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Oberbürgermeister kritisiert Naturschutz-Pläne für den Warndt

Mit Glanrindern gegen Verbuschung: Seit mehr als zehn Jahren arbeitet die Naturrind Warndt GmbH in Ludweiler mit der robusten Haustierrasse für die Landschaftspflege – und produziert Bio-Fleisch. Archivfoto: Jenal

Mit Glanrindern gegen Verbuschung: Seit mehr als zehn Jahren arbeitet die Naturrind Warndt GmbH in Ludweiler mit der robusten Haustierrasse für die Landschaftspflege – und produziert Bio-Fleisch. Archivfoto: Jenal

Noch vor den Ortsräten von Ludweiler und Lauterbach und dem Stadtrat hat die Völklinger Rathausspitze Stellung genommen zum Entwurf für die Verordnung, mit der das saarländische Umweltministerium den Warndt als Naturschutzgebiet ausweisen will. Oberbürgermeister Klaus Lorig ( CDU ) macht „erhebliche Bedenken“ geltend. Und er empfiehlt den Gremien , dem Entwurf nicht zuzustimmen.

Die Gründe, die Lorig dafür ins Feld führt, sind vielfältig. Grund Nummer eins ist der Zeitdruck, den das Umweltministerium aufgebaut hat. Die Frist zur Stellungnahme sei viel zu kurz „angesichts des Umfangs und der Komplexität von Schutzgebiet und Verordnung“. Schließlich betreffe die Verordnung ja eine Fläche von 5091 Hektar und umfasse allein 25 Detailkarten. Zur Abstimmung – hausintern, in den politischen Gremien , mit den Bürgern – sei eine Beteiligungszeit von drei Monaten angemessen.

Außerdem zeigt sich Lorig befremdet durch die Auswahl der „Träger öffentlicher Belange“, die zur Stellungnahme aufgefordert sind (dazu gehören die Kommunen Großrosseln und Völklingen , auf deren Bann der größte Teil des geplanten Schutzgebiets liegt). Es sei nicht nachvollziehbar, „dass weder der Regionalverband Saarbrücken noch die Untere Naturschutzbehörde beim Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz eingeschaltet worden sind“. Sei der Regionalverband doch zuständig für Flächennutzungs- und Landschaftsplanung.

Grund Nummer drei: Der Schutzstatus „Naturschutzgebiet“ bedeute Einschränkungen für die Menschen im Warndt. Warum das sein müsse, habe das Ministerium nicht schlüssig dargelegt. Denn nach den Natura 2000-Regeln sei diese strengste Form des Naturschutzes – strenger als die im Warndt schon bestehenden – nicht zwingend notwendig.

Auch seien die Belange der Naherholung zu wenig berücksichtigt. Bisherige Freizeitnutzungen im Warndt stünden „im Einklang mit Flora und Fauna“, seien auch pädagogisch sinnvoll. Pilze und Beeren sammeln zu dürfen, diene auch der „Akzeptanz“ von Naturschutz und müsse daher erlaubt bleiben. Gleiches gelte für die Nutzung „inoffizieller“ Wege.

Und schließlich sorgt sich Lorig um Landwirte im Warndt – etwa um die Ludweiler Naturrind Warndt GmbH, die seit mehr als zehn Jahren ein Beweidungsprojekt betreibt. Die im Entwurf aufgeführten Bewirtschaftungs-Einschränkungen, so Lorig, „dürfen nicht dazu führen, dass diese Landwirtschaft betreibenden Nutzer in ihrer Existenz gefährdet und in die Aufgabe ihrer Nutzungen getrieben werden“.


Die Bürgerinitiative Saubere Luft für dieWarndtgemeinden e. V. sieht die geplante Unterschutzstellung des Warndts „zweischneidig“. Man begrüße zwar Schutz für den „Naturschatz“ Warndt, erklärte die Vorsitzende Heike Schreiner gestern. Aber die Umweltbelastungen durch das französische Industriebecken Carling/ St. Avold seien ein scharfer Kontrast zu einem Schutzgebiet, „das neben Flora und Fauna auch der menschlichen Gesundheit“ dienen solle. Es sei unabdingbar, ein Monitoring einzurichten, das Luft und industrielle Auswirkungen auf Boden und Wasser kontrolliere.

Gewissenhaftigkeit müsse vor Schnelligkeit gehen, ergänzt der stellvertretende Vorsitzende Adriano Pitillo: Man brauche Zeit für eine breite Debatte der Naturschutzpläne. Es sei erstaunlich, wie schnell der Warndt „einen netten Naturschutz-Anstrich“ verpasst bekommen solle, obwohl er neben einem der größten Chemiekomplexe Europas liege.

© WhatsBroadcast
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