: „Wir haben keine Inklusionsschule, die uns sagt, wir möchten noch einmal zurück, wo wir vorher waren.“
 
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