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Saar-Piraten: Keine Fahrscheine im Nahverkehr, stattdessen Zwangsabgabe

Für die Saarbahn einen Fahrschein zu lösen soll künftig nicht mehr nötig sein, fordern die Piraten im Landtag.

Für die Saarbahn einen Fahrschein zu lösen soll künftig nicht mehr nötig sein, fordern die Piraten im Landtag.

Eines muss Michael Neyses, der Verkehrsexperte der Piraten im saarländischen Landtag, seinen Zuhörern immer wieder erklären: dass „fahrscheinlos“ nicht dasselbe ist wie „kostenlos“. Genau um diesen Unterschied geht es bei den Piraten-Plänen für eine grundlegende Neuordnung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Saarland. Der Kernpunkt des Konzeptes: Die Saarländer sollen Busse und Bahnen künftig ohne Ticket nutzen können. Dafür sollen alle Bürger ab 16 Jahre – also auch jene, die nie Bus oder Bahn fahren – eine monatliche Zwangsabgabe von 19,20 Euro leisten müssen. Diese Summe entspreche den im Hartz-IV-Regelsatz vorgesehenen Ausgaben für den öffentlichen Nahverkehr. An diesem Wochenende will Neyses das Konzept bei einer „Verkehrswende“-Konferenz seiner Partei in Düsseldorf vorstellen.

„Ein fahrscheinloser ÖPNV unterscheidet sich weniger vom aktuellen Modell, als man zunächst annehmen könnte“, heißt es in einem Papier der Saar-Piraten. Schon jetzt werde der ÖPNV stark subventioniert. Nach Ansicht der Piraten würde die Umsetzung ihres Konzeptes vor allem Schüler, Auszubildende, Studenten und Berufspendler finanziell entlasten. Zudem würde ein attraktiverer ÖPNV zu weniger Autoverkehr in den Innenstädten führen. Schließlich würde die Umwelt profitieren. Die Piraten verweisen auf die internationale Kampagne „Free Public Transport“, die im Internet über 50 Städten auflistet, in denen man bereits heute ohne Fahrschein Bus und/oder Bahn fahren kann – darunter Sydney, Melbourne, Seattle, Portland, Baltimore oder Calgary. Ob das auch im Saarland möglich ist, soll nach dem Willen der Piraten zunächst in einer Region getestet werden.

Bisher stehen für den ÖPNV im Saarland nach Neyses' Berechnungen 190 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung, nämlich staatliche Subventionen von 120 Millionen Euro und die Netto-Einnahmen aus Fahrscheinverkäufen von 70 Millionen Euro. Die Piraten machen nun folgende Rechnung auf: Wenn künftig geschätzte 850 000 Saarländer über 16 Jahre jeweils 19,20 Euro im Monat zahlen müssten, ergäbe dies pro Jahr 196 Millionen Euro. Die bisherigen staatlichen Zuschüsse von 120 Millionen Euro sollen erhalten bleiben. Insgesamt stünden für den ÖPNV dann also jährlich 316 Millionen Euro zur Verfügung – gegenüber den heutigen 190 Millionen Euro aus Subventionen und Ticketverkäufen wäre das ein Plus von 66 Prozent.

„Ein fahrscheinloser ÖPNV ist nur möglich, wenn zugleich der ÖPNV stark ausgebaut wird“, sagt Neyses. Die Taktung der Fahrten müsse in diesem Fall erhöht, bisher vernachlässigte oder eingesparte Linien wiedereröffnet und Nacht- und Wochenendnetze ausgebaut werden. „Wenn jetzt die Autofahrer aufschreien und sagen, sie nutzen den ÖPNV ja gar nicht und sollen jetzt trotzdem dafür zahlen, kann diesen entgegen gehalten werden, dass sie bereits heute den ÖPNV im Saarland mitfinanzieren“, erklärt Neyses mit Verweis auf die Millionen-Subventionen aus Steuergeldern. Außerdem profitierten Autofahrer doch mehrfach: durch „weniger toxische Abgase, weniger Treibhausgase durch Reduktion des Automobilverkehrs, weniger Lärmbelästigung, weniger Stau und weniger Parkplatznot“.



Meinung

Ein Plan mit Charme

Von SZ-RedakteurDietmar Klostermann

Dieser Piraten-Vorstoß für ein Push-up des Öffentlichen Nahverkehrs geht alle an. Das Saarland hat den zweifelhaften Ruf, „Autofahrerland“ zu sein, weil hier die meisten Autos je Einwohner bundesweit gezählt werden. Das liegt nicht daran, dass die Saarländer besonders gern in Staus stehen und Parkplätze suchen – es ist alternativlos. Die Chance, mit Bussen und Bahnen angenehm, fix und zuverlässig von A nach B zu kommen, ist nur rudimentär vorhanden. Zu viele Pendler, Studenten und Freizeitaktive haben Frusterlebnisse, wenn sie das Auto stehen lassen. Deshalb hat die Piraten-Idee Charme: Wenn mehr Regionalbahnen fahren und viel mehr Busse in die Dörfer, die Bahnhöfe modernisiert werden, wird das Vorankommen ohne Auto auch für Saarländer zur Normalität – wie überall in der modernen Welt.

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