A620 Saarbrücken Richtung Saarlouis in Höhe Saarbrücken-Sankt-Arnual Gefahr durch ungesicherte Unfallstelle, Gefahr durch Gegenstände auf allen Fahrstreifen (17:49)

A620

Priorität: Dringend

-2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
-2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Experte sieht Sicherheitsmängel am lothringischen Kraftwerk

Drei der vier weithin sichtbaren Kühltürme von Cattenom. Politiker der Großregion wollen das Aus für die Anlage.

Drei der vier weithin sichtbaren Kühltürme von Cattenom. Politiker der Großregion wollen das Aus für die Anlage.

Saarbrücken. Der Atomenergie-Experte Dieter Majer hat gestern erneut massive Bedenken an der Sicherheit des Atomkraftwerks Cattenom formuliert. Der vom Saarland, Luxemburg und Rheinland-Pfalz beauftragte Stresstestbeobachter zählte gestern im saarländischen Landtag vor Abgeordneten der drei Länder zahlreiche Mängel auf, die bei möglichen Störfällen zu weiteren Komplikationen führen könnten.

Kein echter Test

Dieter Majer kritisierte darüber hinaus den Belastungstest für das französische Atomkraftwerk generell: „Der Stresstest verdient allein schon seinen Namen nicht, weil keine Kriterien genannt werden für ein Bestehen oder ein Nicht-Bestehen.“ Majer, früher im Bundesumweltministerium für die Atomaufsicht zuständig, monierte darüber hinaus, dass ihm wichtige Dokumente zur Bewertung der lothringischen Atomanlagen nicht vorlägen. Dazu gehören nach seinen Angaben auch Schaltpläne der Anlage und eine Risikoanalyse für eine mögliche Kernschmelze.
Die Abgeordneten reagierten teilweise mit Bestürzung auf Majers Bericht. Kurz nach dem Ende der Sitzung forderten die saarländischen Linken, die SPD und die Grünen das Aus für die lothringischen Meiler.
Henri Kox, Bürgermeister von Remich und luxemburgischer Abgeordneter, sagte noch im Sitzungssaal: „Die Sicherheitsbedenken sind erheblich.“ Kox spitzte mit Blick auf Cattenom zu: „Ich gehe hier raus und sage jedem, dass das dort Schrott ist.“

Zuvor hatte Majer dargelegt, dass es bei der Sicherheitskultur zwischen Deutschland und Frankreich gravierende Unterschiede gebe – er referierte kurz über einen Inspektionsbesuch in Cattenom vom August, als dem Ingenieur rostige Schrauben, platzender Beton und Algen im Wasserreservoir negativ aufgefallen waren.
Wichtiger noch für Majer: Im Verfahren des Stresstests seien einige europäische Vorgaben gar nicht erst übernommen worden, beispielsweise die Sicherheit bei einem Flugzeugabsturz oder die Erdbebensicherheit über eine bestimmte Schwinggeschwindigkeit hinaus. Ein Beispiel: Die Wasserversorgungsleitung vom Reservoir zum Kraftwerk sei gar nicht gegen Erdbeben geschützt, wie Majer darlegte.

Kommt Resolution durch?

Die Reaktion der Parlamentarier, die auf Einladung der Kommission für Innere Sicherheit und Katastrophenschutz des Interregionalen Parlamentarierrates (IPR) in Saarbrücken waren: Sie wollen am Freitag in Metz bei einem Treffen des gesamten IPR eine Resolution verabschieden, die mittelfristig den weiteren Betrieb von Cattenom in Frage stellt. Kurzfristig müssen nach Ansicht von Kommissionsvorsitzender Helma Kuhn-Theis alle Mängel an der Anlage beseitigt werden.

Gestern in Saarbrücken waren die lothringischen Abgeordneten zum Bedauern von Kuhn-Theis wie schon häufig nicht dabei – „aus ungeklärten Gründen“, sagte die CDU-Politikerin. Die Frage nach dem französischen Votum am Freitag dürfte für die Politik der Großregion spannend werden. Womöglich wird an diesem Tag auch über die Finanzierung des Parlamentarierrates für die Großregion diskutiert werden. Dem Vernehmen nach will Lothringen die Mittel kürzen – mit dem Argument: manche Kommissionen hätten zu oft getagt, so Kuhn-Theis.

© WhatsBroadcast
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein