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Saarland: Gewalt an Schulen wird brutaler

Das sagt zumindest der renommierte Kriminologe Christian Pfeiffer. Die Konzepte würden greifen, so der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). Aber wie erfolgreich sind die Präventionsmaßnahmen im Saarland? Ein Urteil darüber sei schwer zu fällen, sagt Günter Dörr, Direktor des Landesinstituts für Prävention (LPH): „Wir haben dazu im Moment keine belastbaren Zahlen.“ Erst in den nächsten Wochen werde das KFN eine Studie veröffentlichen, in der auch die Bundesländer selbst betrachtet würden. „Bisher waren in den Studien des KFN die Stichproben aus den einzelnen Bundesländern immer zu klein. Zum Beispiel wurden 2009 lediglich Schulen in St. Wendel betrachtet.“

Das reiche nicht aus, um Rückschlüsse auf das Saarland zu ziehen. Und das LPH selbst wurde erst 2009 gegründet, verfüge also auch nicht über eine entsprechende Datenbasis. Die Lehrer sind skeptisch Auch wenn die harten Fakten noch fehlen, gibt sich Dörr verhalten optimistisch. Es gebe Anzeichen dafür, dass sich der positive Trend auch im Saarland widerspiegeln werde: „Auf unsere bisherigen Maßnahmen, zum Beispiel Weiterbildungen für Lehrer, bekommen wir sehr positive Rückmeldungen.“ Deutlich skeptischer fällt das Urteil des saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) aus. „Es hat Veränderungen gegeben“, sagt der SLLV-Landesvorsitzende Herbert Möser. Wenn es aber weniger Gewalt gebe, dann liege das an sinkenden Schülerzahlen.

Was er beobachten könne, sei eine zunehmende Brutalität. „Körperliche Auseinandersetzungen sind keine kleinen Raufereien mehr.“ Das gehe so weit, dass die Gewalt auch dann nicht aufhöre, wenn das Opfer bereits am Boden liegt. Dass die schulische Gewalt heftiger wird, will die Saarbrücker Schulpsychologin Christa Büch zwar nicht bestätigen. „Die Aussagen von Pfeiffer stelle ich aber schon in Zweifel.“ Ihre Hilfe sei in der Landeshauptstadt stark nachgefragt, auch Gewalt sei ein häufiges Thema. Das müsse auf der anderen Seite aber nicht unbedingt heißen, dass es auch mehr Gewalt gibt: „Es wird mittlerweile auch besser hingeschaut, sowohl von Eltern als auch von Lehrern.“

Mehr Zeit für Klassenleiter Die Eindrücke von Möser und Büch zeigen vor allem, dass „noch Potenzial da ist“, wie LPH-Direktor Günter Dörr formuliert. Heißt: Gewaltfrei sind die Schulen noch lange nicht. „Meine Überzeugung ist, dass Schulen umso erfolgreicher sind, je besser das Schulklima ist. Und das bestätigt auch die Forschung.“ Oberstes Ziel müsse es sein, in den Klassen ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen.

Das bestätigt Herbert Möser: Aufgabe sei es, „aus einer Klasse eine Gemeinschaft zu formen“. Das geschehe zum Beispiel, wenn die Schüler zusammen ins Schullandheim führen. Auch klare Regeln würden helfen, sagt Möser, der selbst Konrektor an einer Schule in Saarlouis ist: „Körperliche Gewalt führt bei uns zum zeitweiligen Ausschluss von der Schule. Das klingt radikal, aber diese Maßnahme greift.“ Seiner Ansicht nach bräuchten die Klassenlehrer aber auch mehr Zeit für die Klassenführung. Insofern sei die Gemeinschaftsschule ein Schritt in die richtige Richtung. In dieser neuen Schulform wird es erstmals eine Klassenleiterstunde geben, in der Probleme angesprochen und das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt werden könnten. Auch weitere Ganztagsschulen hält Dörr für wünschenswert, denn dort könne der Klassenverbund noch stärker zusammenwachsen.

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