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Saarland-Brigade: 400 Soldaten sollen ab 2011 nach Afghanistan

Ab 2011 soll die Saarland-Brigade mit einem rund 400 Mann starken Bataillon in Afghanistan präsent sein. Brigade-Kommandeur Oberst Zorn dämpft im SZ-Redaktionsgespräch Hoffnungen auf einen schnellen Abzug der deutschen Truppen.

Saarbrücken. Somalia, Balkan oder Kongo – die Fallschirmjäger der Saarlandbrigade sind einsatzerprobt, ihr Schwerpunkt sind „spezielle Operationen“. Was sie im kommenden Jahr im Norden Afghanistans erwartet, könnte jedoch die bislang schwierigste Mission des Elite-Verbandes werden.

In der Provinz Kundus sollen im ersten Halbjahr 2011 mehr als 400 Mann für Sicherheit sorgen. Brigade-Kommandeur Oberst Eberhard Zorn spricht militärisch knapp von einem erhöhten „Angriffspotenzial“ auf seine Leute, das sich den Taliban und anderen Aufständischen bieten werde. „Die Gefährdung ist hoch“, sagte der 50 Jahre alte gelernte Artillerie-Offizier bei einem Redaktionsbesuch bei der Saarbrücker Zeitung.

Neue Afghanistan-Strategie
Fallschirmjäger aus dem Saarland stehen mit Unterbrechungen seit Beginn der internationalen Afghanistan-Mission Isaf vor acht Jahren am Hindukusch. Immer wieder werden sie von gegnerischen Kämpfern aus dem Hinterhalt unter Feuer genommen. Fünf Soldaten des Großverbandes sind bei Anschlägen und Gefechten bereits gefallen.

Der Einsatz im kommenden Jahr geht auf eine neue Afghanistan-Strategie der Bundesregierung zurück. Sie sieht vor, dass die Bundeswehr verstärkt afghanische Soldaten ausbildet, damit diese in absehbarer Zeit selbst Verantwortung für die Sicherheit übernehmen können.

Im Einzelnen soll die Saarlandbrigade ein rund 350 Mann starkes Ausbildungs- und Schutzbataillon aus Kampftruppen sowie eine Kompanie mit 60 Militärberatern und Ausbildern stellen, möglicherweise auch Sanitätskräfte. Zusätzlich werden als Konsequenz der jüngsten Anschläge auf die Bundeswehr bereits ab November 30 Soldaten auf Wiesel-Panzern nach Kundus verlegt.

Der größte Teil der Fallschirmjäger soll mit Patrouillen außerhalb des Feldlagers in Kundus Präsenz zeigen und so Rückzugsräume für die Taliban einschränken und den zivil-militärischen Wiederaufbauteams den Rücken freihalten. Zu ihren Aufgaben gehört etwa, militärische Stellungen auf strategisch wichtigen Hügeln zu halten.

Schneller Abzug der Truppen nicht in Sicht
Der Aufbau staatlicher Sicherheitsstrukturen und die Übergabe der Verantwortung an die Afghanen werde „schrittweise“ erfolgen, betonte Zorn. Er dämpft damit Hoffnungen auf einen schnellen Abzug der deutschen Truppen. Ein solcher Schritt sei weder im Interesse der Afghanen noch der deutschen Soldaten: „Für meine Jungs, die den Kopf hinhalten, wäre das ein Schuss vor den Bug, wenn man ihnen jetzt sagen würde: Danke, das war’s, tschüss!“

Zorn, der erste gebürtige Saarländer auf dem Kommandeursposten, weist vorsorglich darauf hin, dass die Bundeswehr auf dem Balkan schon seit 15 Jahren sei, obwohl diese Region Deutschland „kulturell viel näher“ sei als Afghanistan. Auf die Frage, ob der Konflikt mit den Taliban überhaupt noch zu gewinnen ist, könne er derzeit „keine Antwort“ geben, sagte Zorn.

Zu der vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler angestoßenen Debatte über einen Zusammenhang von Wirtschaftsinteressen und Bundeswehr-Einsätzen erklärte der Brigade-Kommandeur: „Wir haben keine wirtschaftlichen Interessen in Afghanistan. Aus militärischer Sicht geht es dort um Sicherheit und Stabilität.“ Anders sei die Situation am Horn von Afrika, wo Piraten deutsche Handelswege gefährdeten. „Da gibt es schon einen gewissen Zusammenhang.“

Hintergrund

Der Saarlandbrigade mit Standorten in Saarlouis, Merzig, Lebach und Zweibrücken gehören 3500 Soldaten an, etwa die Hälfte kommt aus dem Saarland. Derzeit sind 80 Aufklärer aus Zweibrücken in Afghanistan stationiert, die im Spätsommer heimkehren sollen.





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