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Na sowas: Kein Kindergartenplatz für Pampers-Rocker

Saarlouis. Stefanie Jadlowski will ihre Tochter im städtischen Kindergarten Steinrausch anmelden, in unmittelbarer Nähe zur Wohnung der Familie. Alles scheint perfekt – bis die Mutter in der Kindergartenordnung auf folgenden Punkt stößt: „Das Mitbringen/Tragen von Windeln ist nicht gestattet. Ein Kind, das in den Kindergarten- oder Kindertagesstättenbereich aufgenommen werden soll, muss daher in der Lage sein, alleine zur Toilette zu gehen.“

Alternative: Die Eltern wechseln die Windeln

Stefanie Jadlowskis Tochter, die im August drei wird, ist aber noch nicht sauber. Im Gespräch mit der Kindergartenleitung werden ihr zwei Möglichkeiten vorgeschlagen: Entweder das Kind macht in die Hose und die berufstätige Mutter (oder ein anderer Familienangehöriger) wird angerufen, um das Kind im Kindergarten sauber zu machen. Oder sie sucht sich eine andere Einrichtung, die das Kind aufnimmt.

Der Träger, die Stadt Saarlouis, bestätigt diese Regelung: „Mit drei Jahren besteht zwar ein gesetzlicher Anspruch auf einen Kindergartenplatz, aber nicht in einer bestimmten Einrichtung“, sagt Harry Berwanger, zuständiger Amtsleiter für Familien, Soziales, Schulen und Sport, „nicht in allen unseren Einrichtungen haben wir einen regulären Krippenbereich, wo die Möglichkeit zum Wickeln besteht.“ Die Mutter müsste sich um einen Platz in einer Kita mit Krippenbereich bemühen, und die entsprechende Fahrzeit und den Weg dorthin in Kauf nehmen. Oder zustimmen, dass das Kind ohne Windel in den Kindergarten geht, in die Hose macht und es jedes Mal selbst saubermachen. Andere Eltern hätten mit diesen Optionen keine Probleme, meint Berwanger: „Es ist doch eher selten, dass Kinder mit drei Jahren nicht sauber sind. Ich kann mich an keinen anderen Fall erinnern.“



Im evangelischen Kindergarten kein Thema

Für Diemuth Hock-Forth, Leiterin des evangelischen Kindergartens Saarlouis, ist Sauberkeit kein Kriterium, das gelte auch in anderen evangelischen Einrichtungen. „Wir möchten nicht, dass Druck auf das Kind aufgebaut wird. Sauberwerden ist ein Reifungsprozess, der vom Entwicklungsstand abhängt. Wir klären mit den Eltern, wie weit das Kind ist und arbeiten mit ihnen zusammen, aber das kann auch sein, dass ein Kind erst mit dreieinhalb Jahren sauber ist.“ Das dürfe aber nicht dazu führen, dass Eltern die Sauberkeitserziehung auf die Kita verlagern.

Auch im Aufnahmeheft der Kita GmbH in Dillingen, Träger von 129 katholischen Kinderbetreuungseinrichtungen im Saarland, gibt es keine solche Klausel: „Grundsätzlich werden die Kinder auch aufgenommen, wenn sie nicht sauber sind“, sagt Thomas Schmitz, pädagogischer Geschäftsführer der Kita GmbH, „natürlich immer mit Blick darauf, wie das personell geleistet werden kann. Im Gespräch mit den Eltern wird auf eine gemeinsame Sauberkeitserziehung hingewirkt.“ Bei zu vielen noch nicht windelfreien Kindern würden die Eltern gebeten, diese erst ein, zwei Monate später zu bringen.

Mutter Stefanie Jadlowski ist jedenfalls in der Zwickmühle: „Ich will eigentlich gerne diesen Kindergarten nutzen. Ich hoffe, dass man da einen Kompromiss finden kann.“ Unterschrieben hat sie den Vertrag noch nicht.



Meinung: Die Qualität in Kitas anpassen

Es spricht nicht für die kinderfreundliche Stadt Saarlouis, dass in den Betreuungseinrichtungen unter ihrer Trägerschaft offenbar nach veralteten pädagogischen Konzepten gearbeitet wird. Nach dem Motto: Das Kind macht drei Mal in die Hose und dann wird es das schon lernen. Anderes Beispiel: Dass die Eltern in der Eingewöhnungszeit nicht mitdürfen, ist überholt. Die Stadt wäre gut beraten, sich an die Qualität der anderen Träger anzupassen. Sonst werden die städtischen Kitas bald nur noch von Kindern besucht, die woanders keinen Platz bekommen haben. Denn viele Eltern werden eher eine lange Anfahrt oder Wartelisten in Kauf nehmen, als bei der pädagogischen Qualität Abstriche zu machen.


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