A6 Kaiserslautern Richtung Metz/Saarbrücken zwischen Waldmohr und Homburg Gefahr durch 1 Gegenstand auf dem linken Fahrstreifen (ein Fahrrad) (18.08.2018, 12:25)

A6

Priorität: Dringend

25°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
25°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Marc Zwiebler aus Saarbrücken ist Badminton-Europameister

Vormittagstraining in der Saarbrücker Hermann- Neuberger-Sportschule: Hier trainiert Zwiebler seit 2004, als er von Bonn zum Olympiastützpunkt ins Saarland umzog; sein Verein ist aber nach wie vor der heimische BC Beuel. In der Leichtathletik- Halle dreschen acht Spieler unter den Augen von Trainer Jeroen van Dijk auf den Federball ein. Zwiebler sticht aus der Menge. Zum einen, weil er mit links spielt. Und zum anderen, weil er als einziger Spieler eine Gewichtsweste trägt. „Eigentlich gar nicht so gut für meinen Rücken“, sagt er grinsend. Aber Krafttraining muss sein, gerade mit Blick auf Olympia. Woran er am meisten arbeite? „Fitness, Kraft, Technik – ich denke von allem, dass es noch besser sein könnte.“ Seine Stärken? „Ich bin gut darin, instinktiv die richtigen Sachen zu machen.“ Instinktiv das Richtige macht er schon als Teenager, als er sich für seinen Sport entscheiden muss. Zwiebler wird als Sohn zweier deutscher Meister in der Badminton-Halle groß, spielt aber auch Fußball – und zwar so gut, dass ein Bundesligist ihn für seinen Nachwuchs anwirbt. Marc Zwiebler hat die Wahl – und greift zum Schläger. „Weil ich darin mehr Talent habe“, sagt er heute.

2005 holt er sich seinen ersten Meistertitel. Mitte des Jahres erleidet Zwiebler einen Bandscheibenvorfall. „Ich hab’ mir den Schmerz verkniffen, bis ich merkte, dass ich den Schläger erst mal an den Nagel hängen muss.“ Die motorischen Ausfälle werden schlimmer, die Ärzte können nicht helfen. Eines Nachts im August 2006 kann er seinen Fuß kaum bewegen, die Zehen sind gelähmt.

„Da wusste ich: Jetzt ist es richtig ernst“, erinnert er sich. Seine Mutter fährt ihn zur Not- Operation ins Krankenhaus, und es ist diese OP, die ihn wieder zurück aufs Spielfeld bringen wird. Zu dem Zeitpunkt ahnt Zwiebler das noch nicht: „An Sport war nicht zu denken.“ Damals ging es ihm einfach nur darum, „einen Arbeitstag lang schmerzfrei im Büro sitzen zu können“, sagt er trocken. Und letztlich ist es genau diese Nüchternheit, die ihn nach etlichen Wochen Physiotherapie wieder ein paar Schläge Badminton spielen lässt – aus Spaß und ohne jeden Erwartungsdruck. „Das war der entscheidende Faktor“, sagt Zwiebler heute: „Schließlich hatte ich nicht mehr damit gerechnet, dass ich wieder gesund werde.“ Wird er aber: Zwölf Monate später reist er zum ersten Turnier nach seiner OP nach Belgien – und gewinnt. Der Auftakt einer Siegesserie: „2007 habe ich fast alle Spiele gewonnen, fünf oder sechs Turniersiege in vier Monaten“, sagt Zwiebler.

Ein Jahr später fährt er nach Peking zu den Olympischen Spielen – und schafft es auf Platz neun. Für London gibt Trainer van Dijk den Einzug ins Viertelfinale als Ziel vor. Ob Zwiebler es unter die letzten Acht schafft, ist stark vom Losglück abhängig. Sollte er schon vorher auf die Allerbesten der Welt treffen, wird es schwer für ihn. „Bei den anderen“, sagt van Dijk, „hat er Chancen“.

„Mein Ziel ist es, eine Medaille zu gewinnen, aber ich wäre nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt“, sagt Zwiebler. Bis dahin pendelt er zwischen Olympiastützpunkt und Saarbrücker Innenstadt, wo der BWL-Student seine Wohnung hat. Das Studium liegt derzeit brach, der Sport geht vor. Mit seinem Hochschulabschluss will er auch seine Karriere beenden, um sich einem Beruf zu widmen, der nichts mit Badminton zu tun hat. „Dann beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Ich bin sehr dankbar für meine Zeit als Profi, aber ich will nicht die nächsten 40 Jahre in der Halle stehen“, sagt er. Denn das wird Marc Zwiebler in den nächsten Jahren noch zu Genüge tun. Die Spiele in Rio de Janeiro 2016 sind denkbar, sagt er. Wenn der Rücken mitspielt.

© WhatsBroadcast
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein