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Mädels des 1. FCS erhalten Hermann-Neuberger-Auszeichnung

Die Mädchenabteilung des 1. FC Saarbrücken erhält den Hermann-Neuberger-Preis.

Die Mädchenabteilung des 1. FC Saarbrücken erhält den Hermann-Neuberger-Preis.

Die gesamte Abteilung stand vor dem Aus. Kein Jugendleiter. Keine Jugendtrainer. Keine Strukturen. Nur noch eine Rumpftruppe an Fußballspielerinnen war geblieben. Und die Frage, ob die weibliche Jugend des 1. FC Saarbrücken überhaupt eine Zukunft hat. Die Aussicht im Sommer 2010 war düster. Und heute? Heute wuseln in den letzten Abendstrahlen der Frühlingssonne unzählige Mädchen über den Trainingsplatz in Luisenthal. In das Kinderlachen mischen sich die lauten Anweisungen der Übungsleiter. Dutzende Bälle fliegen durch die Luft. Die weibliche Jugend des FCS lebt – und hat die Wende geschafft. Aus einem großen Nichts heraus hat sie sich zur führenden Jugend im Südwesten Deutschlands gemausert. Der Landessportverband für das Saarland zeichnet sie folgerichtig für ihre herausragende Nachwuchs- und Talentförderung morgen um 17 Uhr an der Saarbrücker Landessportschule mit dem Hermann-Neuberger-Preis aus.

„Wir hatten damals eine Jugendarbeit, die nicht zukunftsfähig war. Sie war komplett abgekoppelt vom Seniorenbereich. Der FCS ist nie Sympathie tragend, sondern immer brachial aufgetreten“, erinnert sich August Leugers-Scherzberg, der die Leitung der weiblichen Jugend übernahm, als sich der Verein 2010 von seinen Vorgängern trennte. Kai Klankert, der 2010 als Trainer der B-Juniorinnen einstieg und mittlerweile sportlicher Leiter und Trainer der B2-Juniorinnen ist, stand ihm beim Neuanfang zur Seite. „Ich wusste vor meinem ersten Training nicht, wie viele Bälle oder Leibchen ich habe – geschweige denn wie viele Spielerinnen“, sagt Klankert. 25 Mädchen waren es in der gesamten weiblichen Jugend, sagt Leugers-Scherzberg: „Wir mussten ganz schön herumwirtschaften, bis wir damit drei Mannschaften stellen konnten.“

Mit dieser kleinen Truppe feierte der FCS schon in der ersten Saison nach dem Umbruch Erfolge. Die B-Juniorinnen mit Trainer Klankert wurden unbesiegt Vize-Meister in der Regionalliga. Dennoch lag der Fokus in dieser Anfangsphase in der Entwicklung eines neuen Konzepts. „Wir wollten von Anfang an nachhaltig arbeiten“, erklärt Klankert: „Wir haben alles Stück für Stück aufgebaut.“ Mit dem Ziel vor Augen, Talente zu erkennen und zu fördern, sie an die vereinsinterne und nationale Spitze heranzuführen.

„Unser wichtigstes Erfolgsprinzip ist es, die Mädchen nach ihrem Leistungsvermögen zu fördern – und nicht unbedingt nach ihrem Alter“, sagt Klankert. Während in der E- und D-Jugend noch vorwiegend die Spielfreude vermittelt wird, trainieren die Mädchen ab der C-Jugend (gleichbedeutend mit B2) leistungsorientierter. „Bei uns in der B2 beispielsweise spielen 13- oder 14-Jährige gegen 16- oder 17-Jährige. Gegen Gegner auf Augenhöhe, gegen die sie sich beweisen müssen.“ Leugers-Scherzberg fügt hinzu: „Die Mädchen dürfen auch mal verlieren. Wichtig ist nur, dass sie lernen.“

Dieses Prinzip wird im gesamten Verein weitergeführt. So sind zur Zeit mit Kim Fellhauer und Marie Steimer auch zwei Spielerinnen in der ersten Frauen-Mannschaft in der 2.Bundesliga aktiv, obwohl sie vom Alter her noch in der B-Jugend spielen könnten.

Eine wichtige Rolle bei der individuellen Förderung spielt die Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Fußball-Verband und der Eliteschule für Mädchen- und Frauenfußball in Saarbrücken. Doch bei der weiblichen Jugend ist es nicht nur der Sport, nicht nur die Leistung, die zählt. Der FCS vermittelt seinen Mädchen auch außerhalb des Platzes soziale Werte. Seit Ende 2012 verleiht die Jugendabteilung den Klaus-Kalsch-Preis, eine Auszeichnung, die nach dem im April 2012 verstorbenen Betreuer der B-Juniorinnen benannt ist. Er geht jedes Jahr an eine Spielerin und eine Person aus dem Umfeld, die sich freiwillig und in besonderem Maße für die Jugend engagieren.
„Alles viel professioneller“

Es sind all diese Aspekte, die der weiblichen Jugendabteilung ihr Gesicht verliehen haben. Aus anfangs 25 Mädchen sind 80 geworden, die sich auf fünf Mannschaften verteilen. Alle spielen in der jeweils höchstmöglichen Klasse, die B-Juniorinnen in der Bundesliga (dort Vize-Meister in der vergangenen Saison). Elf Spielerinnen sind im vergangenen Jahr zu Lehrgängen des Deutschen Fußball-Bundes eingeladen worden, vier von ihnen hatten bereits Länderspiel-Einsätze. Mentaltrainer und Physiotherapeuten unterstützen das Team. Alle Übungsleiter des FCS – bis zur E-Jugend – haben Trainerlizenzen.

Elisabeth Scherzberg hat vor einigen Jahren selbst alle Jugendstationen des FCS durchlaufen. Jetzt trainiert die 19-Jährige die D- und E-Jugend. „In den letzten Jahren ist hier unheimlich viel passiert. Es ist alles viel professioneller geworden“, sagt sie und lässt ihren Blick über die Trainingsstätte in Luisenthal schweifen, wo noch immer viele der Mädchen dribbeln und tricksen, um Hütchen und Stangen tanzen. Das Jugend-Team hat nicht nur das Aus dieser Abteilung abgewandt. Es hat ihr ein ganz neues Leben eingehaucht. Eine Perspektive, eine starke Zukunft.

Die nächsten Sichtungs-Trainings der weiblichen FCS-Jugend für die Jahrgänge 2000 und jünger finden am 23. und 30. April jeweils ab 17.30 Uhr auf der Anlage des VfB Luisenthal statt. Weitere Infos unter www.fc-saarbruecken.de. Die unterschiedlichen Wege
der FCS-Talente an die Spitze Elf Jugendspielerinnen des 1. FC Saarbrücken haben im vergangenen Jahr an Sichtungs- oder Kaderlehrgängen des DFB teilgenommen. Die Förderung der jeweiligen Talente funktioniert allerdings unterschiedlich.

Saarbrücken. Sie laufen dicht beieinander. In einer Gruppe. Auf dem Trainingsplatz, beim Warmlaufen, folgen die Fußballerinnen des 1.FC Saarbrücken dem gleichen Weg. Unermüdlich laufen sie, trainieren und spielen die B1- und B2-Juniorinnen mit der gleichen Motivation. Und dem gleichen Ziel vor Augen: Sie alle wollen den Sprung in die erste Frauen-Mannschaft und an die nationale Spitze schaffen. Doch auch wenn sie sich auf dem Platz als Einheit bewegen, könnten ihre eigentlichen Wege kaum unterschiedlicher sein.

Die Jugendabteilung des FCS versucht, all ihren Spielerinnen die Möglichkeit zu geben, ihr Ziel zu verwirklichen. Ganz gleich, welche Voraussetzungen die Talente mitbringen. Einige gehören der Eliteschule für Mädchen- und Frauenfußball an und besuchen daher das Gymnasium am Rotenbühl in Saarbrücken. Lara Martin ist eine von ihnen. Die 14-Jährige aus Dudweiler trainiert zwei Mal pro Woche an der Schule, einmal mit den Jungs des TuS Jägersfreude, drei Mal mit den Mädchen des FCS. „Zwischen Schule und Verein ist alles genau abgestimmt“, erklärt die Rückkehrerin, die sich im vergangenen Sommer wieder dem FCS anschloss. „Ich habe schon hier gespielt, bis damals hier alles auseinander gegangen ist“, erzählt sie. „Das Training ist richtig gut“, sagt Martin: „Hier hat man die Möglichkeit, den Sprung in die Nationalmannschaft zu schaffen.“ Ihr erster Einsatz in der deutschen U15 soll folgen. Ende März fährt Martin wieder zu einem U15-Kaderlehrgang des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) – mit den FCS-Spielerinnen Lisa Schüler und Lena Reiter.

Eine Reihe von FCS-Talenten ist im Blickfeld des DFB – nicht nur Kim Fellhauer, die mit der U17 gerade unterwegs ist zur WM nach Costa Rica. Auch Marie Steimer, Larissa Theil, Nadine Winckler, Claudia Pilger, Celine Wagner, Chiara Klein und Anne Reinhard wurden schon eingeladen. Reinhard zuletzt im Februar. Sie legt einen größeren Fokus auf die Spiele in ihrem Jungsverein, dem FV Schwalbach. „Bei den Jungs gehöre ich auch zu den Stammspielern und bin zweiter Kapitän. Die brauchen mich“, sagt sie und lacht. Der FCS legt in solchen Fällen keine Steine in den Weg. „Wir unterstützen das Konzept mit zwei Vereinen. Die Trainingspläne sind für jede Spielerin individuell abgestimmt. Manche trainieren einmal in der Woche bei uns, andere drei Mal. In der B-Juniorinnen-Bundesliga liegt der Fokus aber klar auf unserer Mannschaft“, sagt der sportliche Leiter Kai Klankert.

Für viele kommt der komplette Übergang in den Mädchenbereich ohnehin irgendwann automatisch. „Ab der C-Jugend wird es immer schwerer für die Mädchen, körperlich mitzuhalten“, erklärt Klankert. Demnach sagt auch Anne Reinhard: „Ab nächstem Jahr mache ich mehr bei den Mädchen.“

Einige aus der FCS-Jugend haben diesen Schritt schon hinter sich. Wie U15-Nationalspielerin Lisa Schüler. Ihr Fall beweist außerdem, dass ein erfolgreicher Weg beim 1. FC Saarbrücken auch ohne die Förderung einer Eliteschule möglich ist. Die 14-jährige Schülerin besucht das Gymnasium in Kusel. Sie wohnt im pfälzischen Friedelhausen und fährt drei Mal pro Woche ins Training nach Luisenthal. „Ab und zu ist es schon anstrengend, manchmal lerne ich auch auf der Autofahrt noch für die Schule. Aber dafür kann ich hier auch auf einem hohen Niveau spielen und mich weiterentwickeln“, sagt sie. cjo
 

 
Hintergrund
Der Hermann-Neuberger-Preis wird jedes Jahr vom Landessportverband für das Saarland für herausragende und erfolgreiche Jugendarbeit vergeben. Die Preisverleihung findet morgen um 17 Uhr an der Landessportschule in Saarbrücken statt. Laudator ist der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann.
Neben dem Haupt-Preisträger 1. FC Saarbrücken Mädchenfußball, der 7500 Euro erhält, werden sechs weitere Vereine ausgezeichnet. Die Sportfreunde Saarbrücken erhalten den Hermann-Neuberger-Preis für soziales Engagement und Integration, verbunden mit 5000 Euro. Hermann-Neuberger-Plaketten und somit jeweils 4500 Euro bekommen die Saarland Hurricanes und der Reit- und Fahrverein Limbach. Die Hermann-Neuberger-Medaillen (je 2000 Euro) gehen an die Baskets 98 Völklingen, das Karate-Dojo Köllerbach und die DLRG-Ortsgruppe Völklingen. cjo
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