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Frust beim Fasten muss nicht sein

„Gefastet wird nicht. Wir haben höllisch zu tun.“ Die Stimme übertönt mit Mühe den fröhlichen Hintergrundlärm. In diesem Saarbrücker Café ist ganz schön was los. Kunden ordern Torten, Kuchen, Petits Fours. Auch in der Fastenzeit . Konditor Andreas Dausend, der stellvertretende Landesinnungsmeister, fastet nicht. Er sieht fast zwei Wochen nach Aschermittwoch keine Anzeichen für massenhaften Verzicht. „Ich habe nicht den Eindruck, dass Umsätze wegbrechen, wenn die tollen Tage vorbei sind.“ Dabei ändern sich die Kundenwünsche in diesen Wochen durchaus. „Die Kundschaft greift eher zum Obstkuchen als zur Sahnetorte.“

Schwester Teresa hebt im Kloster am Rande der Stadt den Hörer ab. Ihr und den Mitschwestern liegt viel an der Fastenzeit als Vorbereitung auf Ostern, „ähnlich wie auf Weihnachten“. „Das Wichtigste ist es, in verschiedenen Bereichen bewusst einfach zu leben, zufriedener zu sein mit wenigem – nicht bloß beim Essen.“

Die Nonne hält nichts von spektakulären Aktionen, sondern vom geschärften Blick auf die kleinen Dinge des Alltags. „Es geht darum, liebevoller, aufmerksamer und geduldiger im Miteinander zu sein.“ Für Schwester Teresa ist jetzt vor allem eine Zeit, das eigene Anspruchsdenken zu hinterfragen. „Das kann man immer.“

Und das wollen viele. Jürgen Born von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Riegelsberg hat das Fastenprogramm nicht zuletzt für Teilnehmer aus Saarbrücken zusammengestellt. „Wir sind nahe am Rastpfuhl und gut mit der Saarbahn zu erreichen.“

Angekommen ist die Fastenreihe bislang gut. Über die biblischen und geschichtlichen Wurzeln der Fastenzeit sprach zum Auftakt am 11. Februar Dechant Franz-Josef Werle. Fast 40 Leute waren da, als es vorigen Montag um „Fasten für Körper und Seele“ ging. Für Born ist Fasten ein Mittel gegen die Hektik. „Die Zeit rennt, und wir rennen mit.“ Auswege zu zeigen sei Ziel der KEB-Reihe.

Das Medizinische bis hin zur Frühjahrskur mit Heilkräutern komme keineswegs zu kurz. Für Born bedeutet Fasten, „zur Ruhe kommen, in sich zu gehen, sich etwas aufzuerlegen, auf Süßigkeiten zu verzichten“.

Metzgerei-Geschäftsführer Ralf Konrad sieht bei der Kundschaft keinen Trend zum Verzicht in der Fastenzeit . „Das Einkaufsverhalten ändert sich nicht, und an den Umsätzen ist davon nichts zu spüren.“

Schwankungen hätten mit anderen Dingen zu tun, zum Beispiel mit den Zahltagen oder dem Wetter. Die guten Seiten des Fastens kennt Konrad ebenso wie die Mühen des Anfangs. „Man muss die ersten drei bis vier Tage durchhalten.“

Die Belohnung lasse nicht lange auf sich warten. „Das Allgemeinbefinden bessert sich nach einigen Tagen. Wer fastet, wird lebendiger und klarer im Kopf. Und er benötigt weniger Schlaf. Fasten entgiftet und hilft bei der Zellerneuerung.“ Konrad fastete schon bis zu 13 Tage lang. Aber dafür brauche er definitiv Ruhe. Sonst werde das nichts mit dem Verzicht.

Weitere Infos zum KEB-Fastenprogramm bei Jürgen Born, Tel. (0 68 06) 26 62.

 

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