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Kohlpharma Merzig: Saar-Wirtschaftsminister optimistisch für Rettung von 350 Stellen

Saarbrücken. Der saarländische Wirtschaftsminister Christoph Hartmann (FDP) sieht Chancen, einen Großteil der bedrohten Arbeitsplätze bei der Merziger Kohl-Gruppe zu erhalten. Das Unternehmen, dessen Kerngeschäft der Handel mit importierten Arzneimitteln ist, hatte den Abbau von 150 seiner 1400 Arbeitsplätze angekündigt und sieht weitere 350 Stellen in seiner Pharma-Sparte Kohlpharma als gefährdet an. Hintergrund dafür sind laut Kohlpharma die Pläne, dass Arzneimittelhersteller ab August den Krankenkassen künftig 16 statt wie bisher sechs Prozent Rabatt gewähren müssen - der Rabatt auf patentgeschützte Medikamente wird über die Apotheken abgerechnet.

Hartmann erwartet zwar, dass der Bundestag den Gesetzentwurf der schwarz-gelben Koalition zu den Rabatten billigt. Er sei aber in Gesprächen mit dem Bundesgesundheitsministerium und ist "optimistisch, eine Ausnahmeregelung für Arzneimittelimporteure erreichen zu können" - gültig ab Januar 2011. Eine solche Ausnahme hatte auch Unternehmenschef Edwin Kohl gefordert. Die zusätzlichen Belastungen träfen Kohlpharma dann nur für eine Übergangszeit, so Hartmann. Damit ließen sich die 350 bedrohten Stellen sichern. Die Ausnahmeregelung mache Sinn, weil andernfalls "der Druck auf die Hersteller der Originalpräparate sinkt und nach unserer Rechnung Arzneimittel insgesamt teurer werden", sagte Hartmann. Denn dann fehle ein breites Angebot günstiger Importware.

Problematische EU-Richtlinie


Kohlpharma hat darüber hinaus noch mit einem anderen Problem zu kämpfen. Im EU-Parlament ist eine Richtlinie zu gefälschten Arzneimitteln in der Abstimmung, die ebenfalls für die Kohl-Gruppe gefährlich werden könnte. Es handelt sich um eine Richtlinie zur Bekämpfung gefälschter Arzneimittel, die vom früheren EU-Industriekommissar Günter Verheugen im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht worden war. Mit ihr sollte eine Hürde gegen gefälschte und im Internet billig angebotene Arzneimittel aufgebaut werden. Der Vorsitzende des Umwelt- und Gesundheitsausschusses im EU-Parlament, Jo Leinen (SPD), begründete die Initiative so: "Damit sollen sich die 500 Millionen Bürger der EU auf die Sicherheit und Qualität der Arzneimittel verlassen können." Mit einem umfassenden Kontroll- und Sanktionsmechanismus müsse die Arzneimittelfälschung konsequent bekämpft werden, forderte Leinen.

In diesem Zusammenhang war auch ein Verbot von Umverpackungen geplant. Dies wurde bei der abschließenden Abstimmung im Parlamentsausschuss jedoch zurückgenommen. Auch die Arzneimittelimporteure packen die Medikamente neu ein und etikettieren um.

Kohlpharma-Chef Kohl, der zugleich dem Verband der Arzneimittelimporteure Deutschland (VAD) vorsteht, begrüßte die Entscheidung mit Erleichterung. Kohl: "Damit haben die EU-Parlamentarier auch im Sinne des deutschen Patienten mit Augenmaß entschieden." Import-Arzneimittel könnten damit weiter zu Einsparungen beitragen. Inzwischen geht man bei Kohlpharma davon aus, dass das Umpackverbot vom Tisch ist. Doch sicher könne man nie sein, meinte gestern ein Beobachter, weil die Richtlinie vor der endgültigen Verabschiedung erneut zwischen Ministerrat und Parlament abgestimmt werden müsse.
gf/mzt

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