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Drogenberatung: Viele Süchtige psychisch krank

Saarbrücken. Immer mehr Drogenabhängige, die bei der Aktionsgemeinschaft Drogenberatung (AGD) Hilfe suchen, leiden zusätzlich an psychischen Krankheiten. „Bei vielen tritt die Sucht gemeinsam mit einer Persönlichkeitsstörung wie Borderline oder Hyperaktivität auf“, sagte Dr. Hans Neustädter, Vorstandsvorsitzender der AGD, bei der Vorstellung des Jahresberichts des Vereins. Er und seine Kollegen vermuten, dass in diesen Fällen die Drogen genommen werden, um die Persönlichkeitsstörung zu bewältigen. „Das macht die Arbeit mit den Klienten schwieriger“, berichtet Thomas Reuland, fachlicher Leiter der AGD. Denn neben der Sucht müsse auch die psychische Erkrankung behandelt werden.

Die AGD betreibt vor allem für junge Menschen zwei Beratungsstellen in Saarbrücken und Völklingen sowie eine Fachstelle für Suchtprävention. Zusätzlich berät sie Drogenabhängige in den Justizvollzugsanstalten Ottweiler und Saarbrücken. Im Jahr 2010 betreute sie 1600 Personen, davon rund 650 langfristig. In den meisten Fällen ging es dabei um Cannabis, Heroin und Amphetamine. Einige Fakten sind unverändert: „Die Jugendlichen beginnen nach wie vor sehr früh mit dem Drogenkonsum“, sagte Neustädter. Im Schnitt sind sie 14,4 Jahre alt, wenn sie das erste Mal Alkohol trinken.

Neu sei, dass eine Verschiebung im Konsum stattgefunden habe. So habe zwar die Gesamtmenge der Drogen nicht zugenommen. „Wir haben aber den Eindruck, dass ein harter Kern immer mehr konsumiert, die Allgemeinheit hingegen weniger“, erklärte Neustädter. Er weiß von Fällen zu berichten, in denen sich Abhängige nachts den Wecker stellen, um Alkohol zu trinken und so Entzugserscheinungen am nächsten Morgen zu verhindern. Ein weiterer Trend, den die Experten bei ihrer Arbeit festgestellt haben, ist die steigende Zahl computersüchtiger Jugendlicher. „Das wird in den nächsten Jahren mehr werden“, ist Karin Berty von der Fachstelle für Suchtprävention überzeugt.

Die AGD wird vom Regionalverband, dem Land, den Städten Völklingen und Saarbrücken und Spendern mit rund 600?000 Euro pro Jahr finanziert. Die Mehrheit ihrer Klienten ist männlich. Das liege einerseits an der Arbeit in den Justizvollzugsanstalten, doch der AGD-Vorsitzende Neustädter nannte noch einen weiteren Grund: „Suchtkranke Frauen sind stärker einer sozialen Ächtung unterworfen als Männer.“

© WhatsBroadcast
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