A620 Saarbrücken Richtung Saarlouis zwischen Saarbrücken-Güdingen und Saarbrücken-Gersweiler Nachtbaustelle auf dem linken Fahrstreifen, linker Fahrstreifen blockiert, von 16.10.2018 21:00 Uhr bis 17.10.2018 04:30 Uhr (16.10.2018, 20:53)

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Hier wiegen alle über 100 Kilo: Kräftige Saarländerinnen unter sich

Güdingen. Immer wieder sind sie zu hören: Mal laute, mal leisere Lacher. Sehr fröhlich sind die Frauen, die sich an diesem Freitagabend in dem alten Verwaltungsgebäude in Güdingen treffen, wie jeden Monat. Und diese Heiterkeit ist weder aufgesetzt noch ein einmaliges Phänomen, erklärt Tanja: „Hier wird immer viel gelacht und viel Blödsinn gemacht“. Schließlich wolle man „einfach leben und Spaß haben und sich wohlfühlen“.

Oft ausgegrenzt

Eine Selbstverständlichkeit eigentlich – doch die zurzeit sieben bis acht Teilnehmerinnen dieser Gruppe müssen sich diese Lockerheit zum Teil hart erkämpfen. Denn manche von ihnen werden im Alltag teilweise schräg angeschaut, manchmal verhöhnt oder sogar beschimpft, oft ausgegrenzt. Nicht, weil sie irgendwas Falsches gemacht hätten, sondern einfach, weil sie sind, wie sie sind: kräftig oder auch, wie die Frauen sagen, „gut gebaut“ oder „gut griffig“. Jede der Frauen wiegt hier über 100 Kilo. Und eben das ist auch die Voraussetzung, um bei den Treffen der Selbsthilfegruppe „Frauen ab 100 Kilo“ dabei zu sein. Kommen können Frauen aus dem ganzen Land.

„Wir haben mit unserem Gewicht kein Problem, aber viele andere Menschen“, sagt Tanja. Die Saarbrückerin (39) hat die Gruppe vor kurzem gegründet. Sie weiß von vielen unschönen Begegnungen ihrer Mitstreiterinnen mit dünneren Zeitgenossen, von schrägen Blicken im Restaurant oder in der Eisdiele und vielem mehr: „Als ich mal in die Bäckerei ging, kam mir ein alter, mir unbekannter Mann entgegen. Er schaute an mir runter und sagte ,Ach Gott, Mäde, dass Du Dich nicht schämst.'“ Oder da war da die Situation in der Disko, wo eine Gruppe junger Männer eindeutig über sie lästerte. Tanja, recht selbstbewusst, gab die passende Antwort beziehungsweise ging auf die Herren zu – doch sie weiß, dazu ist nicht jede Betroffene in der Lage: „Manche isolieren sich nach solchen Erfahrungen, gehen gar nicht mehr oder nur noch nachts vor die Tür.“

Auch gemeinsame Aktivitäten sollen künftig zum Programm gehören

Genau dem wollte sie mit ihrer Gruppe entgegensteuern. Und das in vielfältiger Form. Heute zum Beispiel werden die Frauen bei ihrem Treffen gemeinsam etwas essen – ohne abfällige Blicke. Manuela, 35, Hausfrau und Mutter eines Kindes, bereitet das Büffett zu, es gibt Nussecken, Tomatensalat und Würstchen. Jeder steuert etwas bei. Auch gemeinsame Aktivitäten sollen künftig zum Programm gehören: „Wir planen zum Beispiel auch, mal kegeln zu gehen“, berichtet Tanja. Alles folgt immer einer Maxime: „Hier geht es nicht um Abnehmtipps oder Diäten“, betont sie. Denn jede der Frauen hat schon damit ihre vielfältigen, schlechten Erfahrungen gemacht – zum Beispiel auch Celine (Name geändert), 36, in der Pflege tätig, die erzählt: „Jede Diät endete mit zehn Kilo mehr auf den Rippen.“ Auch sie hat, wie viele andere, schon seit jungen Jahren mit den Pfunden zu kämpfen, inklusive der Vorurteile, die sie gewaltig ärgern: „Viele meinen, Dicke sind doof, stinken und sind faul.“

Alle möglichen Themen

Sie genießen die gemeinsame Zeit, sagen die Frauen. Und den Austausch über alle möglichen Themen – dazu gehört beispielsweise auch die Diskussion über die Frage, wo es gute, passende Kleidung gibt: „Denn in der Stadt findet man so gut wie nichts mehr.“ Gerade blättern die Teilnehmerinnen einen Katalog durch. Die Blicke bleiben bei einem Oberteil hängen, von dem sie offenbar nicht glauben, dass es einer kräftigen Frau wirklich stehen könnte. „Ich da drin – ein Blickfang“, nimmt sich Celine selbstironisch auf die Schippe. Und schon ist es wieder da – das gut gelaunte Lachen aller…

Die Treffen findet immer freitags, 19 Uhr, in Saarbrücken-Güdingen im Alten Verwaltungsgebäude (Seiteneingang, erste Etage), Saargemünder Straße 161, statt. Infos: KISS, Tel. (06 81) 960 21 30.

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