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Frau beim Gassi-Gehen mit ihrem Hund überfallen und in Transporter gezerrt

Symbolfoto.

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Am vierten Tag im Strafprozess gegen drei mutmaßliche Mitglieder einer bundesweit aktiven Einbrecher- und Räuberbande vor dem Landgericht Saarbrücken ging es um den Überfall auf eine Frau in Würzburg. Die Gattin eines Bauunternehmers war Anfang 2013 beim Gassi-Gehen mit ihrem Hund in einen weißen Transporter gezerrt, gefesselt und misshandelt worden. An der Tat sollen die beiden älteren der 24, 38 und 40 Jahre alten Angeklagten beteiligt gewesen sein. Die Männer stammen aus Ex-Jugoslawien und sollen in wechselnder Beteiligung an einer Serie von besonders brutalen Einbrüchen und Überfällen beteiligt gewesen sein.

In diese Kategorie fällt auch die Tat am frühen Morgen des 9. Februar 2013 in einem gepflegten Wohnviertel mit Einfamilienhäusern am Rand von Würzburg. Wie an jedem Morgen machte sich die damals 63 Jahre alte Frau mit ihrem Hund auf den Weg in die nahe gelegenen Weinberge. Gegenüber ihrem Grundstück stand ein weißer Transporter-Kastenwagen. „Ich dachte, es ist ein Paketdienst“, sagte die gepflegte Frau mit kurzen grauen Haaren als Zeugin vor dem Landgericht. Und als ihr Hund den Wagen anknurrte und dann sogar anbellte, habe sie sich nichts gedacht. Sie sei an dem Auto vorbei und in Richtung Spazierweg. Plötzlich habe der Hund wieder gebellt und der Transporter sei in ihre Richtung  gefahren. Der Wagen habe sie an den Rand des Weges gedrängt, die Schiebetür sei aufgegangen, jemand habe sie in das Auto gezerrt und ein Mann mit Maske habe ihr eine Pistole an den Kopf gehalten. „Du wirst jetzt erschossen,“ habe er gesagt. Und: „Ich will Schlüssel. Ich will Geld. Wo ist der Tresor?“. Die Frau beteuerte, dass sie und ihr kranker Mann kein Geld hätten und schon gar keinen Tresor. Aber das nützte nichts. Sie wurde gefesselt, geknebelt, geschlagen und immer wieder getreten. Einer der Männer sei ständig raus aus dem Auto und wieder rein. Er sei besonders brutal zu ihr gewesen. Am Ende hatte sie fünf gebrochene Rippen, Prellungen überall, Schmerzen und Todesangst. Sie habe nur noch gedacht: „Lieber Gott. Wenn es sein muss, dann soll es bitte schnell gehen.“

Aber offenbar lief die Sache nicht so, wie von den Männern geplant. Das sei ihr später klar geworden, so die Zeugin vor Gericht. Der Wagen sei losgefahren und habe wieder angehalten. Und plötzlich sei die Tür aufgegangen, zwei Männer hätten sie gepackt und „wie einen Müllsack“ aus dem Auto geworfen. Sie sei neben dem Spazierweg gelandet, der zu den Weinbergen und dem Wald führt. Dort habe sie gelegen – gefesselt, Augen und Mund mit Klebeband verschlossen. Sie habe die Kirchturmuhr acht Mal schlagen gehört und gedacht, wo sind nur die ganzen Leute mit Hund. Die müssten doch um diese Zeit in der Nähe sein.

Aber keiner kam. Statt dessen habe sie einen großen Traktor den Weg hochkommen gehört. Der Fahrer schien sie in der Dämmerung am Rand des Weges nicht zu sehen. Die Frau wackelte verzweifelt mit dem Kopf – mehr ging nicht. Und gerade noch rechtzeitig hielt die Landmaschine an. Der Fahrer befreite die 63-Jährige und rief die Polizei. Die Beamten waren schon unterwegs. Sie waren aus dem sonst so ruhigen und beschaulichen Wohnviertel gerufen worden. Dort hatte der Hund der Frau nämlich nach deren Verschwinden alle aufgescheucht. Er war nach Hause gelaufen, hatte vor der Tür laut gebellt und den Ehemann der Entführten sowie dessen Krankenschwester alarmiert. Dann kam ein Nachbar mit Hund dazu, der berichtete, dass er gerade von einem fremden Mann mit Pistole bedroht worden sei. Nun war das halbe Viertel alarmiert. Und an einen Überfall auf oder einen Einbruch in das Haus der Familie war nicht mehr zu denken. Wohl deshalb brachen die Täter damals ab.

Der Prozess wird fortgesetzt.  Im Fall einer Verurteilung müssen die drei Angeklagten wegen der Schwere und der Vielzahl der Delikte damit rechnen, dass sie als gefährlich für die Allgemeinheit eingestuft werden. Damit droht ihnen nach Verbüßung ihrer langjährigen Haftstrafen die anschließende Unterbringung in Sicherungsverwahrung. Diese wäre unbefristet.


Mehr Infos in unserem Text zum Prozessauftakt:
 

Folter-Einbechern droht vor Gericht unbefristete Sicherungsverwahrung


Wegen einer Serie von Einbrüchen in Wohnhäusern, Überfällen auf Tankstellen sowie Spielotheken und einer Entführung müssen sich drei Männer vor dem Landgericht verantworten. Die Angeklagten sind 24, 38 und 40 Jahre alt. Sie stammen aus dem früheren Jugoslawien und sollen Teil einer bundesweit agierenden, sehr brutalen Bande sein. Ihnen droht im Fall einer Verurteilung, dass sie als gemeingefährlich eingestuft und deshalb auf unbefristete Dauer in Sicherungsverwahrung gesperrt werden.  

Einer der spektakulärsten Einbrüche des Trios ereignete sich Ende 2013 in Saarlouis. Damals wurde dort ein Rentner nachts in seinem Schlafzimmer überrascht, gefesselt und mit einem Bügeleisen gefoltert. Unter anderem deshalb wurden die drei Angeklagten vor rund einem Monat bereits zu mehrjährigen Haftstrafen zwischen neun und 14 Jahren verurteilt. Allein damit liegen sie schon hart an der Grenze der laut Strafgesetz zulässigen Gesamt-Höchststrafe von 15 Jahren.

Jetzt kommen laut Anklage zwei Einbrüche, sechs Überfälle und eine Entführung in wechselnder Beteiligung dazu. Alle Taten sollen sich zwischen Januar und Oktober 2013 ereignet haben. Es geht um Überfälle auf eine Spielhalle in Castrop-Rauxel, ein Reisebüro in Alzey, ein Spielcasino in Oberhausen, eine Spielhalle in Essen, eine Tankstelle in Bottrop und eine Tankstelle in Saarbrücken. Außerdem wird den Angeklagten die Beteiligung an der Entführung einer Frau aus vermögender Familie in Würzburg vorgeworfen. Sie wurde in der Nähe ihres Hauses in einen Transporter gezerrt, gefesselt und misshandelt. Es ging offenbar darum, an die Wertgegenstände der Familie zu gelangen. Als den Tätern ein Mann mit Hund entgegen kam, fühlten sie sich offenbar enttarnt und ließen die völlig verängstigte und verletzte Frau gehen.

Ähnlich brutal sollen die Angeklagten bei zwei Einbrüchen in Brücken (Pfalz) und in Großrosseln vorgegangen sein. In dem ersten Fall wurde der 83 Jahre alte Hausherr misshandelt und dann mit einer Pistole im Nacken zu seinem Tresor geführt. In dem anderen Fall misshandelten die Einbrecher den Betroffenen mit Schlägen und Tritten. Außerdem wurde der Mann mit einem Messer gefoltert, wobei ihm zwei Sehnen an der Hand durchtrennt wurden.

Mit einem Urteil dazu und zu den anderen Fällen wird wegen der Schwere der Vorwürfe sowie der möglichen Sanktionen gegen die Angeklagten frühestens im Sommer gerechnet. Der Prozess wird fortgesetzt.
 
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