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Deutsche und luxemburgische Lehrer verdienen unterschiedlich

Perl/Saarbrücken. Rund zehn neue Stellen sollen am Schengen-Lyzeum in Perl im kommenden Jahr besetzt werden. An diesem Lyzeum treffen jedoch zwei Kulturen und Schulsysteme aufeinander. Das macht sich auch an den Gehältern bemerkbar: Die luxemburgischen Lehrer verdienen 30 Prozent mehr – an der gleichen Schule für die gleiche Arbeit.
Alle Lehrer am Schengen-Lyzeum haben nach saarländischem Standard 26 Unterrichtsstunden in der Woche zu halten. Dazu kommen Konferenzen, Vorbereitungen, Korrekturen. Die Erklärung für den unterschiedlichen Lohn ist einfach: Die Lehrer arbeiten zwar an der gleichen Schule im Saarland, ihr Arbeitgeber ist jedoch nicht derselbe. Für die Luxemburger Lehrer ist das das Ministère de l’Education Nationale im Großherzogtum, für die deutschen Lehrer das saarländische Bildungsministerium zuständig. Jeder Lehrer wird nach der Besoldungstabelle seines Heimatlandes bezahlt.

Eine Neiddebatte gebe es deshalb aber nicht, betonen die Lehrer. „Natürlich wäre es mir lieber, es wäre anders“, sagt der Deutsch-Lehrer Michael Weiand, einer der 43 deutschen Lehrer. Aus Luxemburg kommen 39 Lehrer. Zwei von ihnen sind Sonja Risch und Esther Dury. „Die Frage des Gehalts ist fast immer die zweite, wenn es um meinen Arbeitsplatz geht“, sagt Esther Dury, die Luxemburgisch unterrichtet. Dabei sei das unter den Kollegen kein Thema. „Das ist eben einfach so.“ „Das weiß man ja auch von Anfang an“, ergänzt Weiand.

„Warum soll ich mich dafür entschuldigen, dass ich besser verdiene?“, fragt Französischlehrerin Sonja Risch. „Allerdings muss ich sagen, dass ich nicht mehr als meine deutschen Kollegen leiste.“ Auch Schulleiter Volker Staudt hat seine Meinung dazu: „Es wäre sicher angenehmer, wenn alle gleich verdienen würden.“

Das saarländische Ministerium für Bildung erklärt, dass sich daran auch nichts ändern wird. Das Schengen-Lyzeum sei eben eine binationale Schule, an der Lehrer aus zwei Nationen tätig seien. Auch die Lehrer am Deutsch-Französischen Gymnasium (DFG) in Saarbrücken werden je nach Landeszugehörigkeit unterschiedlich bezahlt. Hier gibt es jedoch im Gegensatz zum Schengen-Lyzeum einen Unterschied: Die Lehrer arbeiten auch unterschiedlich viel – nämlich nach den Vorgaben ihres jeweiligen Heimatlandes. Das heißt im Klartext: „Der deutsche Lehrer leistet die üblichen 26 Unterrichtsstunden. Der Lehrer aus Frankreich fünf weniger“, erklärt DFG-Leiter Hans Bächle.  Insgesamt könne man sagen, dass die deutschen Lehrer etwas besser verdienen. Aber sie arbeiteten auch etwas mehr. „Das wäre ansonsten doch eine Ungerechtigkeit“, sagt Bächle.
Ob die unterschiedlichen Gehälter am Schengen-Lyzeum fair sind? „Das saarländische Bildungsministerium ist dazu verpflichtet, alle saarländischen Lehrer gleich zu bezahlen“, erklärt Pressesprecher Erik Harms-Immand. Eine Bevorzugung einiger weniger saarländischer Lehrer am Schengen-Lyzeum – damit sie das gleiche Gehalt wie die Luxemburger Kollegen verdienen – sei daher unzulässig.

Warum verdienen die Luxemburger Lehrer überhaupt 30 Prozent mehr? Die Lebenshaltungskosten im Nachbarland liegen nach Angaben des Statistischen Amts der EU (Eurostat) 15 Prozent höher als hier. Das Saar-Bildungsministerium äußert sich zurückhaltend: Es stehe ihnen nicht zu, die Besoldung der Nachbarn zu bewerten. Allerdings stehe Deutschland nicht schlecht da, wie Sprecher Harms-Immand erklärt: „Nach einer Vergleichsstudie der Europäischen Kommission von 2011 liegen die deutschen Lehrergehälter im oberen Mittelfeld.“

Meinung
Europa der Unterschiede
Von SZ-Redaktionsmitglied Nadine Klees


Natürlich muss sich der Luxemburger Kollege am Schengen-Lyzeum nicht entschuldigen. Ihn trifft keine Schuld. Er verdient eben besser. Dennoch wird man stutzig, wenn man hört, dass Lehrer für die gleiche Arbeit an der gleichen Schule nicht gleich entlohnt werden. Der Grund ist klar: Zwei unterschiedliche Nationen sind Arbeitgeber für das Kollegium an einer Schule. Deshalb ist es schwierig, die Gehälter anzupassen. Aber es zeigt auch, dass wir von einem vereinten Europa, in dem jeder die gleichen Rechte und Möglichkeiten hat, noch weit entfernt sind.

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