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SaarVV: Ist Tarifsystem ungerecht?

Teil des SaarVV: Die Saarbahn.

Teil des SaarVV: Die Saarbahn.

Der Saarländische Verkehrsverbund (Saar-VV) fällt vor allem durch eines auf: die jährliche saftige Preiserhöhung für die Fahrten mit Bus und Bahn. Um 44 bis 57 Prozent sind die Fahrkarten fürs Jahresabo von Erwachsenen je nach Preisstufe seit Einführung des Saar-VV im Jahr 2005 bis heute teurer geworden. „Die meisten Saarländer stimmen mit den Füßen ab, sie nehmen das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs nicht an, weil es in keinem akzeptablen Preis-Leistungs- Verhältnis steht“, kritisiert Andrea Schrickel, die Landesvorsitzende des Verkehrsclub Deutschland (VCD), einer Organsiation, die sich für einen besseren Nahverkehr stark macht.. Ein krasser Missstand sei das Wabensystem, an dem sich entscheidet, wie viel eine Fahrt kostet. Über das ganze Land ist ein Flächenraster gelegt, und pro Wabe ist ein bestimmter Preis fällig. „Die Preise sind nicht transparent, weil die Waben unterschiedlich groß sind“, sagt Schrickel.

So hat die Wabe Numborn gerade mal vier Quadratkilometer Fläche, die Großwabe Saarbrücken, die im Tarifsystem als zwei Waben zählt, 167 Quadratkilometer. Wie sich diese Ungleichheiten auswirken, zeigt ein Beispiel: Wer von Heusweiler ins etwa 13 Kilometer entfernte Völklingen möchte, fährt durch fünf Waben und zahlt als Erwachsener für eine einfache Fahrt 5,10 Euro. Von Lauterbach nach Völklingen, was etwa genauso weit ist, ist nur der Tarif für die Doppelwabe Völklingen fällig, also 2,90 Euro. Besonders ärgerlich aus Sicht des VCD: „Kurze Strecken können sehr teuer sein, wenn sie über Wabengrenzen führen“, sagt Schrickel. Seit Jahren prangern der VCD – und nicht nur er – die aus seiner ungerechte und im Vergleich auch zu anderen Verkehrsverbünden extrem kleinteilige Wabenstruktur an. Bislang blieb die Kritik ohne Wirkung. Auch tut der Saar-VV aus Sicht des VCD viel zu wenig, um Kunden mit attraktiven Angeboten zu locken.

Karl Heinz Janson, Vorstandsmitglied des VCD Saar, kommt sogar zu dem Urteil: Der Saar-VV „hat es aufgegeben, neue Kunden zu gewinnen“. Eine typische Aussage der Verantwortlichen des Verkehrsverbunds sei: „Wir sind eigentlich nur für Zwangskunden da, die eh mit dem ÖPNV (Öffentlichen Personennachverkehr) fahren müssen“ – also für Schüler, Pendler und Studenten. Es „fehlt aber auch der Anreiz, Fahrgäste zu gewinnen“, sagt Janson. Der Grund dafür liegt aus Sicht der VCD-Vorsitzenden Schrickel auf der Hand: „Wenn der Saar-VV mehr Geld braucht, kann er einfach die Preise erhöhen.“ Um mehr Fahrgäste für den Saar-VV zu gewinnen, hat der VCD einige Vorschläge: zum Beispiel die Einführung von Kurzstreckentickets, die auch über Wabengrenzen hinweg gelten, Seniorentickets, die für einzelne Landeskreise gelten und nicht gleich fürs ganze Land, eine besssere Abstimmung der Fahrpläne von Bus- und Bahnlinien, oder günstige Einkaufstickets, die außerhalb der Hauptverkehrszeiten gelten.

Eine Wende zum Besseren hält der Verkehrsclub nur für möglich, wenn der Saar-VV völlig umgekrempelt und ein transparentes Preissystem eingeführt wird. Kern des Saar-VV ist bisher ein Verbund aus ursprünglich neun Verkehrsunternehmen, darunter die Saar- Pfalz-Bus und die Saarbahn. Dieser Unternehmensverbund solle in einen Verbund der Aufgabenträger überführt werden, so Schrickel. Die Aufgabenträger sind unter anderem das Land, die Landkreise, die Städte Saarbrücken, Neunkirchen und Völklingen, die Nahverkehr anbieten wollen. Solch ein Zweckverband sollte alle Zuständigkeiten in sich vereinen, die Vergabe aller Fördermittel steuern und zentral die Planung und das Mangement übernehmen. Das Ziel: ein Angebot von Bus- und Bahnverkehr aus einem Guss. Übrigens ist der Umbau des Saar-VV zu einem Aufgabenträgerverbund auch im Koalitionsvertrag von CDU und SPD festgeschrieben. Von einer Reforminitiative ist bisher aber kaum etwas zu bemerken.


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