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Dillinger Hütte legt ein sattes Wachstum hin

Das Dillinger Stahlwerk.

Das Dillinger Stahlwerk.

Dillingen. Das Geschäft der Dillinger Hütte (DH) mit ihren Grobblechen fließt nicht mehr so stetig daher, wie es lange Jahre der Fall war. „Es ist durch Projekt-Aufträge stärker von einem Auf und Ab geprägt als früher“, erläuterte der DH-Vorstandsvorsitzende Karlheinz Blessing gestern anlässlich der Bilanzpressekonferenz. Vor allem zwei wichtige Absatzkanäle sorgen für eine Menge Adrenalin. Das ist zum einen das Geschäft mit Röhren für Gas- oder Ölpipelines. Zum anderen sind es die Windparks auf hoher See, für die die DH die Fundamente liefert. „Entweder kommen die Vorhaben nicht voran, weil es bei der Finanzierung hakt beziehungsweise die politischen Voraussetzungen sich geändert haben“, so der DH-Chef. „Oder der Knoten ist geplatzt und das Projekt läuft an. Dann muss man so schnell liefern, dass unsere Anlagen bis zum Anschlag ausgelastet sind“.

Auf diese neuen Marktgegebenheiten „müssen wir uns in Zukunft stärker einstellen“, sagte Blessing. „Doch es gibt auch noch das stetige Geschäft, das hilft, Stahlwerk und Walzstraßen dauerhaft auszulasten“, ergänzte Verkaufs-Vorstand Günter Luxenburger – zum Beispiel im Markt für Baumaschinen, im klassischen Offshore-Geschäft (Ölplattformen) und im Kesselbau. Den Absatz müsse man heute geschickter ausbalancieren und die Präsenz auf den Märkten außerhalb Europas verstärken, sagt Blessing. Aus diesem Grund suche sich die Dillinger Hütte weltweit Vertriebspartner und errichte neue Servicecenter – zum Beispiel in Indien.

Trotz der unsteter gewordenen Auftragslage und einem unsicheren Konjunktur-Umfeld will die Dillinger Hütte in diesem Jahr bei Ergebnis und Umsatz „eine ähnliche Größenordnung erreichen wie schon 2011, auch wenn das ein sehr ehrgeiziges Vorhaben ist“, meinte Blessing. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte der Stahlkocher Menge, Umsatz und Ergebnis steigern. Die Grobblechproduktion erhöhte sich gegenüber 2010 um 12,1 Prozent auf 2,11 Millionen Tonnen. Dies führte dazu, dass der Umsatz von 2,11 auf 2,75 Milliarden Euro kletterte. Beim Gewinn gestaltet sich die Sache schwieriger. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank im Vergleich zum Jahr 2010 von 368 auf 205 Millionen Euro. Die Umsatzrendite (Ebit-Marge) rutschte von 17,4 Prozent im Jahr 2010 auf 7,4 Prozent im vergangenen Jahr. Die Kapitalrentabilität (Roce) halbierte sich fast auf 6,4 Prozent (12,1 Prozent in 2010). „Dennoch verbesserte sich das Ergebnis gegenüber 2010 um 39 Prozent“, sagte Finanzvorstand Fred Metzken. Er führt diesen Gegensatz unter anderem auf das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz zurück, das dazu führte, dass jetzt stille Rücklagen in dreistelliger Millionenhöhe ausgewiesen werden mussten. Wegen Sondereffekten sei außerdem das Beteiligungsergebnis sehr hoch ausgefallen.

Die Dillinger Hütte investierte im vergangenen Jahr rund 95 Millionen Euro (Vorjahr 73 Millionen Euro). Die größte Investition ist eine neue Strangguss-Anlage für besonders dicke Bleche. Sie kostet 300 Millionen Euro und soll im Frühjahr 2014 fertig sein.
Am Standort Dillingen sind rund 5460 Mitarbeiter beschäftigt nach 5410 ein Jahr zuvor. In der gesamten Gruppe, zu der unter anderem GTS (Walzwerk) in Frankreich gehört, sind es rund 8210 (2010: 8070).


Meinung
Die Sorgen ernst nehmen
Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid


Die Dillinger Hütte ist eine wichtige Größe in der Saar-Wirtschaft. Sie steuert rund zehn Prozent zum Umsatz des Verarbeitenden Gewerbes bei, vergibt in guten Zeiten pro Jahr Aufträge an die saarländische Wirtschaft in Höhe von 400 Millionen Euro und beschäftigt allein am Standort Dillingen mehr als 5460 Mitarbeiter. Außerdem werden die Geschicke der saarländischen Stahlindustrie, die größtenteils aus der Dillinger Hütte und Saarstahl besteht, in der Region entschieden und nicht in einer fernen Konzernzentrale. Dessen sollte sich auch die neue Landesregierung bewusst sein. Man muss zwar nicht bei jedem Pfiff der Stahlkocher springen, ihre Sorgen – Entwicklung der Energiepreise oder neue Schleusen an der Mosel – aber ernst nehmen.

Hintergrund
Die Dillinger Hütte (DH) hat nach eigenen Angaben zwischen 2007 und 2011 rund 270 Millionen Euro in Umweltmaßnahmen investiert – bei Gesamtinvestitionen von 530 Millionen Euro. DH-Chef Karlheinz Blessing befürchtet wegen der Klimaschutz-Vorgaben weitere Belastungen und ein Ausbluten der deutschen Stahlindustrie. Doch hochwertiger deutscher Stahl sei ein wichtiger Grundstoff für die heimische Industrie. low
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