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Illegal nach Deutschland: Schleuserbanden nutzen den ICE von Paris

Saarbrücken. Die schnelle ICE-Verbindung zwischen Paris und Frankfurt, die in weniger als zwei Stunden Saarbrücken erreicht, wird von organisierten Schleuserbanden immer öfter genutzt, um Ausländer illegal nach Deutschland zu bringen. Peter Fuchs, Chef der Bundespolizeiinspektion in Bexbach, bestätigte jetzt auf Anfrage entsprechende Informationen unserer Zeitung. „Die Tendenz ist steigend. Bei Kontrollen im ICE, der fünf Mal am Tag in Saarbrücken hält, entdecken unsere Beamte zunehmend mehr Reisende, die ohne gültige Ausweispapiere illegal einreisen wollen.“ Die Bundespolizei hat ihre Fahndungsaktivitäten im Saarland intensiviert.

Schleuser benutzen schnellen Zug für ihre Machenschaften

Es gebe Hinweise, dass Schleuser verstärkt die Westgrenzen für ihr kriminelles Geschäft nutzten. Nach Polizei-Informationen musste etwa eine fünfköpfige irakische Familie, darunter zwei Kinder im Alter von vier und fünf Jahren, für die Einschleusung insgesamt 20.000 Euro zahlen. Der Weg der Familie führte zuerst in die Türkei. Von dort wurden die Iraker in einem speziell umgebauten Lkw nach Frankreich gebracht. In Paris erhielten sie gültige Fahrkarten für den ICE nach Frankfurt. Ziel war Skandinavien. In Saarbrücken war nach einer Kontrolle dann aber vorläufig Endstation. Die Familie, die dann im Saarland Asylantrag stellte, wurde in das Lebacher Landesaufnahmelager gebracht.

490 illegal Reisende gestoppt

Insgesamt 490 illegal Einreisende aus Staaten außerhalb der Europäischen Union stoppten Fahnder der Bundespolizeiinspektion im Jahr 2009. Im Vorjahr waren es noch 106. Jeweils die Hälfte der 2009 festgestellten illegalen Einwanderern wurden bei Überprüfungen in Zügen und auf den Autobahnen gestoppt. In den ersten Monaten des Jahres 2010 wurden dann aber zwischen 60 und 70 Prozent der Immigranten im ICE entdeckt. Für das erste Quartal sind bereits insgesamt 183 Einreisende ohne gültige Ausweispapiere oder Aufenthaltserlaubnis im Saarland aktenkundig. Darunter waren 68 Afghanen, 16 Iraker, zehn Inder, und zehn Syrer. „Wir haben insbesondere die Schleuser im Visier, die die Not der Menschen für ihre Geschäfte ausnutzen“, sagt Polizeidirektor Fuchs. 14 von ihnen wurden 2009 von der Bundespolizei im Saarland ermittelt. Fuchs: „Das ist organisierte Kriminalität. Hier wird mit verdeckten Strukturen gearbeitet.“

Deutschland in der Regel Transitland

Gerade die ICE-Verbindung Paris-Frankfurt mache es den Hintermännern einfach: Die meist jungen Ausländer werden in Paris instruiert, wie sie sich verhalten sollen, bekommen eine Fahrkarte und die Information, dass etwa in Frankfurt ein Mittelsmann mit ihnen wieder Kontakt aufnimmt. In der Regel sei Deutschland nur Transitland, etwa auf dem Weg nach Skandinavien. Nach bisherigen Erkenntnissen tauchen eingeschleuste Iraner oder Iraker gelegentlich in Großstädten wie Frankfurt oder Hamburg vorübergehend unter, um dort durch illegale Beschäftigung den Schleuserlohn zu verdienen, oder die Weitereise zu finanzieren.

Bei ihren Kontrollen im ICE sind die Bundespolizisten mitunter im Team mit ihren Kollegen von der französischen Grenzpolizei unterwegs. Werden illegal Einreisende ermittelt, werden sie in den meisten Fällen den französischen Behörden überstellt.

Meinung: Transit durch das Saarland

Die schnelle ICE-Verbindung von und nach Paris erleichtert Schleusern ihr kriminelles Handwerk und minimiert ihr eigenes Entdeckungsrisiko. Der Weg über die Autobahnen wird damit unattraktiver. Denn, die illegal Einreisenden sind im Zug in aller Regel ohne Begleitung unterwegs. Die Hintermänner versorgen sie mit Fahrkarten und entsprechenden Verhaltensregeln. Dass die Bundespolizei an der Saar jetzt einen deutlichen Anstieg der illegalen Einreisen registriert, ist mit Sicherheit auch mit den stark verschärften Fahndungs- und Kontrollaktivitäten zu erklären. Das Saarland selbst ist in diesem kriminellen Geschäft meistens nur Transitland.



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