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Saar-Grüne fürchten eingeschränkten Unterricht

Die Nachfrage nach Ethikunterricht im Saarland steigt. Insbesondere im städtischen Bereich meldet sich nach Angaben des Bildungsministeriums eine wachsende Schülerzahl vom Religionsunterricht ab. Daher können seit diesem Schuljahr Schulen bereits ab Klasse 5 statt bislang ab Klasse 9 Ethik als Alternative zum konfessionellen Religionsunterricht anbieten. Ob sie Ethik einführen, bleibe den Schulen überlassen, denn die Nachfrage sei vor Ort unterschiedlich stark.

Die Grünen kritisieren die neue Regelung als „Billiglösung“, da die Schulen für den Ethikunterricht kein zusätzliches Stundenbudget erhalten. „Schulen, die das Fach Ethik einführen möchten, müssen dafür also möglicherweise andere wichtige Förder- und Unterrichtsangebote einschränken“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Klaus Kessler , „außerdem ist zu befürchten, dass manche Schulen aufgrund knapper Personalausstattung den Ethikunterricht erst gar nicht anbieten können.“

Seine Fraktion will daher von der Landesregierung wissen, wie die Ausweitung des Ethikunterrichts umgesetzt wird. Sie will wissen, wie viele weiterführende Schulen den Ethikunterricht als verbindlichen Ersatz für den Religionsunterricht eingeführt haben und wie viele Schüler daran teilnehmen. Auch soll die Landesregierung Auskunft geben, ob für die Einführung des Fachs Ethik andere schulische Angebote reduziert oder gestrichen wurden und wie hoch der Anteil der Schüler in den Klassen 5 bis 8 ist, die vom Religionsunterricht befreit sind.

Die Bildungsgewerkschaften begrüßen die Ausweitung des Ethikunterrichts ab Klasse 5. Exakte Zahlen liegen ihnen nicht vor, aber der Eindruck ist klar: Die Nachfrage nach Ethik steigt. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Peter Balnis, bekommt von verschiedenen Schulen unterschiedliche Rückmeldungen. „Die Angabe ist jetzt nicht repräsentativ, aber im Großen und Ganzen sind die Schulen zufrieden“, so sein Eindruck. Von keinem habe er gehört, dass andere Angebote gestrichen wurden, um Ethik zu ermöglichen.

Dass die Ethikstunden aus dem normalen Stundenbudget genommen werden müssen, ist für den Vorsitzenden des Saarländischen Philologenverbands (SPhV), Marcus Hahn, „ein echtes Ärgernis“. „Es kann dazu führen, dass ein anderes Angebot ausfällt.“ Doch mussten Schüler, die nicht an Religion teilnehmen, auch zuvor beaufsichtigt werden.

Wie der SPhV fordert auch der Verband Deutscher Realschullehrer im Saarland (VDR), den Schulen hierfür mehr Stunden zur Verfügung zu stellen. „Es lässt sich nicht 1:1 aufrechnen, etwa derart, dass für eine Ethikklasse eine AG wegfällt“, sagt die VDR-Vorsitzende Inge Röckelein. AGs seien immer auch abhängig von Lehrern, die ein solches Angebot machen. Sie begrüßt den frühen Weltanschauungsunterricht: „Es war nicht immer möglich, den Religionsunterricht in die Randstunden zu legen“, sagt sie. Daher hätten Kinder, die nicht evangelisch oder katholisch sind oder einem anderen Glauben angehören, in anderen Klassen mitbetreut werden müssen.

Nach einem halben Jahr befänden sich die Schulen noch immer in der Anfangsphase, wie gut die Einführung funktioniere, sei stark unterschiedlich, sagt Hahn. Schwierig sei es an großen Gymnasien mit etwa fünf Parallelklassen. Um etwa einen Ethikkurs pro Jahrgang bilden zu können, sei es notwendig, den Religions- und Ethikunterricht zur gleichen Zeit stattfinden zu lassen. „Dafür brauche ich dann aber auch vier Religionslehrer und einen Ethiklehrer gleichzeitig“, sagt Hahn. Dies personell und stundenplantechnisch zu organisieren, sei ein Grund, weswegen es an manchen Gymnasien kein Ethik gebe. Der Unterricht müsse zudem inhaltlich gestaltet werden. Derzeit würden die Lehrpläne erarbeitet, vorläufig hätten die Lehrer eine Themenliste als Vorstufe des Lehrplans erhalten. Auch müssten Lehrer dafür ausgebildet werden, derzeit unterrichteten Philosophie- und Religionslehrer Ethik. Auch im Lehramtsstudium müsse Ethik verankert werden.

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