L269 zwischen Riegelsberg und Püttlingen Vollsperrung, Fahrbahnerneuerung, von 17.08.2018 17:00 Uhr bis 19.08.2018 20:00 Uhr (12:25)

Priorität: Normal

24°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
24°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Patricia Kaas stellt ihre Biographie in Dudweiler vor

Nein, halt mal. Wer „la Kaas“ je in einem privaten Umfeld traf, kennt sie als scheue, nicht als kühle Frau. Ihr Bühnen- Charisma entspringt einem ausgeklügelten, zugleich authentischen Spiel zwischen Nähe und Distanz. Kommt jetzt eine Image-Umkehr? Denn die Autobiografie ruft uns zu: Schaut her, ich bin eine ganz und gar offene Person, ich habe tiefe Gefühle. 2011 erschien sie auf Französisch, ab Montag liegt sie in deutschen Buchhandlungen unter dem Titel „Mademoiselle singt den Blues“. Man kann das einen 300-seitigen Seelenstriptease nennen. Sie selbst bezeichnet ihr Buch im „Epilog“ als eine Therapie, um gegen ihre „Unfähigkeit zum Glück“ anzukämpfen. Die Künstlerin hat ihre Familiengeschichte durchgearbeitet.

Die Beziehung zum lebenslustigen Vater mit Clark-Gable-Charme, dem sie ihre Vorliebe für elegante, große, dunkelhaarige, meist ältere Männer verdankt. Die schmerzhafte Liebe zu ihrer Mutter, die sie sehr früh, mit 22, an den Krebs verliert. Maman benannte ihre blondgelockte Kleine nach Grace Kelly, die in deutschen Illustrierten Grazia Patrizia hieß. Maman belud die Tochter zugleich mit all den glamourösen, ehrgeizigen Träumen, die sich damit für eine lothringische Bergarbeiter-Frau mit sieben Kindern verbanden. Tatsächlich ereignete sich für Patricia eine Art Cinderella-Märchen. Es begann mit acht, als sie ihre mächtige Stimme beim Tür-zu- Tür-Fastnacht-Singen in der Habsterdick-Siedlung entdeckte und dafür – so steht es wörtlich im Buch – „Faasekiechle“ bekam. Dorffeste, Kneipentouren und Gesangswettbewerbe folgen, schließlich die siebenjährige Phase als Sängerin der „Dob’s Lady Killers“ in der Saarbrücker „Rumpelkammer“.

„Obwohl ich dünn bin wie ein Hering und sehr jung, singe ich wie eine füllige Frau mit viel Lebenserfahrung.“ Dafür trainiert sie das Tieferlegen der Stimme – das buttert ihren Mezzosopran mit der berühmten verrucht-verrauchten Note.

Wusste man das alles nicht schon? Dass sie sehr um ihre Mutter trauerte, ja. Dass daraus eine Art Vereinsamungs- Grundangst resultierte samt Flucht in Millionen Arme – die des Publikums –, nicht. Zwar ist Patricia, gemäß Mamans Vision, in viele rote Sportwagen zu aufregenden Männern gestiegen. Ein Foto im Buch zeigt sie mit Alain Delon. Auch enthüllt sie, dass sie 2002 beim Dreh in Marokko vor dem Filmkuss mit Jeremy Irons ein Menthol- Bonbon lutschte, weil sie sich vorgenommen hatte, dass es ein echter werden sollte. Es blieb nicht bei einem. Affären sind leichte Übungen für die Kaas, Bindungen nicht, es sei denn zu ihrem Forbacher Clan, für den sie Bus-Transfers zu ihren Pariser Konzerten organisiert. Eine Enttäuschung reiht sich im Buch an die nächste.

Die Kaas singt über „Männer, die vorüberziehen, Maman“. Schwangerschaften bricht sie mehrfach ab. Um mit 40 Jahren zu erfahren, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann. Jawohl, auf Glück hat man keinen Anspruch, selbst wenn man schön, reich und begabt ist.

Manche Binsen-Wahrheit dieser Art lässt sich aus dem Buch destillieren, manche (Familien-) Verklärung und Sentimentalität muss man aushalten. Dennoch spürt man eine besondere Qualität. Das Buch klingt echt und warm – als sei es ein Liebesdienst für die Fans.

Mademoiselle singt den Blues. Mein Leben., 312 S., Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann, 19,90 Euro.

AUF EINEN BLICK

© WhatsBroadcast
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein