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Saarländerin bekommt 5000 Euro Schmerzensgeld von Peiniger

Es war einer dieser Strafprozesse, die keiner vergisst, der dabei gewesen ist. Mehr als zwei Stunden lang berichtete eine Frau Mitte Dreißig vor dem Landgericht von ihren Erlebnissen mit dem neuen, scheinbar netten Mann in ihrem Leben. Aber der 24-Jährige aus dem Saarland, den sie über das Internet kennen gelernt hatte, war nicht nett. Er wollte, dass die Frau immer für ihn da ist. Wenn sie nicht mitmachte, wurde er brutal. Das hat der Mann vor Gericht auch gestanden. Er hat sich zudem bereit erklärt, der Frau 5000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Allein aus diesen Gründen wurde er am Ende wegen Misshandlung und Vergewaltigung nur zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Ohne Geständnis wäre es eine mehrjährige Haftstrafe geworden.

Damit zu der schonungslos offenen Zeugenaussage der Frau, die Schlimmes erleiden musste, aber sich am Ende selbst wieder zurück auf die Füße kämpfte. Sie hatte den rund zehn Jahre jüngeren Mann 2011 kennen gelernt. Damals ging es ihr im Zuge schwerster familiärer Schicksalsschläge gar nicht gut. Hinzu kamen finanzielle Probleme. Dazu die Frau: „Ich hatte keine Kraft mehr. Kein Geld. Und Angst vor dem Allein sein.“ Die Lösung dieser Probleme schien einfach: Sie zog zu dem jungen Mann und lebte ab Februar 2012 mit ihm in einer Wohnung in seinem Elternhaus.

Im Frühsommer machte das Paar gemeinsam mit der Familie des Mannes einen Kurzurlaub am Wasser. Dabei gingen die Frau und die Schwester des Angeklagten Schwimmen – oben ohne. Als das Paar anschließend alleine war, sei der 24-Jährige ausgerastet und habe gemeint: So habe sie, seine Lebensgefährtin, nicht herumzulaufen. Er habe ihr einen Kopfstoß versetzt und sie herumgeschubst. Dies sei das erste Mal gewesen, wo er gewalttätig wurde. Die Frau: „Damals hätte ich gehen sollen. Ich wollte auch.“ Aber sie sei angetrunken gewesen und habe deshalb nicht mehr mit dem Auto fahren können.

In der Folgezeit habe sie oft getrunken, so die Betroffene weiter. Beim nächsten handfesten Streit sei dann zwar die Mutter des Angeklagten dazwischen gegangen. Aber: „Irgendwann hatte ich immer Angst.“ Und: „Für mich war auch klar, dass ich irgendwann gehe. Ich wartete nur auf den richtigen Zeitpunkt. Aber der kommt dann doch nicht.“
Stattdessen habe es fast jeden Tag Streit gegeben. So auch Ende Juli/Anfang August, als vier Männer im Nachbargarten arbeiteten. Erst habe der Angeklagte sie geschubst, dann sei er auf sie los. Die Frau weiter: „Ich habe extrem laut geschrien. Damit die Männer nebenan es hören. Es hätte ja jemand kommen und mir helfen können. Aber es kam niemand.“ Stattdessen habe der 24-Jährige sich auf sie gekniet, ihr den Mund zugehalten und sie mit beiden Händen gewürgt. Auch nach diesem Vorfall ging die Frau nicht weg aus ihrer neuen Wohnung, in der all ihre Möbel standen.

Ende August 2012 wurde es richtig heftig, so die Zeugin weiter. Gegen zwei Uhr in der Nacht habe der Mann sie geschlagen und getreten. Seine Mutter habe wohl den Krach gehört, sei gekommen und habe zu ihm gesagt, er solle aufhören. Und zum Opfer ihres Sohnes soll sie gesagt haben: Das Alles sei nicht so schlimm. Der Vater des Jungen sei genau so gewesen. Das gebe sich mit der Zeit. Dann sei die Mutter des Angeklagten wieder gegangen. „Ich wollte auch gehen“, so die Frau weiter. Aber der 24-Jährige habe dies nicht zugelassen. Er habe ein Messer geholt, ihr damit gedroht und verlangt, dass sie schriftlich versichere, dass alle Möbel in der Wohnung ihm gehören. Dann habe er gesagt, dass sie nur gehen dürfe, wenn sie noch ein mal Sex mit ihm habe. Sie wollte nicht, ließ es aber aus Angst über sich ergehen.

Danach habe er zu ihr gesagt: „Du hast es nicht anders verdient.“ Dazu die Zeugin vor Gericht: „Das war genug. Ich wusste nicht, ob ich es beim nächsten Mal noch schaffe.“ Also habe sie nach außen so getan, als sei alles in bester Ordnung. Am nächsten Morgen habe sie den 24-Jährigen noch ganz normal zur Arbeit gefahren. Anschließend habe sie Hilfe geholt, ihre wichtigen Sachen gepackt und sei gegangen.
 
Hilfe in akuten Fällen von Häuslicher Gewalt: Jede Polizeidienststelle oder die telefonische Notrufnummer 112. Mögliche Anlaufstellen sind zudem rund um die Uhr: Die Frauenhäuser in Saarbrücken (Tel.: 0681 - 99 18 00), Saarlouis (Tel.: 06831 - 22 00) und Neunkirchen (Tel.: 06821 – 9 22 50) 
 

 

Wenn die Liebesbeziehung zur Hölle wird – Zahlen und Fakten

Saarbrücken. Die Polizei im Saarland hat im vergangenen Jahr mehr als 2880 Fälle von Häuslicher Gewalt erfasst. Das entspricht einer Steigerung von 2,3 Prozent im Vergleich zum Jahr 2012 (2819 Fälle). Rund 80 Prozent der Täter waren Männer. Sie begingen überwiegend Körperverletzungen und Bedrohungen.  Sexuelle Übergriffe werden demnach eher selten von der Statistik erfasst und machen etwa ein Prozent der bekannt gewordenen Fälle aus. Die entsprechenden Zahlen für das Jahr 2013 sind noch nicht veröffentlicht.
Die Polizeistatistik erfasst dabei nur die bekannt geworden Fälle – sie dient also als Maßstab für das Anzeigeverhalten der Bevölkerung/Betroffenen. Wie hoch die tatsächlichen Fallzahlen sind, das ist unklar. Hier ist man auf Schätzungen anhand von Umfragen angewiesen. Laut der jüngsten Umfrage der Agentur für Grundrechte der Europäischen Union haben 22 Prozent der befragten Frauen körperliche und/oder sexuelle Gewalt in ihrer Partnerschaft erlebt. Und 43 Prozent der Frauen berichteten von psychischer Gewalt durch aktuelle oder frühere Partner. Für die repräsentative Erhebung wurden über 42 000 Frauen in den 28 EU-Staaten befragt. Sie waren zum Zeitpunkt der Interviews zwischen 18 und 74 Jahre alt.  wi
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