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Gegen Hass und Intoleranz: Bliesransbach will mit Theaterstück aufrütteln

Bliesransbach. „Verbrennt die Hex'“, schleudern die Frauen geifernd dem Gericht entgegen. Die schwarz gewandeten Herren hocken finster blickend in Bliesransbachs Mitte.

Verzweifelt schaut die Jungfer Bärbel Kalle gen Himmel. Zwei Männer halten sie fest. Sie soll, im Feuer schreiend, ein Bild des Schreckens bieten.

Zeit für den Auftritt: „Zerrt mich mal dorthin“, ruft Sandra Worthmann-Follmar den muskulösen Kerlen zu. Zweimal schleppen die Häscher die Hilflose ihren Richtern entgegen. „An den Pfahl mit ihr!“, hallt es fordernd über den Platz.

Hexenjagd-Stimmung verscheucht die Feierabendruhe aus Bliesransbachs Ortskern. Einer hält dagegen: Daniel Worthmann, Ehemann der Regisseurin, spielt den Freund der Geschmähten. Das darzustellen, fasziniert ihn, der sein Geld mit Personalentwicklung verdient. Und der im Mobbing von heute ein Übel sieht, das der Hatz auf andere von einst ganz ähnlich ist.

Mimen von 9 bis 90 Jahren

Sandra Worthmann-Follmar und die anderen Theaterbegeisterten vom Kultur- und Trachtenverein, ob Hausfrau, Manager, Rentner oder Schüler, Mimen von 9 bis 90 Jahren, proben mit vollem Einsatz. Bis zu 65 werden bei den fünf Aufführungen im Ort und in Gräfinthal vor und hinter der Bühne in Aktion sein.

Worthmann-Follmar will, dass Wut, Hass, Gier gut rüberkommen. Die Kerle zerren so an der Zierlichen, dass sich eine Sandale vom Fuß löst und davonfliegt. So soll es sein. Die junge Frau hat eben Theaterblut geerbt, ist Hauptdarstellerin und Regisseurin und mag beides. Sie hat zu dem Stück „Der letzte Hexenprozess von Bliesransbach“ eine besondere Beziehung. Zum einen, weil es sich um ein Bühnenwerk ihres Urgroßvaters Theodor Follmar handelt. Zum andern, weil Follmar eine wahre Begebenheit zum Bühnenstoff verarbeitet hat. Denn die Jungfer Bärbel Kalle und den Prozess gegen sie gab es Ende des 16. Jahrhunderts wirklich. Das Bühnenstück dazu hat der Großvater der Regisseurin, der langjährige SZ-Mitarbeiter Alois Follmar, neu arrangiert.

Die Gier der Denunzianten

Ein simpler Blick zurück, selbstgefällige Betrachtung finsterer Zeiten mit Gänsehaut-Effekt, soll nicht sein, was da am 2. Juli zum ersten Mal über die Bühne geht. Sandra Worthmann-Follmar: „Vieles, was wir auf der Bühne zeigen, prägt unser Handeln bis heute: Die Suche nach Sündenböcken, Neid, Eifersucht, Habgier.“

Ihr liegt daran, das Heutige in dem alten Stoff herauszuarbeiten. Beispiel: „Jeder, der damals über Hexen zu Gericht saß, bekam etwas vom Vermögen der Unglücklichen.“ Die Inszenierung zeigt diese Gier, die uns heutigen ebenso vertraut sein dürfte wie die Bereitschaft zur Denunziation um des eigenen Vorteils willen.

Büttel Dietmar Petry bringt die abenteuerlichen Beschuldigungen gegen die scheinbar schon Verlorene vor.

Sabine Hensgens Augen verfolgen jede Zeile. „Diebe“, ruft die Souffleurin nach vorn, um einen kleinen Hänger zu überbrücken. Schon sind die Mimen wieder im Text. Und Hensgen findet, wie es der Zuschauer demnächst tun soll, über das Stück mühelos den Rückweg in die Gegenwart: „Es geht um Missgunst und Angst. Die spielen immer eine Rolle.“

Stichwort

„Der letzte Hexenprozess“ wurde zum ersten Bliesransbacher Heimat- und Trachtenfest an Pfingsten 1960 uraufgeführt. Es stammt vom verstorbenen Gründungsvorsitzenden des Kultur- und Trachtenvereins, Theodor Follmar, und basiert auf echten Prozessunterlagen. 1972 und 1974 folgten weitere Aufführungen. 1997, zum 50-jährigen Bestehen des Kultur- und Trachtenvereins, arrangierte der jetzige Ehrenvorsitzende Alois Follmar das Stück neu.

Premiere ist am Freitag, 2. Juli, 20.30 Uhr, vor der Alten Kirche in Bliesransbach, wo am 3. Juli, 20.30 Uhr, eine weitere Aufführung folgt. Vorverkauf: Tabak Schmitt, Bliesransbach.

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