L133 Freisen - Dirmingen Zwischen Marpingen und Berschweiler in beiden Richtungen Bauarbeiten, Vollsperrung, Dauer: 14.05.2018 08:00 Uhr bis 22.07.2018 18:30 Uhr, eine Umleitung ist eingerichtet (14.05.2018, 10:38)

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Im Saarland boomen Sozial-Kaufhäuser

„Jammern kann ich nicht mehr haben“

Hinter „Guddes“ steht eine von den Gemeinden Heusweiler und Riegelsberg getragene gemeinnützige „Ausbildungs- und Beschäftigungsförderungsgesellschaft“ (ABG), derzeit sind in dem Projekt 20 Mitarbeiter beschäftigt. Das Prinzip Sozialkaufhaus ist nicht neu: Die Mitarbeiter – meist ehemalige Langzeitarbeitslose – nehmen Gebrauchtwaren als Spenden entgegen. Was noch verwendbar ist, wird zu Niedrigpreisen weiterkauft – an Hartz IV-Empfänger, Rentner, Alleinerziehende. Neu ist allerdings der Boom, den die Gebrauchtwarenhäuser in den vergangenen Jahren erleben. Ausgelöst wurde er durch das Inkrafttreten der Hartz IV-Gesetze am 1. Januar 2005. Seither haben auch im Saarland in nahezu jeder größeren Gemeinde Geschäfte dieser Art geöffnet.

Viel Zulauf

Während der Einzelhandel unter der Wirtschaftskrise ächzte, konnten die Gebrauchtwarenhäuser über mangelnde Kundschaft nicht klagen. Zwar dürfen sie wegen ihres gemeinnützigen Status nicht gewinnorientiert arbeiten. Doch sind sie mittlerweile selbstverständlicher Bestandteil kommunaler Infrastruktur geworden. Je mehr es von ihnen gibt, desto schlechter geht es der Gesellschaft. Für Armutsforscher wie den Kölner Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge ein absurder Zustand: „Unsere Gesellschaft zerfällt in Parallelgesellschaften. Es hat sich eine abgeschottete Welt der Tafeln, Sozialkaufhäuser und Kleiderkammern etabliert.“ Dort blieben Arme unter sich, mit zunehmend geringeren Chancen der Re-Integration.

Ein Großteil des Geldes sind EU-Mittel

Er sei jetzt erstmal froh, sich mit seinen handwerklichen Fähigkeiten wieder gebraucht zu fühlen, sagt Manfred Quint von „Guddes“. „Das erste Mal seit Langem bin ich wieder in der Öffentlichkeit sichtbar, spreche mit Menschen“. Jahre habe es gedauert, bis er sich an die Arge gewandt habe. Er habe einfach zu große Hemmungen gehabt, Hartz IV zu beantragen. „Langfristig“, sagt er, „will ich auf meiner U-Kurve noch weiter nach oben kommen, einen richtigen Job ausüben oder als Selbstständiger wieder Fuß fassen“. Quint wäre einer der wenigen, denen dies gelänge. 2009 waren es in diesem Sozialkaufhaus zwölf Prozent. Die Macher von „Guddes“ hatten den Mut, eine Zahl zu nennen.

Der Einzelhandel warnt vor „Schnäppchenparadiesen“. Trotz der flächendeckenden Ausbreitung von Sozialkaufhäusern im Saarland, habe er bislang keine Klagen über Wettbewerbsverzerrung gehört, sagt Christoph Kleer, Hauptgeschäftsführer des saarländischen Einzelhandelsverbands. „Die Kritik kann aber schnell aufflammen, sollte sich das Netz der Gebrauchtwarenhäuser im Saarland weiter ausbreiten“, sagt Kleer. Wichtig sei, dass sich die Angebote strikt an Bedürftige richteten. Entwickelten sich die Geschäfte – wie in Nordrhein-Westfalen zum Teil geschehen – zu Schnäppchenparadiesen für Mittelständler, dann sei dies höchst problematisch. jkl

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