A620 Saarbrücken Richtung Saarlouis in Höhe Saarbrücken-Sankt-Arnual Gefahr durch ungesicherte Unfallstelle, Gefahr durch Gegenstände auf allen Fahrstreifen (17:49)

A620

Priorität: Dringend

-2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
-2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Lauert Gift in den Schulen?

Bisher unerkannt könnte an saarländischen Schulen seit Jahrzehnten das Gift PCB aus Fugen dünsten. Längst nicht alle Schulen wurden untersucht, wie eine SZ-Umfrage bei den Schulträgern jetzt ergab.

Saarbrücken/Hermeskeil. In saarländischen Schulen und Kindergärten könnte eine bisher unbekannte Gefahrenquelle die Gesundheit von Schülern und Lehrern bedrohen. Das Gift PCB (Polychlorierte Biphenyle), das im Verdacht steht, Krebs und andere lebensbedrohliche Erkrankungen zu verursachen, ist bis Anfang der 80er Jahren vor allem in Fugenfüllstoffen in Gebäuden zum Einsatz gekommen. Das heißt, dass seit Jahrzehnten die Raumluft in Schulen und Kindergärten belastet sein könnte. Nur hat es kaum einer gemessen. Spätere Erkrankungen sind schwer nachweisbar.

Akute Gefahr in Hermeskeil

Dabei kann die Gefahr akut werden, wie das Beispiel Hermeskeil zeigt. Dort wird die Erich-Kästner-Realschule derzeit für sieben Millionen Euro von PCB befreit, nachdem bei einem Bluttest bei 110 Lehrern und Angestellten PCB im Körper gefunden wurde, wie die Zeitung "Trierischer Volksfreund" berichtete. 350 der 900 Realschüler in Hermeskeil kommen aus dem Kreis St. Wendel. Die Untersuchungen waren dort erst in Gang gekommen, nachdem es entsprechende Forderungen aus der Eltern- und Lehrerschaft gegeben hatte. Ebenso war die PCB-Sanierung der damaligen Grundschule Bliesransbach im Jahr 2002 auf eine Initiative der Rektorin zurückzuführen, die im Fernsehen einen Bericht über die Entgiftung einer hessischen Schule gesehen hatte, die eine ähnliche Bauweise aufwies.

Kommunen verschließen lieber die Augen

Das Saar-Bildungsministerium verwies in einer Stellungnahme zu möglichen PCB-Belastungen der Raumluft an Schulen auf die Zuständigleit der Schulträger - die Kommunen und Kreise. Dort erfuhr die SZ, dass im Kreis Merzig bisher gar keine PCB-Untersuchungen in der Raumluft durchgeführt worden sind. Dennoch geht man dort davon aus, dass "wenn überhaupt nur geringe PCB-Anteile in den Dehnfugen vorhanden sind und aufgrund der großen Luftmenge in den Räumen keine Gefahr darstellen". Es sei "angedacht", im Zuge von Sanierungen Messungen durchzuführen. Im Regionalverband erwartet man PCB noch in Fugenabdichtungen. Dort wähnt man sich sicher: "Diese Fugen sind aber im Laufe der Jahre mehrfach überstrichen worden, so dass eine ausreichende Versiegelung vorhanden ist", sagte ein Sprecher.

Im Landkreis Neunkirchen wurden und werden keine routinemäßigen PCB-Tests veranlasst. In der Stadt Merzig wurden Grundschulen und Kindergärten deshalb nicht untersucht, weil sich "während der langen Nutzungsdauer keine gesundheitlichen Probleme zeigten, die auf Schadstoffe in der Luft hinweisen". Nur der Kreis Saarlouis erklärte, dass alle Schulen und Kindergärten im Landkreis Saarlouis nach Tests zwischen 1998 und 2002 PCB-Konzentrationen unter den empfohlenen Grenzwerte aufwiesen. Im Jahre 2003 seien alle Leuchtstofflampen mit Kondensatoren, die wegen der Typ-Nummer in PCB-Verdacht standen, ausgetauscht worden.

Egbert Adam von der Umweltgeotechnik GmbH in Nonnweiler, die derzeit die Schule in Hermeskeil saniert, sagte der SZ, dass bei einer systematischen Untersuchung aller Schulen im Saarland wohl belastete Gebäude gefunden werden könnten. "Ob in einer derart hohen Konzentration wie in der Hermeskeil PCB in der Raumluft gefunden werden kann, ist allerdings fraglich", erklärte der Experte. In Hermeskeil werde die Schule bei laufendem Schulbetrieb saniert, mit Staubwänden und einem externen Treppenturm.

Meinung: Schlafende Hunde


Auch schlafende Hunde sind gefährlich: Manche saarländischen Schulträger haben bisher die Gefahr durch den Giftstoff PCB beiseite geschoben. Messungen sind vielfach nicht erfolgt, weil niemand da war, der fragte oder von der Gefahr überhaupt wusste. In den Fällen aber, in denen eine Sensibilität für das Problem besteht, wie in Hermeskeil oder Bliesransbach, wurde man prompt fündig.

Um die latente Unsicherheit bei Lehrern, Schülern und Eltern darüber, was sie in den Schulen einatmen, ein für allemal auszuräumen, müssen schlicht alle Räume untersucht werden. Das Problem zu übertünchen, wie es der Regionalverband macht, mag zwar billig sein - eine Lösung ist es nicht. Die Gesundheit ist wichtiger als alle Haushaltszwänge.

Hintergrund


Das Umweltbundesamt beschreibt das Gift PCB so: Die Auswertung zweier Massenvergiftungen mit PCB-verunreinigten Lebensmitteln ("Yusho", Japan 1968 und "Yu Cheng", Taiwan 1979) zeigte die Langzeitwirkungen von PCB. Neben toxischen Wirkungen (Chlorakne, Haarausfall und Hyperpigmentierungen) werden den PCB fetale Missbildungen zugeschrieben. Sie stehen im Verdacht, Krebs erregend zu sein. 

© WhatsBroadcast
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein