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Pflege-Tüv der Krankenkassen unter Beschuss

Von SZ-Redakteur Dietmar Klostermann

Saarbrücken. Die 10 000 Bewohner der etwa 140 Altenpflegeheime im Saarland und ihre Angehörigen werden es wohl mit Schrecken zur Kenntnis nehmen: Der Paritätische Wohlfahrtsverband Saarland/ Rheinland-Pfalz bewertet den so genannten Pflege-Tüv der Medizinischen Dienste der Krankenkassen als „intransparent und nicht zweckmäßig“.

„Die Notengebung in ihrer jetzigen Form ist im Hinblick auf die tatsächliche Pflegequalität keine zuverlässige Entscheidungshilfe für Verbraucher“, sagte der Landesgeschäftsführer des „Paritätischen“, Wolfgang Krause, am Freitag in Saarbrücken. Seit 2009 bewerten die Kontrolleure der Medizinischen Dienste der AOK, der Ersatzkassen und der Knappschaft im Saarland Altenheime und veröffentlichen ihre Ergebnisse im Internet.

So ist die aktuelle Durchschnittsnote der Saar-Seniorenheime laut dieser Kassenberichte derzeit hervorragend: 1,4, also „sehr gut“ ist die Schulnote, die Prüfer vergaben. Der Paritätische Wohlfahrtsverband ist jedoch der Auffassung, dass eine Kontrolle der Kassenkontrolleure dringend angeraten ist und gründete das nach eigenen Angaben bundesweit erste „Kompetenzzentrum Pflegequalität“ in Saarbrücken. Jürgen Hermann, Leiter dieses Zentrums, sagte, man habe 18 Altenheim-Prüfberichte unter die Lupe genommen. „Das Ziel des Gesetzgebers, Transparenz über die Qualität der Einrichtungen zu schaffen, wurde nicht erreicht.

Die Prüfer der Kassen haben viel zu sehr die Dokumentation im Fokus und vernachlässigen die Bewertung der realen Pflege“, sagte Hermann. So erhielten Heime, in denen sich nachweislich kein Bewohner wund gelegen habe, in diesem Feld ein ,,mangelhaft“, weil Einschätzungen und Maßnahmen aus Sicht der Prüfer nicht ausreichend dokumentiert worden seien. Zudem seien die Stichproben der Kontrolleure oft viel zu klein und nur auf eine oder zwei Personen begrenzt.

„Während ein Prüfer den Sachverhalt, dass die Marke der Zahnpasta nicht dokumentiert wurde, als nicht so relevant einstufte und zu einer positiven Bewertung kam, bewertete ein anderer Prüfer dies als relevanten Dokumentationsmangel und schrieb ein mangelhaft darunter“, erklärte Hermann kopfschüttelnd.

Auch SZ-Recherchen in Prüfberichten der Ersatzkassen zeigen die Problematik der Notengebung auf. Da erhielt ein Saarbrücker Heim die Spitzennote 1,2, obwohl die Frage „Wird die erforderliche Körper-, Mund- und Zahnpflege den Bedürfnissen und Gewohnheiten des Bewohners entsprechend durchgeführt?“ nur mit 4,1 benotet wurde. Und die wichtige Frage „Wird das Wohlbefinden von Demenzkranken ermittelt und werden daraus Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet?“ sogar ein „mangelhaft“ bekam.

Axel Mittelbach von den Saar- Ersatzkassen sagte: „Das Prüfverfahren funktioniert gut und ist für die Verbraucher relativ aussagekräftig.“ Er räumte ein, dass die Pflege stärker gewichtet werden müsse. Norbert Guth (AOK Saar) sagte, die AOK habe ein Interesse an einer verbesserten Prüfung. „Die Pflege ist höher zu bewerten als ein guter Essensplan“, so Guth.



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