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Nicole: 30 Jahre „Ein bisschen Frieden“

Als sie ein Foto mit der Punktetafel aus ihrem Siegerjahr entdeckt, stimmt sie sofort die Beiträge der anderen Länder an. Fast zu jedem Bild fällt ihr eine Anekdote ein. Zum Beispiel, dass Paul McCartney den Grand-Prix-Rummel nutzen wollte, um groß seine neue Platte vorzustellen. Eine Woche später war der Ex-Beatle in den englischen Charts „nur“ auf Platz zwei und sie führte diese als erste Deutsche an.

„Damals hat einfach alles gepasst“, sagt sie bescheiden über ihren Grand-Prix-Sieg. Das Lied habe bis heute seine eigene Magie. Von ihrer weißen Gitarre als Friedenssymbol bis zu ihrem Kleid sei aber auch nichts dem Zufall überlassen worden. Und dann brach kurz vor dem Wettbewerb noch der Falkland-Krieg aus und Europa wünschte sich „Ein bisschen Frieden“. „Die ersten Proben waren vorbei und ich habe gemerkt, dass die Putzfrauen bei mir jedes Mal den Besen ruhen gelassen und gespannt zugehört haben“, erinnert sich die Sängerin, die immer auf ihr Bauch-Gefühl hört, an den Moment, als sie begriffen hat: Ich kann es packen. Den Entschluss, im Falle ihres Sieges eine mehrsprachige Version des Liedes zu singen, habe sie nachmittags spontan gefasst. „Das würde ich heute nicht mehr machen“, stellt sie klar. Da sei die Angst vor Fehlern viel zu groß, verrät die 47-Jährige und zeigt auf das nächste Bild: „Was viele nicht wissen, ist dass ich als deutsches Mädchen danach eine Einladung nach Israel erhalten habe“, sagt sie. Dort habe sie vor Hunderten von Soldaten „Ein bisschen Frieden“ gesungen: „Da bekomme ich heute noch Gänsehaut.“

Eine Trophäe, die an ihren Grand-Prix-Sieg erinnert, hat Nicole dagegen nicht. Im Gegensatz zu den Komponisten bekam sie nur einen Blumenstrauß überreicht. Und der ist längst verwelkt. Doch dafür hat die sympathische Saarländerin vom „Echo“ bis zur „Goldenen Europa“ einen ganzen Schrank voller anderer Auszeichnungen in dem Kellerraum, die sie übrigens alle selbst abstaubt. „Ups, die muss ich wieder flicken“, sagt sie, als sie bemerkt, dass bei einer ihrer elf „Goldenen Stimmgabeln“ die Gabel abgefallen ist. Besonders stolz ist Nicole auf die Preise, die ihre 17 Siege in der „ZDF-Hitparade“ dokumentieren. Rekord. Als Kind habe sie die Sendung immer vor dem Fernseher verfolgt und gesagt: „Da will ich auch mal auftreten.“ Zwischen den renommierten Auszeichnungen stehen auch immer wieder Geschenke, die sie von ihren Fans erhalten hat. Und eine „Oscar“-Kopie: „Die haben mir meine Kinder geschenkt“, sagt sie grinsend.

Bei einem Kaffee in der modernen, offenen Küche ihres Hauses plaudert Nicole dann über die Weiterentwicklung des Sänger-Wettstreits. Obwohl sie sich nach wie vor die Show anschaut, steht für sie fest: „Mein Grand Prix ist das nicht mehr. Es ist mir viel zu oberflächlich geworden. Mir fehlen die Persönlichkeiten und die Leidenschaft. Manche werden da einfach nur hingeschickt, um bekannt zu werden, und bekommen ein Lied verpasst. Niemand lebt das Lied mehr.“ Sie habe es damals als eine große Verantwortung gesehen, ihr Land ordentlich zu vertreten. Ihr Glückwunsch-Brief an ihre Grand-Prix-Nachfolgerin Lena blieb übrigens 2010 unbeantwortet.

Doch darüber könnte die 47-Jährige eigentlich schmunzeln. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern des schnelllebigen Musikgeschäftes ist sie bereits seit über 30 Jahren erfolgreich. Ein überdimensionales Plakat von ihrem aktuellen „Jetzt komm’ ich“-Album und Instrumente, die sie auf ihrer laufenden Akustik-Tour spielt, gehören zu den neusten Exponaten in den „heiligen Hallen“ ihres Hauses in einer Seitenstraße. „Eigentlich möchte ich nichts anderes mehr machen“, erklärt sie die Vorzüge von Unplugged- Konzerten in intimer Atmosphäre ohne Effekthascherei und mit „Musik direkt aus dem Herz“. Sie hat jetzt die Freiheit, beruflich das zu tun, was sie will. So verfilmte sie zum Beispiel im Jahr 2005 in Kuba in Eigenregie ihre CD „Alles fließt“: „Die DVD hat es in die Top Ten der Charts geschafft. Darauf bin ich schon stolz“, verrät sie.

Bevor es bald wieder auf Tour geht, nutzt Nicole ihre rare Freizeit zuhause gerne, um – am liebsten asiatisch – zu kochen und sich um ihr 2011 geborenes Enkelkind Mara von Tochter Marie-Claire zu kümmern. Die Saarländerin sieht sich als „Kind ihres Dorfes“, in dem jeder jeden kennt: „Ich gehe genauso in den Supermarkt einkaufen, wie alle andere und bin hier einfach ‚es Nicole’ und nicht der Star Nicole.“

© WhatsBroadcast
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