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Den Winter im Wohnwagen überstanden: Zu Besuch bei Dauercampern in Losheim

Viele Menschen leben dauerhaft auf einem Campingplatz. (Symbolfoto).

Viele Menschen leben dauerhaft auf einem Campingplatz. (Symbolfoto).

Die Wohnung ist voll bis unters Dach mit Krimskrams. Je mehr Platz wir haben, desto mehr sammelt sich an. Würden wir manchmal einfach rausschmeißen, was wir nicht brauchen, bleibt das übrig, was uns wirklich wichtig ist. Und das ist am Ende nur so viel, dass es auch in einen Wohnwagen passt.

„Ich habe hier alles, was ich brauche“, sagt die 66-jährige Melitta Igel zufrieden, wenn sie aus dem Fenster ihres Wohnwagenvorbaus guckt. „Ich will hier alt werden, solange mich meine Füße tragen.“ Sie ist eine der 15 Dauercamper, die ihre vier Wände im Dorf aufgegeben haben und mit Sack und Pack auf den Losheimer Campingplatz gezogen sind. Herd, Fernseher, ein Tablet mit Internet, eine Essecke und ein Sessel – ihr Anbau ist mit allem ausgestattet, was sie braucht. Seit acht Jahren lebt sie jetzt schon auf kleinstem Raum auf dem Campingplatz. Als ihr Mann vor einem Jahr starb, war für sie klar, dass sie das gemeinsam aufgebaute Zuhause nicht aufgeben wird. „Ich lebe hier ein Stück Freiheit“, stellt sie fest. Für Einsamkeit ist auch im Winter kein Platz. „Einer guckt nach dem anderen“, sagt sie. Am Wochenende hat sie trotz niedriger Temperaturen mit den Nachbarn auf der Terrasse gegrillt.

Einige Grundstücke weiter lebt der 77-jährige Herbert Adams. Vor seinem Wohnwagen hat der Winter seine Spuren hinterlassen. Um zu seiner Eingangstür zu gelangen, muss er erst ein kleines Matschfeld durchqueren. „Ich bin ganz modern und habe sogar eine Klingel“, erzählt er stolz. Ihn hat die Armut dauerhaft auf den Campingplatz getrieben. Seine Ersparnisse steckte er am Ende in das Pflegeheim, das seine Frau bis zu ihrem Tod umsorgte. Eine Wohnung konnte er sich dann nicht mehr leisten und so zog er vor sechs Jahren in den Wohnwagen. An seiner Seite hat er Kater Willi. Ansonsten trifft er die Nachbarn am Nachmittag auf ein Bier in der Gaststätte „Camping-Klause“. Die betreibt Gaby Treib. Auch sie hat sich dauerhaft auf dem Platz niedergelassen. Und dort ist sie sogar besser ausgestattet als mancher in seiner Wohnung – eine richtige Küche und ein großes Wohnzimmer mit langer Tafel hat sie in ihrem Wohnwagenanbau. „Hier habe ich es warm und gemütlich. Warum soll ich dann ein ganzes Haus heizen?“, bemerkt sie. Unter den Campern hat sie sogar vor zwei Jahren ihre Liebe gefunden.

Etwas trostlos und verlassen wirkt der Campingplatz im Winter aber doch. Wo zur Hochsaison 1500 bis 2000 Leute mehr oder weniger zusammenleben, sind zur kalten Jahreszeit nur ein paar zurückgeblieben. Nur zwei der sechs Sanitäranlagen sind winterfest und in Betrieb. 850 Euro zahlt ein Dauercamper im Jahr, um auf dem Platz wohnen zu können. Darin enthalten sind Wasser- und Stromgebühren. Weil die Wasserstellen allerdings im Winter zu sind, müssen die Bewohner sich in den Sanitäranlagen ihre Kanister abfüllen. Geheizt wird mit Gasöfen.

Pünktlich zum Saisonbeginn an Ostern war der Campingplatz wieder voll in Schuss. Darum kümmerte sich unter anderem Werner Harth. Seit 35 Jahren betreibt er den Campingplatz am Losheimer See. Das ist nicht immer ein leichter Job. Den kompletten Sommer arbeitet er ohne Urlaub durch. Im Winter verbringt er viel Zeit in seinem Büro in der Rezeption. Dann ist er mit Abrechnungen beschäftigt und nimmt all die Reservierungen für den Sommer entgegen. Im Moment ist Endspurt angesagt. Die letzten Baumfällarbeiten und Malerarbeiten stehen an.

Auch der Campingplatz in Weiskirchen rüstet sich für die neue Saison. Der Deutsche Campingclub Landesverband Saar betreibt den Platz ganzjährig. Aber auch dort geht es im Winter eher ruhig zu. Die Dauercamper lassen sich oft nur am Wochenende bei schönem Wetter blicken oder wenn eine besondere Veranstaltung ist, wie zum Beispiel die Weihnachtsfeier. Dennoch sei der Winter für den Verein als Betreiber eine sehr kostenintensive Zeit, sagt Siegbert Schmitt. Die Sanitäranlagen müssen durchgehend geheizt werden, auch wenn nur wenige Besucher auf dem Platz sind, für den Platzwart fallen Lohnkosten an. Und gleichzeitig fehlen aber die Einnahmen von den Besuchern. Den Platz über Winter zu schließen, kommt für den Verein aber nicht in Frage.

Das kann der Inhaber des Perler Campingplatzes am Dreiländereck nicht behaupten. Die direkte Lage an der Mosel zwingt Reinhold Ollinger dazu, den Platz im Winter zu schließen. Vorher müssen alle Wohnwagen abziehen. Die Hochwassergefahr sei nämlich zu hoch. Die neue Saison startete auch dort an Ostern .  
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