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Missbrauchsskandal: Jetzt auch Kompetenzgerangel am Homburger Johanneum

Der Umgang mit den Missbrauchsfällen im ehemaligen Internat des Johanneums und der Umgang mit der derzeitigen Schulleitung bringen die Ordensleute der Hiltruper Missionare immer mehr in die Defensive. Die Elternvertretung der Schule fordert nun Antworten von den Verantwortlichen.

Der Umgang mit den Missbrauchsfällen im ehemaligen Internat des Johanneums und der Umgang mit der derzeitigen Schulleitung bringen die Ordensleute der Hiltruper Missionare immer mehr in die Defensive. Die Elternvertretung der Schule fordert nun Antworten von den Verantwortlichen.

  Homburg. Am Homburger Gymnasium Johanneum brodelt es weiter. Nachdem Ende Februar bekannt wurde, dass zwei Patres der Hiltruper Missionare vor mehr als 25 Jahren Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben, muss die Öffentlichkeit weiter auf einen Abschlussbericht des Ordens warten. (Der Orden ist nach wie vor über eine Stiftung Schulträger, der Stiftung zur Seite steht eine Schul GmbH.) Eltern und Bevölkerung werden nicht oder nur unzureichend informiert. Der Provinzial des Ordens, der frühere Schuldirektor Pater Werner Gahlen, ist erkrankt und steht als Ansprechpartner derzeit nicht zur Verfügung. Zu allem Überfluss ist in der Schule ein Machtkampf entbrannt. Die Kompetenzen der Schulleitung um Eva-Maria Wenzel-Staudt werden durch die Schul GmbH beschnitten. Zudem gibt es nach Auskunft von Beobachtern heftige Querschüsse aus der Abteilung Silentium, der freiwilligen Nachmittagsbetreuung. Schul GmbH wie Silentium unterstehen direkt dem Orden.

Appell an den Orden

All dies hat nun die Elternvertretung des Johanneums dazu veranlasst, einen Appell an den Orden der Herz-Jesu-Missionare und den Stiftungsrat der Schule zu schicken. Der offene Brief liegt unserer Redaktion vor. In einer Abstimmung unter allen Klassen-Elternvertretern sprachen sich von 29 Personen 26 für die derzeitige Schulleitung um Wenzel-Staudt aus, drei enthielten sich der Stimme, Gegenstimmen gab es keine.

In dem Schreiben heißt es: „Es liegt nicht in unserer Absicht, das segensreiche Wirken und die großartigen Leistungen der Patres, Brüder und weltlichen Lehrer zu schmälern, die das Johanneum aufgebaut und viele Jahre vorbildlich geleitet haben. Allerdings haben die neu geschaffene Rechtsform und die damit verbundenen Umstrukturierungen Organisationsformen entstehen lassen, die nur schwer durchschaubar und kontrollierbar sind.“

Zuständigkeiten nicht klar definiert

Ein großes Problem stelle die unsachgemäße und ineffiziente Verteilung der Befugnisse zwischen Schulleitung, Geschäftsführung, Silentium und Orden dar. Dies führe dazu, dass Zuständigkeiten nicht klar definiert seien und Gremien teils ohne angemessene Transparenz und Abstimmung weitreichende Entscheidungen träfen. „Dieser Zustand schadet dem Johanneum.“ Und weiter heißt es: „Sicher wurden bei Errichtung der Stiftung viele sinnvolle Aspekte wirtschaftlicher und rechtlicher Art berücksichtigt.“ Mit der Wahl einer „hervorragend qualifizierten, hoch motivierten und engagierten neuen Schulleiterin Eva-Maria Wenzel-Staudt“ hätte das Johanneum nach Einschätzung der Elternvertretung „beste Aussichten für die Zukunft haben können“. Wenn nämlich „nicht versäumt worden wäre, Frau Wenzel-Staudt mit der nötigen Befugnis über die gesamte Einrichtung Johanneum auszustatten, wenn ihre Leitungsfunktion nicht weitere Einschränkungen durch eine Geschäftsführung hätte hinnehmen müssen, die in der Lage ist, jede Entscheidung der Schulleitung zu konterkarieren“. Weiter wird kritisiert, dass sich eine „Schule neben der Schule“, nämlich das Silentium, etabliert habe, dessen Angebot nur einem Teil der Schülerschaft zur Verfügung stehe und dessen Leitung autonom und meist konkurrierend zur Schule, zu den Jugendgruppen und anderen Elterninitiativen organisiert sei. Diese Spaltung sei in Kollegium und Schülerschaft hineingetragen worden und mache sich im Schulalltag bemerkbar. Diese unüberbrückbaren Gegensätze hätten zu „inakzeptablen Umgangsformen und teils offenen, teils verdeckten, aber für Eltern und Schüler deutlich wahrnehmbaren Auseinandersetzungen“ geführt, die einer katholischen Privatschule unwürdig seien. Der dramatische Verlust an Glaubwürdigkeit, den der gesamte Orden der Herz-Jesu-Missionare durch das Fehlverhalten einzelner Mitbrüder, aber auch durch den ungeschickt anmutenden Umgang mit diesen Vorwürfen derzeit hinnehmen müsse, erschwere die Situation zusätzlich.

Bischof teilt die Auffassung der Eltern

Die Eltern: „Wir halten dennoch an dieser Schule fest und glauben an die Daseinsberechtigung christlicher Schulen.“ Man wünsche sich einen gemeinsamen Weg mit der gesamten Institution sowie die Fortführung der „ausgezeichneten Zusammenarbeit“ mit der Schulleitung um Wenzel-Staudt.

Der Stiftungsrat hat inzwischen auf den Brief reagiert und der Elternvertretung ein Gesprächsangebot unterbreitet.

Stiftungsratsmitglieder haben gegenüber unserer Zeitung den Eltern ihre Unterstützung zugesagt. Positive Signale kommen laut Elternvertretung auch vom Bistum Speyer, das neben dem Saarland größter Geldgeber des Johaneums ist. Der Bischof, der ebenfalls ein Schreiben erhalten hat, teile die Auffassung der Eltern.


Hintergrund
Zum Thema sexueller Missbrauch stellt die Elternvertretung folgende Fragen an Orden und Stiftungsrat: Warum wurden am Johanneum die durch Missbrauch in Frage kommenden Jahrgänge nicht angeschrieben? Warum erhielten und erhalten die Betroffenen, die sich mutig gemeldet haben, keine Rückmeldung? Warum gibt es keine regelmäßigen Pressemeldungen aus dem Orden? Warum wird der Unterschied zwischen juristischen und kirchenrechtlichen Konsequenzen nicht deutlicher hervorgehoben? Wann erscheint der Bericht des Ombudsmanns des Ordens? red


Meinung: Wohltuend klare Worte

Von SZ-Redakteurin Ulrike Stumm


Außenstehenden bleibt nur, den Kopf zu schütteln und die ziemlich fassungslos gestellte Frage: Was ist da eigentlich am Johanneum los? Da wird die Schule von einem Missbrauchs-Skandal erschüttert, an den noch vor wenige Monaten wohl nur der Kühnste der Nicht-Betroffenen gedacht hätte. Und nach dem ersten Schock scheinen die Opfer, die zum Teil seit Jahrzehnten an dem Erlebten leiden, nur noch Nebensache zu sein. Nach dem Anfangschaos folgte die (zu) späte Entschuldigung. Zudem ist der Wille, hier restlos Licht ins Dunkel zu bringen, nur als schwacher Schimmer wahrnehmbar, wenn überhaupt.

Und als ob die aufgedeckten Missbrauchsfälle nicht schon genug Schaden angerichtet hätten, wird nun auch noch die Schule durch ein Kompetenzgerangel von innen heraus geschwächt. Da wird offenbar am Stuhl einer Schulleiterin gesägt, die gute Arbeit leistet, die zudem völlig unbelastet ist vom Vorgefallenen. Der Orden lässt die Muskeln spielen über die undurchschaubar wirkende Schul GmbH und das merkwürdige Konstrukt einer autonomen Nachmittagsbetreuung, deren Leiter übrigens vor zwei Jahren selbst Ambitionen auf den Chefposten hatte – und scheiterte.

Die Eltern haben sich wohltuend klar positioniert: Sie äußern offen ihre Kritik, fordern Antworten, machen aber auch deutlich, dass sie sich den Orden weiterhin in Homburg wünschen. Sie wollen ein Miteinander, kein Gefechtsfeld. Das nützt nämlich niemandem etwas. Die Machtkämpfe könnten letztlich dafür sorgen, dass das Johanneum aus Homburg verschwindet.

© WhatsBroadcast
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