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Saarbrückens wichtigste Einkaufsstraße wird 150 Jahre

„Die Bahnhofstraße Saarbrücken ist eine Fußgängerzone in Saarbrücken “, heißt es in der Internet-Bibliothek Wikipedia im ersten Satz eines schmächtigen Beitrages. Das ist nicht falsch, sagt aber nichts über die Bedeutung und Faszination dieser bekanntesten saarländischen Einkaufs- und Flaniermeile aus. Generationen von Arbeitern und Angestellten, die täglich mit den Zügen zur Arbeit kamen, gelangten über den Zubringer Bahnhofstraße zu ihren Arbeitsplätzen. Deshalb war es für den Handel und die Gastronomie immer hochinteressant, sich an diesem stark frequentierten Ort anzusiedeln. Wobei der Begriff „Meile“ gut passt, denn die Bahnhofstraße ist von Hausnummer 1 – ein Schuhgeschäft von Max Schoenberg quasi am St. Johanner Markt – bis an den Bahnhofsvorplatz fast eine englische Meile (1,6 Kilometer) lang.

Die Bahnhofstraße feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen, und um ihre Rolle für Saarbrücken und das Saarland angemessen zu würdigen, bringt das Archiv der Landeshauptstadt ein Buch heraus. Es heißt „Schaufenster des Lebens“ und wird von einer Ausstellung im Rathaus begleitet. „Alle Bereiche des Lebens spiegeln sich in der Vielfalt dieser Straße, mit der wirklich jeder Saarländer eine Erinnerung verbindet“, beschreibt Hans-Christian Herrmann die Wahl des Titels. Der Leiter des Archivs ist auch der Hauptautor des Werkes, das mit etwa 400 Seiten und ebenso vielen Fotos aufwartet. Noch ist es nicht ganz fertig, der Veröffentlichungstermin 12. November ist aber fix.

Viele Menschen haben von der älteren Bahnhofstraße eine höhere Meinung als von ihrer jüngeren Geschichte, früher sei sie schöner, eleganter und „besser“ gewesen. Der promovierte Historiker Herrmann hat Verständnis für diese Sicht, die vor allem bei denen vorherrscht, die bewusst die pulsierenden Nachkriegsjahre mit dem plötzlich überquellenden Warenangebot im Sinn haben.

Gern ausgeblendet werde allerdings, dass die Bahnhofstraße damals so laut und hektisch gewesen sei, wie man es heute nicht mehr akzeptieren würde. Und neben dem Glanz der Tanzlokale, Cafés und eines Hotel Excelsior habe der Passant auch auf Baracken, halbfertige Fassaden und Baustellen geguckt.

Wer über mutmaßliche „Billigkaufhäuser“ von heute die Nase rümpft, der wird bei Herrmann lesen können, dass bereits in den 1920-er Jahren nach dem Ersten Weltkrieg in den ersten Etagen der Häuser Textilgeschäfte Mode anboten, die sich die „kleinen Leute“ leisten konnten – die Bahnhofstraße sei nie ein elitärer, sondern immer ein Ort für alle gewesen, erinnert der Historiker .
 
© WhatsBroadcast
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