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Kohlpharma: In Merzig werden 150 Stellen gestrichen

Die Merziger Kohl-Gruppe befürchtet als Folge der Gesundheitsreform massive Umsatzeinbußen und will deshalb 150 Arbeitsplätze abbauen.

Merzig. Die im Gesundheitssektor tätige Kohl-Gruppe mit Sitz in Merzig will 150 der insgesamt rund 1400 Arbeitsplätze abbauen. Die Entlassungen seien in der Pharma-Sparte geplant, wie das Unternehmen gestern mitteilte. In diesem Bereich sind zirka 1000 Menschen beschäftigt.

Umsatzrückgang befürchtet
Die Personalgespräche sollen in der kommenden Woche beginnen, sagte ein Firmensprecher. In der Unternehmensgruppe werde hauptsächlich die Kohlpharma GmbH betroffen sein. Je nachdem, wie stark das Unternehmen durch die geplante Gesundheitsreform belastet werde, seien insgesamt 500 Arbeitsplätze bedroht.

Das Unternehmen begründete die geplanten Kündigungen mit einem bevorstehenden hohen Umsatzrückgang. „Der wird auf jeden Fall zweistellig sein“, sagte der Sprecher. Genauere Prognosen könne man noch nicht abgeben.

Unternehmen: Geplante Gesundheitsreform ist schuld
Die befürchteten Umsatzeinbußen haben nach Aussagen des Unternehmens ihren Grund in der geplanten Gesundheitsreform. Die schwarz-gelbe Regierungskoalition will den Rabatt, den Arzneimittelhersteller den Apotheken einräumen müssen, ab dem 1. August von sechs auf 16 Prozent erhöhen.

Kohlpharma werde rechtlich als Hersteller eingestuft und müsse ebenfalls zehn Prozentpunkte mehr Rabatt zahlen, obwohl es im Kern ein Handelsunternehmen sei. „Dieser eiskalte Griff der schwarz-gelben Regierungskoalition in die Taschen der mittelständischen Importunternehmen ist nicht gerechtfertigt und bestraft am Ende die Falschen“, sagte Edwin Kohl, Gründer und Inhaber der Kohl-Gruppe.

Firma lebt vom Reimport-Geschäft

Das Unternehmen erzielt das Gros seiner Erlöse – 2008 waren dies 854 Millionen Euro – nämlich mit dem Reimport von patentgeschützten Arzneimitteln aus dem europäischen Ausland. Es nutzt die Preisunterschiede aus, kauft Medikamente günstig im Ausland ein, etikettiert und verpackt sie neu, um sie in Deutschland zu günstigeren Preisen zu vertreiben, als sie der Hersteller selbst hierzulande anbietet.

Wenn Kohlpharma einen höheren Herstellerrabatt einräumen muss, liege der Einkaufspreis in den Einkaufsländern über dem in Deutschland zu erzielenden Nettoverkaufspreis, argumentiert Kohl.

Ausnahmeregelung gefordert
Der Verband der Arzneimittelimporteure Deutschlands (VAD), dessen Vorsitzender Kohl ist, hat deshalb eine Ausnahmeregelung gefordert, das heißt, eine Befreiung von dem zusätzlichen Rabatt. Der Bundestag wird am 17. Juni über diesen Teil der Gesundheitsreform debattieren.

Auch wenn die Forderung des Verbands erfüllt wird, seien erhebliche Umsatzrückgänge zu erwarten. Denn wenn die eigentlichen Hersteller, die Pharmakonzerne, ihren Nachlass erhöhen müssen, sinkt für Kohlpharma die Gewinnmarge im Arzneimittel-Handel. Auf diesen Fall ist der aktuelle geplante Stellenabbau zugeschnitten.

Müsse Kohlpharma aber selbst den höheren Herstellerrabatt geben, seien 500 Arbeitsplätze akut bedroht, erläuterte der Firmensprecher. Kohl verweist darauf, dass Importarzneimittel den Krankenkassen mehr als 300 Millionen Euro im Jahr sparten. Außerdem bringe der Importhandel Wettbewerb in den Markt und habe somit „in den letzten 30 Jahren das Preisniveau in Deutschland um über 25 Prozent gesenkt“, sagte Kohl. mzt
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