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Jedes 4. Saarbrücker Kind lebt von Hartz IV

Von SZ-Redakteur Markus Saeftel

Saarbrücken. Die Kinderarmut ist ein Riesenproblem im Regionalverband: Jedes vierte Kind unter 15 Jahren lebt hier von Hartz IV. So steht es in einer Kinderarmuts-Studie des Otto-Blume-Instituts für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik, die die Landesregierung in Auftrag gegeben hat. Die Auswirkungen bekommt zum Beispiel die Arbeiterwohlfahrt (Awo) zu spüren. Immer mehr Familien in Not kämen in die Beratungsstellen, sagt Awo-Abteilungsleiterin Ines Reimann-Matheis. Der Hartz-IV-Regelsatz reiche oft nicht. Dann werde zum Beispiel der Strom abgestellt. „Viele Leute gehen vor Quartalsende auch nicht mehr zum Arzt, um die Praxisgebühr zu sparen“, sagt Reimann-Matheis. Darunter litten eben auch viele Kinder.

Über mögliche Wege aus der Kinderarmut diskutierten Politiker und Fachleute Anfang dieser Woche auf Einladung der Arbeiterwohlfahrt im VHS-Zentrum. Die Landesregierung wolle mit den Ergebnissen der Studie nun einen Aktionsplan gegen Kinderarmut erarbeiten, erklärte Reimann-Matheis. Sie forderte die Landesregierung auf, trotz angespannter Haushaltslage Geld in die Hand zu nehmen, um lange Hartz-IV-Karrieren zu verhindern: „Wenn wir das jetzt nicht tun, wird’s später richtig teuer.“

Nach der Studie ist Hartz IV einer der Hauptgründe für Kinderarmut. Aber auch die Familiensituation ist entscheidend: Kinder und Jugendliche von Alleinerziehenden sowie aus Einwanderer- und Großfamilien seien besonders gefährdet.

Wie groß das Problem im Regionalverband ist, zeigte Jugendamtsleiterin Uschi Biedenkopf. Fast die Hälfte aller saarländischen Hartz-IV-Empfänger lebe im Großraum Saarbrücken. Von diesen rund 38.500 Menschen hätten fast 68 Prozent ihren Wohnsitz in Saarbrücken. Die meisten davon leben in Burbach und Malstatt. Dort und in Altenkessel hätten die Kinder und Jugendlichen die geringsten Chancen auf einen guten Bildungsabschluss. So schafften es nur 13 Prozent der Burbacher Grundschüler auf ein Gymnasium, in ländlichen Gebieten wie Ensheim seien es aber rund 68 Prozent, sagte Biedenkopf. Burbach liege auch bei den Zahlen der Hilfen des Jugendamtes vorn.
Gillo: Krippenausbau klappt

Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD) machte sich, ebenso wie Christine Thielebein, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Otto-Blume-Instituts, während der Tagung dafür stark, früh in die Bildung zu investieren. Er ist optimistisch, dass bis 2013 jedes dritte Kind im Regionalverband einen Krippenplatz bekommt: „Wenn alle Baumaßnahmen, die in der Planung sind, umgesetzt werden, haben wir die 35-Prozent-Quote.“ Das hänge aber auch von den Kirchen und Kommunen ab. Pressesprecher Stefan Kiefer erklärte, dass bis Ende 2013 noch 861 Plätze fehlen. 2513 Kinder sollen dann in Krippen oder bei Tagesmüttern betreut werden. Der Großteil der Maßnahmen sei bereits beantragt und vom Land genehmigt.

Für Gillo und Thielebein ist auch der Ausbau der Ganztagsschulen sehr wichtig. Gillo erklärte, dass nach der Gesamtschule Bellevue im nächsten Jahr die Erweiterte Realschule Völklingen zur echten Ganztagsschule ausgebaut werde.

Awo-Pressesprecher Jürgen Nieser blickt trotzdem nicht sehr optimistisch in die Zukunft. Die Awo habe mit Kleiderkammern und Suppenküchen angefangen: „Ich befürchte, dass wir in diese Anfänge wieder zurückfallen.“


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