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Hilfe, meine Frau will shoppen: Saarbrücken denkt über Männerbetreuung nach

Händler und Wirte in der Innenstadt müsen gemeinsam aktiv werden und neue Dienstleistungsideen umsetzen, rät Andreas Kaapke vom Institut für Handelsforschung dem Saarbrücker Verkehrsverein.

Saarbrücken. Kunden sind merkwürdige Wesen. Andreas Kaapke kennt sich da aus. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler ist Sprecher der Geschäftsführung des Instituts für Handelsforschung in Köln. Er weiß: Kunden mögen es bequem und sie kommen dahin, wo man ihnen etwas bietet. Eine Männerbetreuung zu Beispiel, damit Frauen in Ruhe shoppen – also Geld in die Kassen des Handels bringen – können.

Dass örtliche Einzelhandelsvereinigungen Kinderbetreuung nicht nur zur Weihnachtszeit organisieren, sollte selbstverständlich sein, erklärte Kaapke in diesen Tagen den Mitgliedern des Saarbrücker Verkehrsvereins. Dafür habe man ja solche Netzwerke. Wer richtig gut sein wolle, der solle aber einen Schritt weitergehen und einen „Männer-Parking-Club“ einrichten, rät Kaapke.

Der Verkehrsverein werde nachdenken, sagt dessen Vorsitzender Walter Poggenpohl – über die Männerbetreuung und über die Kinderbetreuung, die in Saarbrücken noch nicht selbstverständlich ist. Die Sache mit der Männerbetreuung sei kein Jux, sagt Poggenpohl. Denn einmal im Jahr gebe es sowas ja in Saarbrücken schon. Während des Christkindlmarktes wird in der Bahnhoffstraße eine so genannte Winterscheune aufgebaut. Und in diesem Blockhaus treffe man viele Männer an, die dort „geparkt“ wurden, während ihr Frauen ganz gemütlich über den Markt bummeln, erklärt Poggenpohl.

Für Andreas Kaapke sind Kinder- und Männerbetreuung Dinge, die Einkaufen für Frauen angenehmer machen – Anreize also. Solche Reize zu schaffen, übersteige meistens die Möglichkeiten des einzelnen Händlers. Deshalb seien starke Netzwerke wichtig.

Ein Klassiker sei da die Weihnachtsbeleuchtung. Wobei das auch ein Thema ist, bei dem die Solidarität der Händler nicht selten auf die Probe gestellt wird. Die „Trittbrettfahrer“ unter den Händlern, die sich nicht an der Finanzierung der Beleuchtung beteiligen, aber von ihr profitieren, gebe es nicht nur in Saarbrücken. Es gebe da aber Möglichkeiten, den Kunden zu zeigen, wer nur abkassieren will und wer für die schöne Stimmung in der Stadt verantwortlich ist. Man könne Motive aus der Weihnachtsbeleuchtung in den dann ebenfalls beleuchteten Schaufenstern der aktiven Händler aufgreifen und so zeigen: Die machen mit.



„Wenn die Inszenierung nicht stimmt, kommt keine Sau“

Auch darüber werde der Verkehrsverein nachdenken, sagt Poggenpohl. Und Gedanken mache wolle man sich auch über Kaapkes Theatervergleich.

„Warum gehen Sie ins Theater?“, hatte Kaapke die Händler und Wirte gefragt. „Weil die Anfahrt gut ist, es schöne Parkplätze gibt und die eine Gardarobe haben?“ Das sei alles nicht unwichtig, aber: „Wenn die Inszenierung nicht stimmt, kommt keine Sau.“

Freiwillig kommen etwa drei Viertel der Menschen in die Stadt – die, die Spaß am Einkauf haben, erklärt Kaapke. Wer zum Arzt müsse, verbinde damit eben kein positives Stadterlebnis. Also müssen Handel und Gastronomie die Stadt in Szene setzen. Die Kunden reizen. Wobei man das in der Innenstadt nicht einfach über den Preis machen könne.

Da biete sich in Saarbrücken zum Beispiel an, den Fluss mehr in Szene zu setzen, rät Kaapke. Und für Saarbrücken gelte wie für alle Städte: je mehr Service und Verlässlichkeit, desto besser fürs Geschäft. Und große Ereignissse, so genannte Events schaden auch nicht. Auch wenn er da manchmal die Welt nicht verstehe.

4000 Leute standen neulich um Mitternacht in Berlin vor einem Elektromarkt, der zur Geisterstunde eröffnet wurde. Es habe lange gedauert, bis die überhaupt alle drin waren. „4000 Leute um Mitternacht, Gedrängel – als gäbe es am nächsten Tag nichts mehr zu kaufen.“ Kunden sind merkwürdige Wesen. Aber, erinnert Andreas Kaapke, eben jeder sei Kunde.

PRO
Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen

Saarbrücken braucht sich nicht zu verstecken. Ich gehe gerne in meiner Stadt einkaufen. Ich genieße auch das überdurchschnittlich gute Kultur- und Gastronomieangebot.

Was nicht heißt, dass ich alles perfekt finde. Klar, die Parkgebühren könnten etwas niedriger sein. Dass es in der Innenstadt keine dauerhafte Kinderbetreuung während der Kernöffnungszeiten gibt, ist mir unbegreiflich. Und Sauberer könnte es auch sein.
Was mir aber auf den Wecker geht, ist dieses Grametscheln. So Hinweise wie, dass man in St. Wendel billiger parken kann oder Saarlouis ja proper sei. Ja, wenn das so wäre und es darauf alleine ankäme, dann würden die Leute ja alle dorthin fahren oder gleich dort bleiben. Tun sie aber nicht. Franzosen kommen ebenso gerne nach Saarbrücken einkaufen wie die Saarländer aus dem Umland.

Die Konkurrenz schläft aber nicht – damit meine ich nicht Saarlouis oder Neunkirchen, sondern Metz, Luxemburg und Mannheim. Deshalb müssen wir Saarbrücker investieren – sei es im Großen in die Stadtmitte am Fluss oder im Kleinen in so etwas wie eine originelle „Männerbetreuung“. CONTRA
Von SZ-Redakteur Alexander Will

Mal ganz ehrlich: Die Idee einer „Männerbetreuung“ ist ein schlechter Witz. Wer hat je davon gehört, dass ein Mann nicht den Weg in die nächste Kneipe findet, wenn ihn das Schuhe-Einkaufen mit seiner Holden nervt. Kneipen aber gibt’s in der Innenstadt nun wirklich genug. Die „Männerbetreuung“ ist wohl eher in die Kategorie Verzweiflungsidee einzuordnen. Um die Innenstadt zu beleben, sind ganz andere Fragen zu lösen. Saarbrücken zockt nach wie vor Autofahrer mit monströsen Parkgebühren ab. Hier besteht Handlungsbedarf! Wie wär’s denn mit einem Parkrabattverbund der Händler? Dann das Sortiment in der Innenstadt: Da müsste schon mehr gehen, als die üblichen Fußgängerzonen-Ketten. Ein Schritt in die richtige Richtung ist die Europa-Galerie. In anderen Städten – zum Beispiel Leipzig – haben ähnliche Projekte für eine deutliche Belebung gesorgt. Allerdings müssen auch hier Sortiment und Parkmöglichkeiten stimmen. Letztlich aber braucht’s den großen Wurf, um Saarbrücken fit für den Wettbewerb mit Luxemburg oder zu Metz machen. Und der heißt Stadtmitte am Fluss – mit Tunnel.

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