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Mehr als nur ein Seepferdchen: Landesregierung und Verbände wollen alle Viertklässler zu Schwimmern machen

Kinder sollten bereits in der Grundschule lernen, richtig zu schwimmen. Symbolfoto: Jens Wolf/dpa

Kinder sollten bereits in der Grundschule lernen, richtig zu schwimmen. Symbolfoto: Jens Wolf/dpa

Sich gerade so über Wasser zu halten, ist eine Sache. Das Schwimmen richtig zu beherrschen, eine andere. Und genau da setzt die Aktion „Sicher schwimmen im Saarland – Verbesserung der Schwimmfähigkeit bei Grundschulkindern“ an. Sie ist Teil der Initiative „Wir im Verein mit dir“, die die saarländische Landesregierung im Jahr 2001 ins Leben rief, um mehr Kinder für Sportvereine zu begeistern. Mit im Boot sitzen auch das Landesinstitut für Präventives Handeln (LPH), der Landessportverband und die jeweiligen Saar-Ministerien für Gesundheit, Bildung und Sport.

Landtagspräsident Klaus Meiser ( CDU ), Chef des Landesportverbands Saar, erinnerte gestern bei einer Pressekonferenz in der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken an das Ergebnis einer Forsa-Umfrage von 2010: Deutschlandweit könnten demnach etwa 50 Prozent der Zehnjährigen nicht richtig schwimmen. Zudem ergab die Erhebung, dass 16 Prozent der Kinder am Ende der Grundschulzeit nicht einmal ein „Seepferdchen“ (Sprung vom Beckenrand und 25 Meter Schwimmen) vorweisen können.

„Als sichere Schwimmer bezeichnen wir allerdings erst Kinder, die bereits das Jugendschwimmabzeichen Bronze absolviert haben“, sagte der Sprecher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Oliver Zangerle. Das Bronze-Abzeichen setzt 200 Meter Schwimmen in höchstens 15 Minuten voraus. Ein Ziel der neuen Aktion sei es deshalb, Viertklässlern ab sofort jedes Jahr eine kostenlose Schwimmabzeichen-Prüfung zu ermöglichen. Zudem sollen externe Schwimmlehrer an Schulen, an denen Bedarf besteht, über AGs oder Projekttage Unterricht erteilen. „Im ersten Jahr wollen wir so saarlandweit 40 bis 50 AGs zustandebringen“, sagte Projektkoordinator Bernhard Schmitt. Dieses Angebot käme vor allem behinderten Kindern und Zuwanderern zugute, so Schmitt.

Als dritter Teil der Aktion vorgesehen seien Fortbildungen für fachfremde Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter, um die Lehrer zu unterstützen. Zudem solle von nun an jährlich der „Tag des Schwimmens“ stattfinden, um Kindern den Wassersport schmackhaft zu machen. Schwimmvereine und DLRG-Ortsgruppen veranstalten ihn am 5. Juni in den Bädern von zwölf Kommunen.

Die Aktion „Sicher schwimmen im Saarland“ will damit dem Lehrermangel entgegenwirken und solide Schwimmfertigkeiten an Grundschulen etablieren. Dabei dürfte das Problem der Bäderschließungen jedoch nicht vergessen werden, mahnte DLRG-Sprecher Zangerle. Im vergangenen Jahr hatte die Landesregierung mitgeteilt, dass rund 16 Prozent der 162 Saar-Grundschulen in den vergangenen drei Jahren keinen regelmäßigen Schwimmunterricht anbieten konnten. Grund dafür seien unter anderem fehlende Lehrer und die Nicht-Erreichbarkeit von Schwimmbädern.

 

Meinung:
 

Ohne Bad keine Ausbildung

Von  Redaktionsmitglied Fatima Abbas

Dass Kinder nach der Grundschule sicher schwimmen können, sollte ein gesamtgesellschaftlicher Anspruch sein. Daher ist es richtig, dass Verantwortliche wie Ministerien, Landessportverband und das Landesinstitut für Präventives Handeln miteinander kooperieren und die Grundschulen mit dieser Herkulesaufgabe nicht allein lassen. Doch mit Schwimmabzeichen und mehr Lehrern alleine ist es nicht getan. Seit Jahren warnt die DLRG vor weiteren Bäderschließungen. Wenn Geld nur für Spaßbäder bereitgestellt wird statt für Lehrschwimmbecken, wird die Zahl der sicheren Schwimmer kaum steigen. Oder wie es DLRG-Sprecher Zangerle ausdrücken würde: „Ohne Bad keine Ausbildung.“

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