A6 Kaiserslautern Richtung Metz/Saarbrücken zwischen Waldmohr und Homburg Gefahr durch 1 Gegenstand auf dem linken Fahrstreifen (ein Fahrrad) (12:25)

A6

Priorität: Dringend

24°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
24°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Fehler beim Überholen auch im Saarland häufige Unfallursache

„Fehler beim Überholen gehören immer wieder zu den Hauptunfallursachen“, sagt Polizeisprecher Georg Himbert . Im vergangenen Jahr war es 527 Mal der Fall – bei insgesamt 32 040 Unfällen. 109 Mal gab es Verletzte. Vor allem auf den Landstraßen ist die Zahl der Unfälle bei Überholmanövern in den letzten Jahren gestiegen, von 94 im Jahr 2010 auf 113 im Jahr 2013.

Spezielle Brennpunkte, an denen es besonders oft bei Überholmanövern kracht, gebe es derzeit im Saarland nicht, sagt Himbert. Gemeinsam mit kommunalen Unfallkommissionen habe die Polizei die Situation auf den Straßen immer im Blick und könne notfalls reagieren. Eine Gefahrenstrecke wurde so bereits vor Jahren entschärft: die B 41 zwischen Neunkirchen und Ottweiler, die auch als „Todespiste“ berüchtigt war. Hier gibt es ein Überholverbot und eine Begrenzung auf Tempo 80. Auf einem Teil der Strecke wurden Mittelleitplanken gebaut. Zudem wurden Schocktafeln aufgestellt, die auf die Unfalltoten hinweisen. Die Maßnahmen zeigten Wirkung. „Die Strecke ist inzwischen unauffällig“, sagt Himbert.


Wenn junge Männer ihr Ego mit dem Gaspedal regeln

Jung, männlich und gefährlich: Der typische Verursacher von Überholunfällen auf deutschen Straßen ist statistisch gesehen ein Mann (in 86 Prozent aller Fälle) und wahrscheinlich unter 30 Jahre alt (46 Prozent). Er überholt zum Beispiel trotz Gegenverkehrs (28 Prozent), trotz unklarer Verkehrslage (26 Prozent) oder sogar trotz Überholverbots (26 Prozent). „Bei jedem vierten Überholunfall auf der Landstraße war die Lage so unübersichtlich, dass das Überholen wie Russisch Roulette war“, fasste der Unfallexperte Siegfried Brockmann die Ergebnisse einer gestern veröffentlichten Studie der Versicherer zu Überholunfällen auf Landstraßen zusammen.

Das Statistische Bundesamt hat 2013 auf Landstraßen 1934 Verkehrstote gezählt. Damit ist die Landstraße das lebensgefährlichste Pflaster. Mehr als sieben Prozent der Unfälle auf Landstraßen sind beim Überholen passiert. Dabei wurden 171 Menschen getötet. Die Unfallforschung der Versicherer untersuchte 9300 Überholunfälle. 71 Prozent der Überholunfälle gab es an Kuppen, Senken und allgemein bei zu geringen Sichtweiten. Zugleich ereigneten sich 74 Prozent der Überholunfälle dort, wo es kein Verbot und kein Tempolimit gab.

Die Experten haben hier auch Gefahren durch falsche rechtliche Vorgaben entdeckt. „Wenn es kein Verbotsschild und keine durchgezogene Linie gibt, heißt das noch lange nicht, dass Überholen dort gefahrlos möglich ist“, warnte Brockmann, „manchmal sogar das Gegenteil“. Denn wenn Überholen eigentlich offensichtlich kaum möglich sei, fehle oft ein ausdrückliches Überholverbot. Grund sei die Vorgabe, den „Schilderwald“ nicht zu verdichten. So habe es an fast drei Vierteln der untersuchten Abschnitte ohne echte Sichtweite kein ausdrückliches Überholverbot durch Schilder und durchgezogene Linien gegeben. „An allen Stellen, an denen die Sicht nicht für ein Überholen ausreicht, muss es ausdrückliche Überholverbote geben“, forderte Brockmann. „Dann hätten 70 Prozent des Landstraßennetzes ein Überholverbot.“

Welche Folgen misslungene Überholmanöver haben können, führten die Experten auf dem Crashtest-Gelände in Münster vor. Mit Tempo 100 krachte ein Auto in ein einbiegendes Fahrzeug. Ein ohrenbetäubender Knall, Glas splitterte, es roch nach Gummi und Benzin. Jeder fünfte Überholunfall ereignet sich an Kreuzungen und Einmündungen.

Ungeklärt bleibt, warum Fahrer überhaupt das Risiko eingehen. Der Zeitvorteil kann es kaum sein. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hat das nachgewiesen. Bei Testfahrten auf Landstraßen betrug der Zeitvorteil durch aggressives Überholen auf einer Strecke von 20 Kilometern nur etwa anderthalb Minuten. Auch der Verkehrspsychologe Peter Kiegeland hat festgestellt, dass viele den Zeitvorteil durch schnelles Fahren oft maßlos überschätzten. Bei der Hauptrisikogruppe – den jungen Männern – kämen oft weitere Faktoren zusammen: Unerfahrenheit, Selbstüberschätzung, Imponiergehabe aus Unsicherheit. „Das Selbstbewusstsein wird sozusagen mit dem Gaspedal geregelt“, sagt Kiegeland.

Unfallexperte Brockmann setzt neben Überholverboten und Tempolimits auf „die neue Landstraße“, wie sie auch das Bundesverkehrsministerium vorsieht: dreispurige Landstraßen , auf denen es abwechselnd zwei Fahrspuren in einer Fahrtrichtung gibt. Angesichts leerer Kassen steht die Umsetzung des Konzepts allerdings in den Sternen.
© WhatsBroadcast
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein