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Saarländische Polizei tanzt an Fastnacht mit: Bis zu 500 Beamte zusätzlich im Einsatz

Die Masche ist bekannt: Mehrere junge Männer tanzen im großen Festtrubel auf eine Frau zu. Einer greift dem Opfer überraschend an den Busen oder den Po, grapscht weiter. Die Frau wehrt sich gegen die sexuelle Belästigung und wird so abgelenkt. Ein Begleiter des Angreifers klaut derweil ihr Geld und Handy. So oder teilweise noch gravierender werden die zahlreichen Vorfälle geschildert, die sich in der Silvesternacht in Köln am Hauptbahnhof und anderen deutschen Großstädten ereignet haben. Als Tatverdächtige wurden später vorwiegend Nordafrikaner, meist Asylbewerber aus Marokko, Algerien oder Tunesien, aber auch Flüchtlinge aus Syrien ausgemacht. Die Polizei am Rhein war bekanntlich überfordert und von der Lage überrascht.

„Was lernen wir aus Köln?“ Diese Frage haben sich Landespolizeipräsident Norbert Rupp und sein Führungsstab mit Blick auf die bevorstehenden „tollen Tage“ gestellt. In der Bevölkerung wachsen vereinzelt Angst und Sorgen in Verbindung mit hohen Flüchtlingszahlen. Stimmungsmacher aus dem rechten Lager versuchen, davon zu profitieren.

Rupp und seine Leute sind auf der Hut. Es gibt bislang keine Hinweise, dass auch im Saarland die Lage an Fastnacht eskalieren könnte. Aber, polizeibekannt ist, dass eine bestimmte Problemklientel, die im benachbarten Lothringen in Wohnsilos lebt, gerne zu besonderen Anlässen über die Grenze kommt, um sich hier Vergnügen zu suchen. Darunter sind oft Marokkaner, Algerier und Tunesier. Unter diesen Vorzeichen rüstet sich die Polizei für Großeinsätze an den närrischen Tagen vom fetten Donnerstag bis Fastnachtdienstag. Das Einsatzkonzept basiert auf den drei Säulen Prävention, hohe Präsenz und sofortige Strafverfolgung. Bis zu 500 Beamte (darunter auch junge Kommissaranwärter) werden zusätzlich zum Alltagsbetrieb an den Schwerpunkttagen eingesetzt.

Um die Flüchtlinge auf die tollen Tage vorzubereiten und ihnen zu vermitteln, dass „Fasching Teil der deutschen Kultur“ und „ein friedliches Fest“ ist, werden derzeit dreisprachige Infoblätter in Unterkünften und Heimen sowie über Helfer und Betreuer verteilt. In deutscher, arabischer und englischer Sprache wird beispielsweise vermittelt, dass an Fastnacht Menschen, die sich kennen, sich umarmen, tanzen und möglicherweise küssen. Voraussetzung: „Sie kennen sich oder signalisieren, dass sie diese Kontakte haben wollen.“ Ausdrücklich wird auf die Gleichberechtigung der Frauen hingewiesen und betont, dass Frauen auch an Fasching „immer respektvoll zu behandeln“ sind.

Zudem wird von Seiten der Polizei angekündigt, dass sie an Fastnacht bei Gesetzesverstößen konsequent einschreiten wird. „Die Polizei ist da und zeigt hohe sichtbare Präsenz in Uniform“, kündigt Rupp an. Zwischen 180 und 200 Einsätze bei Veranstaltungen, ob Umzügen oder Bällen, sind im landesweiten Lagebild notiert. Mit Veranstaltern wurde im Vorfeld ihr Sicherheitskonzept besprochen. So halten etwa beim Premabüba in Saarbrücken oder bei den Großveranstaltungen in Saarwellingen und im Püttlinger Trimmtreff die Ordnungskräfte engen Kontakt mit der Polizei . Sondereinsatzkräfte stehen dezentral in Bereitschaft. Beamte in Zivilfahrzeugen beobachten zu Aufklärungszwecken, ob sich etwa Problemgruppen auf den Weg machen. Bis zu 30 Beamte der französischen Polizei kommen zur Unterstützung ins Saarland.

Für die Einsatzkräfte auch am Rande von Umzügen in Burbach, Neunkirchen oder Gresaubach gilt eine niedrige Eingreifschwelle. Im Klartext heißt dies, für denjenigen, der pöbelt, randaliert, schlägt oder belästigt, ist das Fest schnell beendet. An Einsatzschwerpunkten gibt es zudem Videoüberwachung.

Neben der Polizei stockt auch die Justiz für Fastnacht personell auf. Die Bereitschaftsdienste der Staatsanwaltschaft und beim Amtsgericht Saarbrücken werden verstärkt. Organisatorische Vorkehrungen, um in klaren Fällen im beschleunigten Verfahren zu urteilen, werden getroffen. Unter diesen Vorzeichen könnte es beispielsweise für die Klientel aus Problemvierteln in Lothringen unangenehm werden. Auf Ladungen auf dem Postweg wird eher selten reagiert. An den tollen Tagen kann es passieren, dass ihnen unmittelbar nach einer Tat der Prozess gemacht wird.


 

Bundespolizisten müssen von der Saar zum Karneval am Rhein



Die Saar-Polizei ist bei den Großeinsätzen über Fastnacht weitgehend auf sich alleine gestellt. Größere Unterstützung ist auch von der Bundespolizeiinspektion in Bexbach nicht zu erwarten. Roland Voss, Chef der Kreisgruppe der Gewerkschaft der Polizei (GdP), bestätigte jetzt Informationen unserer Zeitung, wonach Bundespolizisten, die im Saarland stationiert sind, über die tollen Tage nach Mainz oder Frankfurt abgeordnet werden. Zudem müssen wöchentlich etwa zehn Beamte nach Bayern zum Dienst an der österreichischen Grenze. Voss spricht von zeitweisen Urlaubssperren, verlängerten Schichten und gestrichenem Freizeitausgleich.

Dabei gehe die Bundespolizei an der Saar ohnehin personell auf dem Zahnfleisch. Voss: „Wir sind nicht in der Lage, unsere Alltagsarbeit zu gewährleisten, geschweige denn eine deutlich erhöhte Präsenz, auch bei räumlichen Schwerpunktsetzungen, zu zeigen.“ Die GdP fordere deshalb, dass die Abordnungen nach Bayern über Fastnacht ausgesetzt werden, und die Bundespolizei von Zollbeamten an der Grenze unterstützt wird. Voss weiter: „Wir haben ein erhebliches Sicherheitsproblem an unseren Grenzen. Ausländische Jugendliche kommen gerne nach Saarbrücken , um hier auszugehen. Viele bringen ihre Konflikte mit und tragen sie hier aus.“ Er sieht „zusätzliches Gefährdungspotenzial“ bei der grenzüberschreitenden Kriminalität und verweist auf Rückzugsgebiete „krimineller arabischstämmiger Ausländer“ im Bereich Forbach und den dortigen „No-Go-Areas“. mju


 

Karneval auf Armlänge?

Wie die Silvesternacht das närrische Treiben verändern könnte



Ein Fremder ist im Karneval eigentlich ein Freund. Es gehört quasi zum Wesenskern der Tage zwischen Weiberfastnacht und Karnevalsdienstag, dass sie den Sicherheitsabstand verschwinden lassen, den Menschen im Alltag intuitiv einhalten. Die Kneipen sind voll, zum Schunkeln wird untergehakt und ab und zu ein Küsschen verteilt, das man im Rheinland „Bützje“ nennt. Normalerweise.

Zu viel ist passiert zuletzt. An Silvester wurden Frauen aus einer chaotischen Menschenmenge heraus umzingelt und begrapscht. Bei vielen Menschen löste dieses Szenario ein mulmiges Gefühl aus. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker sprach danach davon, dass man vielleicht nicht die Nähe von Menschen suchen sollte, die einem fremd sind. Es fiel der Begriff der „Armlänge“ Distanz, die man einhalten könne. Wird es also ein Karneval auf Armlänge? Damit wäre in gewisser Weise der Markenkern bedroht. Der Kölner Diplom-Psychologe Uwe Wetter spricht davon, dass eine gewisse Körperlichkeit eigentlich dazugehöre – das wüssten die Menschen. Er geht aber davon aus, dass viele Jecken in diesem Jahr das Feiern lieber bleiben lassen. „Und auch für die, die dabei sind, kann es kleine Änderungen bedeuten“, sagt er. „Es ist denkbar, dass die Lockerheit verloren geht.“

Auf der anderen Seite kann die Silvesternacht sie auch eine heilsame Zäsur bedeuten. Sexualisierte Gewalt bei Massenveranstaltungen sei ja nichts Neues, sagt Jennifer Wörz vom Kölner Frauenberatungszentrum. Nun sei womöglich der politische Wille gestiegen, etwas dagegen zu tun. Und Frauen hätten die Erfahrung gemacht, dass ihnen nun endlich zugehört werde. „Es wurde ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein dafür geschaffen.“ dpa
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