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Eiskalt erwischt: Wo der Chef selber schleckt

Wer ist überhaupt Charlotte? Das fragten sich die Besucher, die vor gut einem Jahr erstmals das gleichnamige Café in der St. Wendeler Fußgängerzone besuchten. Die Inhaberin? Die Tochter des Inhabers? Nah dran, aber kein Treffer. Theo Schäfer klärt auf: „Das war meine Oma.“ Ihr Mann war im Krieg gefallen, sie musste vier Kinder alleine groß ziehen. Und da kam eben auf den Tisch, was gerade im Garten zu finden war. „Das passt zu unserem Konzept“, sagt Schäfer, Geschäftsführer der Charlotte Eismanufaktur GmbH. Das Essen war natürlich. Genau wie das Eis sein soll: ohne Farb- und Konservierungsstoffe.

Seit wenigen Wochen wird das Eis auf dem Wendelinushof produziert. Die Firma gibt es bereits seit einem Jahr. Dass die Geschäftsidee aber so schnell erfolgreich sein würde, damit hat Schäfer nicht gerechnet. Es fing alles im Café Charlotte in der St. Wendeler Fußgängerzone an. Dort gab es nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch selbstgemachtes Eis. „Vom ersten Tag an war das Café übervoll“, berichtet er. Die Nachfrage sei riesig gewesen. Auch von Seiten der Gastronomie: „Viele wollten unser Eis, aber wir konnten nicht liefern.“ Produziert wurde in einem 20-Quadratmeter-Raum im Café. Es gab keine Kapazitäten – weder für die Lagerung noch für eine Ausweitung der Produktion.

Die St. Wendeler Wirtschaftsförderungsgesellschaft brachte den Wendelinushof ins Spiel. Schäfer ist begeistert: „Dort fanden wir alles so vor, dass wir nur noch die Einrichtung stellen mussten.“ Das Café ist übrigens seit Oktober geschlossen. „Wir wollten uns ganz aus der Gastronomie zurückziehen und uns nur noch auf die Eis-Produktion konzentrieren.“ 500 Liter Eis am Tag – das haben sich Schäfer, sein Sohn Thomas sowie die drei Angestellten zum Ziel gesetzt. In dem gekühlten Produktionsraum ist eine große Theke, wo Schäfer die Zutaten zusammenstellt. In einem großen Edelstein-Mixer werden diese dann verrührt, bevor die Masse mit einem Schlauch in die Eismaschine gezogen wird. Die Produktions-Mitarbeiterinnen Bärbel Mathea und Monika Blatt prüfen das Resultat. An diesem Nachmittag wird Mango-Eis hergestellt. Eine Charge, das sind 80 Liter.

Die Öffnung, aus der die gelbe Masse in die Schüssel fließt, sieht aus wie ein Fleischwolf . Mango ist noch eines der klassischeren Rezepte, wie auch Schoko, Vanille (mit echten Vanilleschoten) oder Haselnuss. „Ich entwickele permament neue Rezepte“, sagt Schäfer, der sich selbst für einen kreativen Menschen hält. Aber auch auf Wunsch der Kunden probiert er gerne Neues aus. Dabei kommen solch kuriose Sorten wie Ananas-Curry, Schoko-Chili, Zitrone-Basilikum oder Frischkäse-Himbeer heraus. Auf Wunsch hat Schäfer sogar einmal Bier-Eis gemacht.

Aber wie kam er überhaupt dazu? Schließlich ist der 60-Jährige weder Koch noch Bäcker. Vielmehr hat er als Programmierer gearbeitet. Schäfer erzählt eine einfache Geschichte: „Ich habe 1980 in Italien ein sehr, sehr gutes Eis gegessen. Und ich habe 2002 in Paris ein gutes Eis gegessen. Dazwischen nicht.“ Vor drei Jahren habe er dann in Deutschland ein Eis gegessen. „Das schmeckte gruselig“, sagt Schäfer. Er wollte es besser machen. Es sollte ein Eis sein, das zu 100 Prozent aus natürlichen Zutaten besteht. Und Schäfer betont: „Wenn ich Pistazieneis mache, dann sollen da auch Pistazien drin sein.“ Gleiches gelte auch für andere Sorte. Der Gewinn pro Kugel sei dann vielleicht ein bisschen geringer, aber er könne das Eis reinen Gewissens verkaufen: „Ich will kein Produkt verkaufen, zu dem ich nicht stehe.“

Er las viel, beschäftigte sich mit dem Thema Eis, fragte sich: Wie haben die Leute das früher gemacht? Und dann probierte seine Familie sein erstes Eis. Vanille . Der Familie habe es geschmeckt, ihm nicht. Er, der sich selbst sehr sensible Geschmacksnerven attestiert, tüftelte weiter. Und dabei kamen ihm seine Fähigkeiten als Progammierer zugute. Er entwickelte eine Software, die die jeweiligen Anteile der Zutaten genau berechnete. Die Kunst sei, so Schäfer, dass die Konsistenz immer gleich bleibe. So würden sich auch nach einiger Zeit im Gefrierfach keine Eiskristalle bilden.

„Ich will das beste Eis Deutschlands machen“, sagt Schäfer. Das sei kein Größenwahn. Denn er urteilt: „Ich bin sehr nah dran.“ Kein Wunder, dass die Nachfrage groß ist. Das Eis wird im Nachfolge-Lokal des Café Charlotte, „Bruder Jakob“, verkauft, aber auch in einem Laden in Saarbrücken und in Karlsruhe. Außerdem gibt es einen mobilen Verkaufsstand, der montags bis freitags vor „Mein Fridel“ in Saarbrücken steht. Ab Mai wird das Eis auch im Globus in St. Wendel angeboten, weitere Geschäftsleute und Gastronomen sind interessiert. Aber Schäfer winkt ab: „Wir werden vorerst keine neuen Kunden annehmen.“  
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