A8 Saarlouis Richtung Luxemburg Einfahrt Dillingen-Mitte Gefahr durch Gegenstände auf der Fahrbahn (13.12.2018, 10:55)

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Saarbahn in der Kritik

Saarbahn

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Saarbrücken. Morgens, kurz nach sieben Uhr am Landwehrplatz. Dick eingepackt stehe ich an der Saarbahn-Haltestelle und zähle Minuten und Waggons. Die Saarbahnen fahren ein, heraus quellen die Schülermassen. Bahn um Bahn, einsteigen, aussteigen. Alles ist in Bewegung, nur ich nicht. Ich zähle. Ein wenig fühle ich mich wie Graf Zahl aus der Sesamstraße. Eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten, vier Minuten… Bahn rollt ein – Blick auf die Uhr – Waggons zählen. Letzteres ist nicht schwer, sind ja meist nur zwei. „Meist“ ist jedoch genau das Problem.

Die Saarbahn hat mir versichert, sie komme fast immer pünktlich und im Berufsverkehr extra mit zwei Waggons, damit genug Platz für alle sei. Allerdings: Regelmäßige Saarbahnfahrer erzählen mir genau das Gegenteil. Fast immer heißt bei der Saarbahn: 97,7 Prozent. Das habe eine externe Prüfung ergeben (wir berichteten). Nach Messungen der Fahrgastströme und der Verfügbarkeit der Fahrzeuge setze man in den morgendlichen Spitzenzeiten sieben Doppeltraktionen ein. So gebe es lediglich Verspätungen an „einzelnen Tagen“, an denen „mehrere Störelemente zusammenkommen und die Pünktlichkeit während eines bestimmten Zeitfensters beeinträchtigen“.

Das sorgt bei Saarbahnkunden wie Sabine Billotet für Empörung. Die Mutter aus Riegelsberg hat eine Tochter, die täglich mit der Saarbahn nach Saarbrücken in die Schule fährt. Sie sagte am Mittwoch: „Die Saarbahn hat seit den Herbstferien ein massives Problem mit Verspätungen, und die gehen nicht weg. Erst heute fuhr meine Tochter um 7.06 Uhr von der Haltestelle Gisorsstraße ab und kam erst mit 15-minütigem Verzug am Ziel an und damit wieder zu spät zur Schule. Der Schienenersatz hat nicht funktioniert. Es gibt eine einzige Straßenbahnlinie, und man kriegt es nicht in den Griff.“
Sabine Billotet weiß, dass es immer wieder Verspätungen geben kann, doch solle die Saarbahn aufhören, „ihre Kunden mit Ausreden zu vertrösten. Sie soll glaubhaft vermitteln, dass man bemüht ist, Abhilfe zu schaffen. Stattdessen verweisen sie auf den Straßenverkehr oder die Bahn. Schuld sind immer die anderen“.

Ins gleiche Horn bläst Eve Niemczyk aus Heusweiler. Sie habe während der Stoßzeiten schon häufiger nicht in eine überfüllte Saarbahn einsteigen können. Mit dem Ergebnis, dass sie zu spät zur Arbeit gekommen sei. Ihr Fazit: „Es macht keinen Spaß, mit der Saarbahn zu fahren. Auf Beschwerden wird stets gekontert, dass alles in Ordnung sei.“
Mein Saarbahntest dauerte von kurz nach sieben bis acht Uhr. Die rein zufällige Stichprobe ergab: Von fünfzehn Zügen aus beiden Richtungen waren ganze drei pünktlich. Die Verspätungen waren nicht groß. Sie lagen zwischen einer und fünf Minuten. Teil zwei des Tests: Wie viele Waggons haben die Bahnen? Ergebnis: Bei einem Drittel der Bahnen war kein zweiter Zug angekoppelt. Einen weiteren Test habe ich dann am Mittag gemacht und bin von Sarreguemines in die Stadt gefahren. Ohne ersichtlichen Grund hat die Bahn in der Stadt vier Minuten Verspätung.

Die Saarbahn sagt angesichts meiner Tests, ein Unfall mit einem Radfahrer am Heinrichshaus könne die Verspätungen am frühen Morgen verursacht haben. Danach brauche es bis zu zwei Stunden, bis sich alles wieder harmonisiere. Das Problem sei vielschichtig, sagt Saarbahn-Sprecherin Sarah Schmitt. Die Saarbahn bewege sich mit ihren Zügen direkt im Straßenverkehr. Dort komme es regelmäßig zu Behinderungen. Auch seien die Züge auf ihrer Fahrt auf Abschnitten unterwegs, die in der Verantwortung der Deutschen Bahn sind. Man habe in beiden Fällen also keinen Einfluss, wenn es dort zu Störungen komme.

Dann aber rückt die Saarbahnsprecherin von der „Schuld sind die Anderen-Floskel“ ab: Als städtisches Unternehmen müsse man den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) für die Region organisieren. Doch ÖPNV sei immer ein Verlustgeschäft, das der Saarbahn jährlich einen Fehlbetrag von zirka 15 bis 16 Millionen Euro einbringe, die der VVS-Konzern mit Gewinnen aus anderen Sparten ausgleichen müsse. Der Kostendruck mache ein mehr an Zügen, Personal und höhere Taktungen einfach nicht möglich. Bei 28 Zügen insgesamt könne einfach nicht jeder Zug in den Stoßzeiten eine Doppeltraktion sein.

Meinung
Niemand will sich für dumm verkaufen lassen
Von SZ-Redakteur Fabian Bosse


Ob mit dem Bus, der Saarbahn oder dem eigenen Auto: Berufsverkehr bedeutet oft, dass man länger unterwegs ist, als zu anderen Tageszeiten. Das weiß man und stellt sich darauf ein. Niemand regt sich wegen zwei, drei Minuten Verspätung auf. Nur: Wer täglich die Verspätungen erlebt, aber zu hören bekommt, so etwas gebe es nur vereinzelt, der fühlt sich – zu Recht – verschaukelt. Ein ehrliches Wort, dass man mit Fehlern zu kämpfen hat und sich bemüht, diese zu beheben, heißt, seinen Kunden auf Augenhöhe zu begegnen. Keiner, der eine teure Fahrkarte kauft, löst damit den Freischein, sich für dumm verkaufen zu lassen.

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