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Museumsbau: Saar-Architekten bieten Unterstützung an

Vierter Pavillon: Saar-Architekten bieten Hilfe an

Vierter Pavillon: Saar-Architekten bieten Hilfe an

Saarbrücken. Er war ein Mahner der ersten Stunde: Bereits 2007 machte der ehemalige Landeskonservator und Architekt Johann Peter Lüth den damaligen Kulturminister Jürgen Schreier (CDU) darauf aufmerksam, dass das für den Vierten Pavillon vorgesehene Grundstück für die Baumasse zu klein sei. Doch „Genugtuung tröstet nicht angesichts der Kümmernisse“, sagt er heute. Und meint: das durch den „unerträglichen Klotz“ angerichtete „städtebauliche Desaster“. Dass sich die Bau-Fachleute im Land damit nicht abfinden wollen, machte bereits eine Resolution im Oktober klar, unterschrieben von sechs Verbänden, unter anderem von der Stiftung Baukultur, dem Werkbund, dem Denkmal- und Städtebaubeirat.

Aber beim Warnen soll es diesmal nicht bleiben. Man möchte einen Rettungsplan erarbeiten. Am 16. Dezember trifft sich eine Delegation der Resolutions-Unterzeichner mit Kulturminister Stephan Toscani (CDU). Der Bund Deutscher Architekten (BDA) war bereits als Vorhut bei ihm. Markus Ott (BDA) berichtet von Positiv-Signalen des Ministers auf erste Vorschläge. Die da lauten: Baustopp, Information der Fach-Öffentlichkeit durch eine Baustellen-Begehung, vorurteils- und tabufreie Podiumsdiskussion über die Qualität des Neubaus. Vorausgehen müsse, so Ott, eine fundierte Soll-/Ist-Analyse. Dafür müssten die von der Stiftung gekündigten twoo Architekten (Köln) gehört werden. Ott: „Zu klären ist, inwieweit deren Planungen realisierbar sind und realisiert wurden.“ Erst dann wären mögliche Mängel und der Nachbesserungsbedarf definierbar. All dies könne am besten ein unvoreingenommener Mann von außen leisten, so Ott. Man habe Toscani den Berliner Museumsbau-Fachmann Volker Staab als eine Art Krisenmanager vorgeschlagen. Staab sei dazu bereit. Laut Ott sollte Staab 2007 dem Wettbewerbs-Preisgericht für den Vierten Pavillon angehören, musste jedoch aus familiären Gründen absagen.

Volker Staab ist ein hoch geschätzter Mann. Er baute unter anderem das Neue Museum in Nürnberg, sanierte das Albertinum in Dresden, erhielt 2011 den Großen BDA-Preis. Just am Donnerstag bekam ein Staab-Projekt bundesweite Aufmerksamkeit: Kassels Neue Galerie hinter klassizistischer Fassade (gebaut für rund 25 Millionen Euro).

Für Lüth symbolisiert Staab den Neustart: „Wir müssen raus aus dem Dunstkreis der alten und jetzt Verantwortlichen.“ Dafür schlägt Lüth ein „offenes, schrittweises Gutachterverfahren“ vor: Je zwei Architekten und Künstler sollen „Interventionen“ zum Bau liefern. Ob alle Verbände diese Idee mittragen, ist noch offen. Doch auch Henning Freese, Architekt und Vorsitzender des Denkmalrates, befürwortet ein „Signal für die Freiheit des Denkens“. Es müsse über Rückbau und Abriss geredet werden dürfen, meint er. Derweil meint die Architekturkritikerin Marlene Dittmann (Werkbund), die den Rohbau bereits sehen konnte: „Man kann noch was retten.“ Gleichwohl sieht sie massive Mängel: einen „miserablen“ Anschluss des Neubaus an den Bestand (Moderne Galerie), „entsetzliche Proportionen“ des Wechselausstellungs-Raumes, ein Restaurant, das wie ein „Gefängnis“ konzipiert sei. Es scheint, als rolle auf die Bau-Experten eine Menge Arbeit zu.

 

Meinung

Die Kernfrage verkannt

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Die Saar-Architekten haben beim Museums-Projekt von Beginn an Dilettantismus erkannt und angeprangert, die Landesregierung ignorierte sie als Störenfriede. Trotz dieser Negativ-Erfahrung bieten sie heute noch einmal ihre Unterstützung an – Hut ab vor dieser verantwortungsvollen Haltung. Das vorgeschlagene Rettungs-Verfahren hat zudem viel für sich. Allein deshalb, weil in den Planungsprozess wieder architektonischer Sachverstand einfließen muss. Auch, um zu klären, was wirklich Murks ist oder aber nur als solcher empfunden wird. Etwa, weil der Interims-Vorstand ein anderes Museumskonzept verfolgt als sein Vorgänger.

Welches Museum wollen wir? Soll es eine übliche Galerie der Gegenwart oder aber ein Bahn brechendes Museum des 21. Jahrhunderts werden? An dieser Kernfrage hängt jede seriöse Entscheidung über den Bau-Fortgang. Es ist ein Jammer, dass dies im Kulturministerium noch nicht erkannt wurde.

© WhatsBroadcast
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