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Saarbrücker Rathäuser seit Samstag in den Händen der Fastnachter

Der Rathaussturm in Saarbrücken am Samstag war bei herrlichem Sonnenschein ein Publikumsmagnet in der Innenstadt. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz musste den Schlüssel abgeben, danach wurde im Rathaushof gefeiert. Achim Schmidt von der Grünen Nelke führte den Sturm an. Fotos: Becker&Bredel

Der Rathaussturm in Saarbrücken am Samstag war bei herrlichem Sonnenschein ein Publikumsmagnet in der Innenstadt. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz musste den Schlüssel abgeben, danach wurde im Rathaushof gefeiert. Achim Schmidt von der Grünen Nelke führte den Sturm an. Fotos: Becker&Bredel

Die Saarbrücker Narrenrunde hat Oberbürgermeisterin Charlotte Britz beurlaubt – jedenfalls über die laufenden tollen Tage. Achim Schmidt, Sitzungspräsident des Dudweiler Karnevalsvereins Grüne Nelke und wegen des Nelken-Jubiläums sechsmal elf Jahre Anführer der Narrenrunde, hat der Verwaltungschefin nach kurzem Rededuell und einigen Schunkelrunden den symbolischen hölzernen Schlüssel entrissen.

Nicht aber ohne Gegenwehr. „Ihr Faasebooze habt ja diesen Fimmel, ich kann's nicht glauben – lieber Himmel. Ihr wollt an Faasenacht an die Macht? Ich hab' selten so gelacht. Ich grüße euch alle herzlichst hier vorm Haus, doch fordert nicht meine Rathauswache raus“, sagte Britz. Und ihre Schergen machten gleich lautstark auf sich aufmerksam – mit einem krachenden Schuss aus der Konfetti-Kanone. Doch der Widersacher blieb unbeeindruckt: „Mei lieb' Charlotte, das ist ja voll de Kalte, das ist wie das Rufen im dunklen Walde. Ich will es im Vertrauen erwähnen: Deine Wachen? Die sind ja wohl zum Gähnen.“
 

Witzige Rededuelle

Auch abseits des vereinbarten Rededuells fielen beide durch Schlagfertigkeit auf. „Das Alleh-Hopp ist wohl alles, was ihr kinne?“, stichelte Britz, als einmal mehr der Ruf der Saarbrücker Karnevalisten ertönte. „Ha, selbstverständlich könne mir mehr“, war die Antwort. Und danach beendete Schmidt seine „Alleh-Hopp“-Serien mit dem Zusatz: „Danke“. Und seine Narrenschar antwortete: „Bitte.“ Als Verliererin muss sich die Oberbürgermeisterin keinesfalls fühlen. Erstens kündigte sie schon mit ihrer Einladung zum Feiern ihre Rückkehr ins Amt an: „Feiert mit uns, das wär fein, drum kommt in unser Festzelt rein. Und an Aschermittwoch bin ich wieder im Rathaus drin, Eure Oberbürgermeisterin.“
 

Turbulenter Tag

Im Rathaus hielten sich die Eroberer auch nur ganz kurz auf. Die Treppe nach oben war versperrt, es blieb nur der Weg an der Bürgerinfo vorbei in den Außenbereich auf den Gustav-Regler-Platz ins Festzelt. Für etwa drei Stunden genossen die Beteiligten den Sieg der Narretei bei bestem Sonnenwetter - dann löste sich alles rasch auf. Kein Wunder, schließlich hatten etliche Vereine am turbulenten Samstag noch was vor.

Keine Chance hatten auch die Verteidiger der Saarbrücker Rathäuser im Westen. Robert Docktor wehrte sich als Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVA) nach Kräften gegen die mit Garden und Schunkelfreudigen anrückenden Kesselflicker um ihren Anführer und Vorsitzenden Uli Schacht, unterlag aber im Rededuell. Angeführt von der Brass-Band-Ludweiler zogen die Klarenthaler Quassler zum alten Rathaus.
 

Keine Chance

Wenig später sahen die Beobachter des Klarenthaler Rathaussturms, wie Bezirksbürgermeister Dr. Claus Theres mit langem Gesicht und in Ketten abgeführt wurde. Zunächst in die Sporthalle, wo ihn dieses Mal nicht der Kerker, sondern das Quassler-Dschungelcamp erwartete. Die Jecken begnadigten ihn aber alsbald, damit er ausgelassen mitfeiern konnte. Heute stehen die Rosenmontagsumzüge in Burbach und Ensheim auf dem Saarbrücker Karnevalskalender.
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