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Nie aufgeklärt: 127 Morde im Saarland, 170 in Rheinland-Pfalz

Kaiserslautern. Sie wurden nur 24 und 25 Jahre alt. Brutal getötet von einem Sex-Täter. Doch auch mehr als 40 Jahre danach tappen die Ermittler im Dunkeln. Insgesamt drei Sexualmorde im Raum Kaiserslautern aus den 1960er Jahren sind die ältesten ungelösten Tötungsverbrechen in Rheinland-Pfalz.

Mord verjährt nie

Rund 170 ungeklärte Mordfälle gibt es, darunter auch Verbrechen, die die Kommissare in regelmäßigen Abständen erneut überprüfen, wie Jürgen Heis, Sachgebietsleiter Kapitaldelikte im Landeskriminalamt (LKA), berichtet. Denn Mord verjährt nie. Vor allem dank der DNA-Analyse konnten nach Jahrzehnten noch Fälle aufgeklärt werden.

"Die DNA-Analyse ist eine Super-Option. Gegen Fingerabdrücke kann sich der Täter schützen, gegen das Legen von DNA-Spuren nicht", betont der Leiter der Mordkommission im Polizeipräsidium Mainz, Uwe Lang. So reichen schon kleinste Hautfetzen unter den Nägeln des Opfers, ausgerissene Härchen oder ein vom Täter achtlos ausgespucktes Kaugummi, um das unverwechselbare Erbgut zu entschlüsseln. Und das kann dann helfen, den Täter dingfest zu machen. "Deshalb haben wir uns seit es die DNA-Analyse gibt, alle ungeklärten Fälle nochmals hervorgeholt um zu schauen, ob noch etwas rauszuholen ist", so Lang.



Mörder nach vielen Jahren überführt

Wie im Fall einer 16-jährigen Schülerin: Sie wird im Sommer 1988 auf einem Feld nahe Speyer missbraucht und getötet. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel. Wer hat diese furchtbare Tat begangen? 16 Jahre später helfen feinere Analysen dabei, die DNA-Spuren vom Tatort erneut zu untersuchen und sie mit den Profilen verurteilter Straftäter in der bundesweiten Datei beim Bundeskriminalamt abzugleichen. Und tatsächlich ein Treffer. Ein Metzger, der 1992 wegen eines Sexualdelikts verurteilt worden war, kann als Mörder der 16-jährigen Schülerin überführt und später verurteilt werden.

Auch den Mord an einer Geschäftsfrau, deren Leiche 1996 in einem Geschäft in Haßloch gefunden wurde, lösten die Ermittler über die DNA in einer Blutspur rund elf Jahre später. Nach sogar 17 Jahren fassten die Kriminalisten den Mörder einer 16 Jahre alten Schülerin, deren Leiche 1985 in einem Gebüsch in Polch lag. Und gar 26 Jahre nach dem gewaltsamen Tod einer Schülerin in Bad Kreuznach muss sich seit Dienstag ein ehemaliger US-Soldat vor dem Landgericht in Frankfurt verantworten. Spermaspuren brachten den Ermittlungserfolg.

DNA-Analyse kein Allheilmittel

Aber ein Allheilmittel ist die DNA-Analyse nicht, denn: Ist ein Täter nicht in der Datei erfasst, hilft ein Profil nur weiter, wenn es konkrete Verdächtige gibt. "Irgendwann haben sie Grenzen erreicht, da kommen sie nicht weiter", betont der Leitende Oberstaatsanwalt von Mainz, Klaus-Peter Mieth. "Je länger eine Tat zurückliegt, desto schwieriger wird es, weil man sich ausschließlich auf Sachbeweise stützen kann", ergänzt Lang. Zeugenaussagen seien nach so langer Zeit eher nicht mehr verwertbar.

Im Bereich des Mainzer Präsidiums kommt es alljährlich zu rund 20 Tötungsdelikten - inklusive versuchter Taten. "Pro Jahr haben wir im Schnitt einen Fall, den wir zunächst nicht lösen können", sagt Lang. Weniger als 30 noch ungelöste Kapitaldelikte lagern in den Aktenschränken in Mainz. "In einigen der Fälle gab es Verdächtige, denen wir die Tat aber nicht nachweisen konnten."

Besonders problematisch sind Babyleichen, die etwa im Wald gefunden wurden. "Da haben sie einfach nichts", sagt Lang. Und dann helfen auch nicht der größte kriminalistische Spürsinn oder die feinsten DNA-Analysen. So auch im Fall der drei Sexualmorde aus den 1960er Jahren. Nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Hans Bachmann steht zwar inzwischen fest, dass es drei verschiedene Täter waren. Von keinem findet sich jedoch das Erbgut in der Bundesdatei.

Hintergrund


Im Saarland hat es seit 1976 insgesamt 127 ungeklärte Tötungsdelikte (Mord und Totschlag) gegeben. Das sind statistisch gesehen rund vier ungeklärte Tötungsdelikte pro Jahr. 90 der insgesamt 127 Delikte waren versuchter Mord beziehungsweise versuchter Totschlag, in 37 Fällen führte dies zum Tod, wie das Landeskriminalamt auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte.
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