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SR-Intendant verteidigt Trennung von Tatort-Duo

Saarbrücken. Das Museumspavillon-Desaster derzeit in der öffentlichen Debatte nach hinten zu drängen – da gehört schon was dazu. Der Saarländische Rundfunk (SR) hat's geschafft. Indem man die Trennung vom „Tatort“-Duo Kappl/Deininger bekannt gab. Prompt erntete der Sender bundesweit negative Schlagzeilen en gros. Bei Twitter und facebook häufen sich Solidaritätsadressen für die beiden Schauspieler Gregor Weber (Deininger) und Maximilian Brückner (Kappl). Wohl auch, weil der Sender über die Trennung kaum Worte machen wollte. Es sei alles gesagt, so SR-Sprecher Peter Meyer.

Gesagt war dann offenbar doch noch nicht alles. SR-Intendant Thomas Kleist jedenfalls entschloss sich gestern Nachmittag zur Offensive. Vor allem, um sich schützend vor SR-Fernsehspielredakteur Christian Bauer zu stellen, der in der „Süddeutschen“ scharf attackiert wurde. Als Pfarrer sei der, so das Blatt, zunächst mal „nicht erkenntlich qualifiziert“, um über fiktionale Inhalte zu entscheiden. Merkwürdig nur, dass just die unter Bauers Ägide entstandenen „Tatorte“ wie zuletzt „Heimatfront“ auch bei den überregionalen Blättern die besten Kritiken bekamen.



Der SR verweist denn nun mit Nachdruck auf Bauers bereits jahrelanges Engagement beim Ophüls-Preis. Auch sei es keineswegs stillos, wie es nun zur Scheidung vom „Tatort“-Doppel gekommen sei. „Es gab den redlichen Versuch, mit den beiden Hauptdarstellern dies zu bereden“, sagte Intendant Kleist.  Der angedachte Vis-à-vis-Termin mit beiden in München kam aber nicht zustande, so dass Redakteur Bauer die beiden Schauspieler schließlich telefonisch kontaktiert habe. Zudem wollte man eine gemeinsame Erklärung, die sowohl Brückner und Weber als auch der SR hätten mittragen können. Aber auch die sei nicht zustande gekommen. Im Übrigen, so die SR-Spitze, sei dies kein Rauswurf. Man habe lediglich die beiden Verträge nicht verlängert. Für Kleist letztlich ein „normales Geschäft“, weil sich der SR dazu entschieden habe, für seinen „Tatort“ ein neues Konzept zu wählen. Quasi künstlerische Freiheit.

Zu allem anderen aber schweigt man weiter. Ob mit den beiden Hauptakteuren nun auch die übrige Besetzung, also Alice Hoffmann und Hartmut Volle, gehen müssen, ob der bereits heiß gehandelte Devid Striesow bald an der Saar ermittelt, oder die ARD eine weitere Kommissarin bekommt? Alles unbeantwortete Fragen. Bewegung deutet sich allenfalls bei dem Zeitpunkt an, da der Sender sein neues „Tatort“-Konzept vorstellen will. So könnte es sein, dass man bereits vor der Ausstrahlung des siebten und letzten „Tatorts“ mit Kappl/Deininger am 22. Januar die Neuigkeiten rauslässt.

Dass sich nun gestern der Intendant selbst zu Wort meldete, ist wohl vor allem der Versuch, die Wogen zu glätten. Zumal die lapidare Erklärung die Geschichte des Duos „sei auserzählt“ eher dürftig ist. Ungewöhnlich zudem, dass man den beiden Kommissaren keine Abschiedsfolge auf dem Bildschirm gönnt – wie sonst guter Brauch.  So kann man über die Gründe neben den bereits zu Tage getretenen Differenzen zwischen den beiden Schauspielern und SR-Redakteur Bauer bloß spekulieren.



Schaut man sich die SR-„Tatorte“ freilich genauer an, fällt auf, dass just das Schüler-Drama „Hilflos“ (2010) und „Heimatfront“ (2011), die beide unter Bauers Redaktion entstanden, zu den stärksten Produktionen des Senders zählen. Nicht unbedingt, weil die Auftritte der Kommissare so überzeugten, sondern weil es aktuelle und filmisch gekonnt umgesetzte Stoffe waren. Und da Bauer offenbar mehr solche Geschichten erzählen will, braucht er wohl die dazu passenden Protagonisten.

Zudem dürfte es auch dem SR nicht entgangen sein, dass sich viele hier zu Lande mittlerweile an der grundsätzlichen Aufgabenverteilung der beiden TV-Ermittler des Halbergs stoßen: Der kluge Bayer Kappl denkt und lenkt die Ermittlungen, „un de Stefan“ läuft hinterher. Jetzt, da nicht nur in der Landespolitik ständig die Eigenständigkeit des Saarlandes beschworen wird, wünscht man sich wohl hier auch einen eigenständigen Kommissar.

© WhatsBroadcast
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