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Rufmord? Flughafen Zweibrücken prüft Klage gegen Pilotengewerkschaft

Zwei von vier Mängeln, wegen derer die Pilotenvereinigung Cockpit Zweibrücken gestern einen Mängelstern verliehen hat, sind seit März behoben. Deshalb droht der Flughafen jetzt mit juristischen Schritten.

Zweibrücken. Aus allen Wolken fiel gestern der Zweibrücker Flughafen-Geschäftsführer Werner Boßlet, als er von der Cockpit-Pressekonferenz in Frankfurt hörte. Die Pilotenvereinigung hatte dort ihre "Flughafen-Mängelliste 2010" vorgestellt, die auch im Internet steht. Dass Zweibrücken zu den sieben von 30 Flugplätzen gehört, die (aus Sicht Boßlets ungerechtfertigterweise) erneut einen Mängelstern bekommen, war zwar schon durchgesickert. Besonders entsetzt hat Boßlet aber, dass die Gewerkschaft Zweibrücken vier Mängel vorgeworfen hat, von denen zwei bekannterweise schon längst behoben seien. "Das ist rufschädigend und unseriös", findet Boßlet und kündigt an: "Wenn das wirklich so vorgestellt wurde, werden wir rechtlich gegen Cockpit vorgehen." Am 6. April habe die Gewerkschaft dem Airport ihre Kritikpunkte vorgelegt, berichtet Boßlet. "Wir haben unverzüglich geantwortet. Einer von fünf ,Mängeln' ist dann sogar rausgenommen worden, obwohl Cockpit behauptet hat, den Brief nicht erhalten zu haben." Vorige Woche sei Cockpit dann erneut informiert worden, dass "Runway Guard Lights" (Warnlichter an allen Einmündungen der Startbahn) seit 23. März in Betrieb seien. Auch die automatische Wetteransage ("Atis") sei seit 31. März in Betrieb, wundert sich Boßlet, dass Cockpit sich nicht spätestens gestern bei der Pressekonferenz korrigiert hat: "Jeder kann zu uns kommen und sich davon überzeugen, dass das alles da ist. Jeder Pilot sieht das sowieso!"

An sich sei es eine gute Sache, wenn eine Pilotengewerkschaft sich um die Sicherheit kümmere, betont Boßlet. Doch er vermute, dass Cockpit aus politischen Gründen gezielt Stimmung gegen kleine Flughäfen wie Zweibrücken mache. Und Boßlet weist darauf hin, dass Cockpit selbst die Sicherheitszonen an den Enden der Startbahn Zweibrücken ("Resa") zum Schwerpunkt des diesjährigen Berichts mache - und Saarbrücken sowie einigen anderen Flughäfen keinen Mängelstern verleihe, obwohl die Resa dort, ganz im Gegensatz zu Zweibrücken, fehle. Cockpit-Sprecher Jan Krawetz begründete dies gestern auf Merkur-Anfrage so: "Die Resa ist nicht der einzige Punkt der Mängelliste." Boßlet unterstreicht, es gehe ihm nicht um Kritik an Saarbrücken: "Aber es kann nicht sein, dass bei einem Flughafen ein offensichtlicher Mangel nicht zu einem Mängelstern führt und der Nachbarflughafen einen verpasst bekommt, obwohl die Mängel dort behoben sind!" Korrekt dargestellt habe Cockpit lediglich, dass Zweibrücken in einer Richtung keinen Taxiway (Parallelzufahrt zur Startbahn) habe - welche Boßlet bei dem derzeitigen Flugbetrieb aber nicht für erforderlich hält. Vierter Punkt auf der Cockpit-Mängelliste ist die "verkürzte Anflugbefeuerung". Auch daüber ärgert sich Boßlet: "Das ist von der Luftfahrtbehörde so genehmigt und folglich kein sicherheitsrelevanter Faktor." Cockpit stellt allerdings häufig Anforderungen, die über gesetzliche Vorschriften hinausgehen.

Warum hat Cockpit die behobenen Mängel gestern trotzdem noch gerügt? Sprecher Krawetz: "Ich kann nicht sagen, was in Zweibrücken heute installiert ist. Das ist eine jährliche Mängelliste, da ist irgendwann Redaktionsschluss. Wenn das behoben ist, ist das nächstes Jahr natürlich nicht mehr dabei."


Meinung: Verantwortungslos


Piloten genießen wegen ihres ausgeprägten Verantwortungsbewusstseins einen - zu Recht - ausgezeichneten Ruf. Doch mit ihrer neuen Mängelliste schadet die Pilotenvereinigung Cockpit nicht nur dem Ruf des Zweibrücker Flughafens, sondern auch dem eigenen. Denn seit fast drei Monaten sind für jeden Piloten sichtbar zwei Mängel behoben, die die Gewerkschaft noch gestern gerügt hat. Es zeugt nicht gerade von Verantwortungsbewusstsein für die Folgen des eigenen Tuns, wenn Cockpit wider besseren Wissens einen Flughafen deutschlandweit an den Pranger stellt und salopp auf den "Redaktionschluss" verweist. Die Rechtslage ist in Deutschland so, dass man selbst dann Probleme bekommen kann, wenn man über ein Unternehmen korrekt, aber rufschädigend berichtet. Völlig inakzetabel ist, mit Unwahrheiten über ein sensibles Thema wie die Sicherheit massiv geschäftsschädigend zu wirken. Bei einer Klage auf Schadenersatz hätte der Flughafen gute Karten.

© WhatsBroadcast
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