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Kein Bedarf unter dieser Nummer? Facharzt-Servicestelle kaum nachgefragt

Margit Kiss (vorne), Gudrun Paul (links) und Bianca Gräber sind die Ansprechpartnerinnen in der Terminservicestelle. Foto: Dietze

Margit Kiss (vorne), Gudrun Paul (links) und Bianca Gräber sind die Ansprechpartnerinnen in der Terminservicestelle. Foto: Dietze

Von wegen In-der-Warteschleife-hängen. Im Schnitt dauert es weniger als zehn Sekunden, bis Bianca Gräber ein Gespräch annimmt. Dann sagt die Callcenter-erfahrene Mitarbeiterin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) so nette Sachen wie: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich etwas für Sie tun kann.“ Bei Gudrun Paul meldet sich ein besorgter Vater, der für seinen übergewichtigen Sohn mit Gehbeschwerden den richtigen Spezialisten sucht. Sie fragt einfühlsam nach, muss ihm allerdings klarmachen, dass die Terminservicestelle keine Ferndiagnosen stellt. „Wir müssen noch sehr viel erklären“, berichtet Margit Kiss. Sie hat bereits den dritten Anrufer in Folge am Apparat, der durch sie erfährt, dass die TSS ohne eine Überweisung gar nicht tätig werden darf. Danach wird es sehr still im Büro auf der dritten Etage des KV-Verwaltungssitzes am Saarbrücker Eurobahnhof. Die Mitarbeiterinnen pflegen die von den Praxen gemeldeten freien Termine in den Computer ein. Man unterhält sich über die durchweg positiven Erfahrungen der ersten Tage: keine Konfrontationen, höfliche Gespräche. Vorbereitet war das Team darauf, Blitzableiter und Kummerkasten zu sein. Und darauf, überrannt zu werden. Falsche Prognosen.

Nur 77 Patienten riefen in den ersten fünf Tagen an, nur 50 Prozent wurden überhaupt in die Kartei der Suchenden aufgenommen. Denn jeder Zweite hatte entweder gar keine Überweisung oder aber auf der Überweisung fehlte die Ziffer drei – es ist dies das Erkennungsmerkmal für die Mitarbeiterinnen, dass der überweisende Arzt einen Spezialisten-Termin in vier Wochen für geboten hält. Am stärksten nachgefragt wurden Endokrinologen , Neurologen, Rheumatologen und Kardiologen.

„Es könnte schon etwas mehr zu tun sein“, sagt Gudrun Paul am Ende der Vormittags-Schicht. Ihr Chef Siegfried Stolz-Wagner, Leiter des Bereiches Innere Verwaltung bei der KV, ist sicher, dass die Beanspruchung wachsen wird, wenn sich das neue Angebot herumgesprochen hat. Auch, wie gut es klappt. Jedem, so Stolz-Wagner, habe man einen Termin innerhalb von vier Wochen verschaffen können – 100 Prozent Vermittlungsquote.

Bundesweit lief am 25. Januar dieser vom Bundesgesetzgeber geforderte neue Dienst an, der die Ärzte pro Jahr rund 17 Millionen Euro kosten wird. Unnötigerweise, wie sie meinen. Umfragen und Studien hätten belegt, dass 70 Prozent der Patienten sowieso weniger als zehn Tage auf einen Facharzt-Termin warteten. Im Saarland gibt es zudem schon die so genannte „dringliche Überweisung“, die eine Vermittlung innerhalb von drei Tagen garantiert. Trotzdem müssen die hiesigen Ärzte zusätzlich die TSS finanzieren, mit rund 250 000 Euro jährlich. Die KV hat drei Mitarbeiterinnen abgestellt, sie trainiert, eine spezifische Software entwickelt – und schaut nun einerseits erleichtert und andererseits ein wenig frustriert auf die Statistik der ersten Woche.

Es hätten sich zwischen 7 und 27 Anrufer pro Vormittag gemeldet, sagt Stolz-Wagner. Das macht im täglichen Schnitt etwa fünf Kunden pro Vollzeit-Mitarbeiterin. Ist das unwirtschaftlich und die TSS der von den Ärzten vorhergesagte Superflop? „Es ist viel zu früh für Prognosen“, so Stolz-Wagner. Medienberichten zufolge blieb allerdings auch in anderen Bundesländern ein Ansturm aus. Im Saarland ist man mit der mauen Resonanz jedoch ganz froh: „Für uns ist das der Idealfall“, sagt Stolz-Wagner. „Wir werden nicht überrannt und haben die Chance, uns an die neue Aufgabe heranzutasten.“

Die TSS ist Mo-Fr (neun bis zwölf Uhr) unter Tel. (06 81) 85 77 30 erreichbar

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