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Saarland und Rheinland-Pfalz wollen Folgen der Demografie abmildern

Das Primstal bei Krettnich - ein Dorf, dem der Bevölkerungsrückgang zu schaffen macht.

Das Primstal bei Krettnich - ein Dorf, dem der Bevölkerungsrückgang zu schaffen macht.

An der Hauptstraße hält ein Schulbus. Fünf Kinder steigen aus, feixen miteinander und schlendern eine schmale Seitenstraße hoch. „Früher sind aus dem Bus mindestens doppelt so viele Kinder ausgestiegen“, sagt Christian Leidinger. Der 62-Jährige ist Ortsvorsteher von Krettnich, eines Stadtteils von Wadern mit heute 540 Einwohnern. Leidinger ist hier groß geworden. „Der Geburtenrückgang ist schon ein großes Problem“, sagt er. In den vergangenen 15 Jahren hat das Dorf gut zehn Prozent seiner Einwohner verloren. Auch „weil viele der Jüngeren wegziehen“, sagt Leidinger. Das letzte Lebensmittelgeschäft hat hier vor rund zehn Jahren dichtgemacht. Kneipen, eine Bäckerei, das alles gibt es heute in Krettnich nicht mehr. An der Hauptstraße stehen einige Häuser leer. Die einzige Telefonzelle des Ortes wird gerade abgebaut. Eine Anwohnerin sagt: „Gerade für ältere Leute, die nicht mobil sind, ist es hier nicht leicht.“ Orte wie Krettnich gibt es einige im nördlichen Saarland.

Rund 15 Kilometer weiter nördlich, in Otzenhausen, hat man sich an diesem Morgen aufgemacht, die Probleme einer „Ausdünnung der Regionen“ bei der 1. Demografiekonferenz des Saarlandes und von Rheinland-Pfalz zu diskutieren. „Die Strukturen, wie wir sie heute kennen, wird es in zehn bis 20 Jahren so nicht mehr geben“, sagt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die gemeinsam mit ihrer Amtskollegin aus Mainz, Malu Dreyer (SPD), die Konferenz in der Europäischen Akademie eröffnet. „Ärzte wird es nicht mehr in jedem Ort geben“, sagt Dreyer, die die Probleme des demografischen Wandels vor allem aus der Eifel und dem Westerwald kennt. Beide Politikerinnen lassen anklingen, dass Bürger künftig mehr selbst organisieren müssen, um manche Versorgung auch in abgelegenen Orten aufrecht erhalten zu können. Dreyer spricht von „Bürgerbussen“, wo es keine Schulbusse mehr gibt, Kramp-Karrenbauer von ehrenamtlichen „Netzwerken“, wo nicht mehr alles stationär angeboten werden kann. Man brauche Pflegekonzepte, alternative Wohnformen und Pläne für den Nahverkehr. Zudem werde es „die Kunst der Krankenhausplanung der Zukunft sein, die Grundversorgung insbesondere im ländlichen Raum sicherzustellen“, so Kramp-Karrenbauer. Sie und Dreyer merken allerdings an, dass die Handlungsspielräume des Staates durch die Schuldenbremse stark eingeengt seien.

Die anschließenden Workshops mit Experten aus beiden Bundesländern erörtern Modelle „sorgender Gemeinschaften“, wie man „Gesundheit und Pflege für morgen sichern“ kann oder wie der neue Nationalpark Hunsrück-Hochwald zur Regional- und Arbeitsmarktentwicklung beitragen kann. Ziel der Konferenz sei es, so Kramp-Karrenbauer, Erfahrungen aus beiden Bundesländern auszutauschen und weitere Kooperationen auszuloten. Im Saarland leben derzeit knapp über eine Million Menschen. Prognosen zufolge sinkt die Einwohnerzahl bis zum Jahr 2050 um ein Viertel auf 750 000. Das bedeutet unter anderem: weniger Steuereinnahmen, weniger potenzielle Arbeitnehmer, eine ausgedünnte Versorgung im ländlichen Raum. Und leere Dörfer?
„Die Grundversorgung sehe ich derzeit nicht gefährdet“, sagt der Ortsvorsteher von Krettnich. Aber eine „Ausdünnung“ sei zu spüren. Die Polizeidienststelle in Wadern etwa werde künftig nicht mehr rund um die Uhr besetzt. Wie eine Ironie des Schicksals, dass Krettnich dennoch bald mehr Einwohner zählen wird: Ein privater Investor baut das Altenheim am Ortsrand aus – mit 30 neuen Plätzen.
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