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Saarlouiser Ärztin Anne Fleck ab 9. Januar wieder in NDR-Doku „Die Ernährungs-Docs“

Symbolfoto

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Frau Fleck, wie schafft man es mit Medizin ins Fernsehen?

Anne Fleck: Ich beschäftige mich intensiv seit Jahren mit dem Thema Präventivmedizin und moderner Ernährungsmedizin und den damit verbundenen Chancen für die Gesundheit. So habe ich zum Beispiel an einem Lehrkrankenhaus der Charité in Berlin ein Zentrum für Vorsorgemedizin und Adipositasmedizin etabliert. Ein konsequentes Vorbeugen von Krankheit erschien mir immer wichtig. Ich will die Menschen langfristig gesund halten. In Berlin habe ich begonnen, eigene präventiv- und ernährungsmedizinische Konzepte nach dem neuesten Stand der Forschung zu entwickeln. Seit vier Jahren bin ich nun in Hamburg tätig und wurde dort wegen dieser innovativen Konzepte – so setze ich beispielsweise bewusst sehr hochwertige Öle ein, um Krankheiten zu mildern – vom Fernsehen direkt angesprochen. Nach dem Motto: Sie machen etwas Einzigartiges und Spannendes.

Und da waren Sie natürlich gleich Feuer und Flamme. . .

Anne Fleck (lacht): Damals habe ich noch gesagt, dass ich erstmal Bedenkzeit brauche. Aber meine Familie und meine Patienten meinten: Doch, mach das! Und die Resonanz ist überwältigend.

Was meinen Sie, womit der enorme Zuspruch und der Erfolg der TV-Serie und Ihrer Arbeit zusammenhängen?

Anne Fleck: Vielleicht damit, dass ich das Thema Ernährung, bei dem viele Menschen durch falsche Empfehlungen verunsichert werden, einfach, unkompliziert und wissenschaftlich solide angehe. Rigide Verbote und starre Dogmen bringen die Menschen nicht weiter.

Ich möchte ein Wissen vermitteln, das zum Beispiel das seit Jahren propagierte starre „Fettarm-Dogma“ langsam auflöst.

Für mich ist die modernste Form der Medizin die klassische Medizin in Kombination mit innovativen Ansätzen aus Naturheilkunde und moderner Ernährungsmedizin, die sich dem neuesten Stand der Forschung verpflichtet und individuell auf den Einzelnen zugeschnitten ist. Das zeige ich in der Serie. Und die Menschen merken, dass eine Änderung des Lebensstils mit einer einfach umsetzbaren Ernährungsumstellung etwas bringt.

Was das „Fettarm-Dogma“ betrifft – dem stemmen Sie sich mit so wunderbaren Aussagen entgegen wie: Fett macht schlank und schlau. Das macht nicht nur Couch-Potatoes Mut. Was hat es damit auf sich?

Anne Fleck: Fette sind integraler Bestandteil der Zellmembranen all unserer Körperzellen. Dies begründet auch die praktische Empfehlung, durch hochwertiges Fett den Körper auf der kleinsten Ebene gezielt zu stärken. Die modernen Ernährungsempfehlungen setzen auf wenig Kohlenhydrate und „High Fat“, also viel Fett. Denn nicht Fett allein bedingt Übergewicht, sondern zu viele Kohlenhydrate . Hochwertige Öle helfen sogar beim Abnehmen, denn Fette sind nicht nur Geschmacksträger, sondern auch Sattmacher. Fett macht schlau! Etwas 70 Prozent des Gehirns bestehen aus Fett. Daher sind Fette wie Omega-3-Fettsäuren unabdingbar wichtig für Gedächtnisleistung, Konzentration und emotionale Stabilität und zum Verhindern von Depression.

Was denken Sie über strenge Diäten?

Anne Fleck: Ich bin manchmal ganz betroffen, wenn Menschen mir erzählen, auf was sie alles verzichten. Aber dieser strikte Verzicht macht uns alle nicht wesentlich gesünder. Sicher kann man mit gesunder Ernährung viel erreichen, rigide Verbote jedoch machen das Leben schwer. Und freudlos. Essen ist Genuss und Kultur. Sonst wird man ein freudloser Vertilger von Lebensmitteln, mit durch Diäten versautem Körper und der absurden Vorstellung, dass man von einer Tafel Schokolade zwei Stunden früher stirbt.

Sie sagen, es gibt drei Grundfragen beim Thema Ernährung, an die man sich halten soll: „Was“, „wie“ und „wann“ esse ich. Können Sie das erläutern?

Anne Fleck: Wir reden viel zu sehr darüber „Was“ wir essen und vergessen dabei das „Wie“ und „Wann“. Das „Wie“ wird sehr unterschätzt. Esse ich bewusst, ohne mich dabei ablenken zu lassen? Und wie kaue ich? Kauen ist der erste Schritt im Verdauungsprozess. Durch schlechtes Kauen wird die Nahrung nicht optimal aufgespalten, unser Darm hat dadurch mehr Arbeit. Ähnlich wie etwa bei dem Verzehr von Rohkost am Abend. Dies verursacht bei vielen Menschen Verdauungsprobleme. Man kann auch das Richtige zur falschen Zeit essen. Einige Menschen bekommen durch Salat und Obst am Abend Verdauungsbeschwerden, auf lange Sicht Nahrungsunverträglichkeiten, ein schwächeres Immunsystem und vor alle Dingen einen schlechteren Schlaf. Und Schlafmangel oder eine schlechte Schlafqualität kann nach Studien belegt sogar zu Übergewicht führen.

Also ist Obst am Abend vorm Fernseher nicht gerade ideal?

Anne Fleck: Es ist wissenschaftlich belegt, dass schon ein Apfel am Abend, regelmäßig verzehrt, unter Umständen eine nicht alkoholische Fettleber begünstigt. Etwa 15 Prozent der Deutschen haben eine solche nicht alkoholische Fettleber, ohne es zu wissen. Und dies ist auf lange Sicht die Ursache für Insulin-Resistenz, Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und so weiter. Es gibt Übergewichtige, die keinen Diabetes bekommen und Schlanke, die zuckerkrank werden. Ursache ist dabei eine extrem kohlenhydratbetonte Ernährung, zum Beispiel durch regelmäßiges Essen von Obst am Abend und zum Beispiel viel Brot mit Fett wie Käse und Wurst über den Tag.

Jetzt machen Sie mir Angst. Ich esse jeden Tag brav meine Möhren in der Annahme, das sei gesund.

Anne Fleck: Das können Sie ja auch machen, aber besser mittags. Es kommt auf den Zeitpunkt und Ihre persönliche Konstitution an. Das „Wann“ ist wichtig. Für jeden Menschen, der sich gesund halten und Übergewicht vermeiden will, ist das Drei-Mahlzeiten-Prinzip sinnvoll, das heißt möglichst selten Zwischenmahlzeiten und ausreichend Pausen zwischen den Mahlzeiten – etwa drei bis vier Stunden. Die wichtigste Pause liegt zwischen Abendessen und Frühstück und sollte mindestens zwölf Stunden dauern. In der Nacht haben wir die Endverdauung und erfahren die meisten Reparatur- und Regenerationsprozesse und die Bildung der für das Schlanksein wichtigsten Hormone. Das heißt, es kommt der Prozess in Gang, der den Rettungsring am Bauch mildert.

Welcher ist der einfachste Trick, um nicht viel zuzulegen?

Anne Fleck: Früher haben wir gesagt, Kohlehydrate am Abend sparen, ist der einfachste Weg zur schlanken Taille. Aber nach dem neuesten Stand ist das überholt. Wir wissen heute, dass es sich lohnt, den ganz Tag über Kohlenhydrate maßvoll zu verzehren. Sinnvoll ist es, diese schon zum Frühstück einzusparen.

Welche Kniffe gibt es, um sich möglichst einfach viel Gutes bei der Ernährung zu tun?

Anne Fleck: Es gibt zum Beispiel das von mir entwickelte „Doc Fleck Frühstück“, mit dem man viel erreichen kann, weil man die Kohlenhydrate spart und Eiweiß zum Beispiel aus Magerquark bezieht oder aus Chia-Samen. „Hauptdarsteller“ des Frühstücks sind gute Fette. Wie gesagt: Fette machen nicht fett, sondern schlank und schlau. Innovative Ölmischungen mit Lein- und Weizenkeimöl sind Teil dieses Frühstücks, wobei solche Omega-3-reichen Öle nur dann gesundheitlich wertvoll sind, wenn sie bio und kalt gepresst sind, und zwar unter Ausschluss von Licht, Hitze und Sauerstoff. Omega-3-reiche Öle wie Leinöl sind echte Mimosen, die bereits durch einen Hauch von Luft und Licht infolge der schnellen Oxidation die Qualität und den positiven Nutzen verlieren. Oxidierte Fette sind echte Krankmacher. Man kann mit dem richtigen Fett ganz viel Gesundheit schaffen, mit schlechtem Fett der Gesundheit schaden. Das Rezept zum Frühstück kann sich jeder auf meiner Internetseite anschauen.

(Anm.: Der Link zur Seite befindet sich am Ende des Artikels).

Noch mal zurück zu den Fetten – wie gesund oder ungesund sind diese denn?

Anne Fleck: Die Fette wurden über Jahrzehnte zu Unrecht geschmäht. Auch die gesättigten Fette aus dem Fleisch oder Transfette aus der Butter. Diese sind nach neuestem Stand der Forschung nicht nur gesundheitlich neutral in ihrer Wirkung, sondern sogar positiv für die Herzgesundheit. Über Jahre hielt sich das Argument, gesättigte Fette sind böse, da sie das Cholesterin erhöhen. Faktisch ist das auch so. Aber man muss genau hinschauen, welche Fraktionen des Cholesterins ansteigen: Das herzschützende HDL-Cholesterin erhöht sich und der Anteil des LDL Cholesterins, der „nicht“ oxidiert und keine Arterienverkalkung begünstigt. Das „schlechte“ LDL-Cholesterin hat nämlich zwei Untergruppen: nicht oxidierende und oxidierende LDL-Partikel. Nur die oxidierenden LDL-Cholesterine sind wirklich Gesundheitsschädlinge, sie sind verantwortlich für Plaque-Bildung, also Arterienverkalkung. Fazit: Gesättigtes Fett bedeutet nach neuester Forschung Herzschutz. Und auch ein Herzkranker kann maßvoll Butter essen.

Also sind Fette an sich nicht generell gut, oder?

Anne Fleck: Alle Fette sind inzwischen wissenschaftlich rehabilitiert, ausgenommen die Transfette aus industrieller Herstellung, zum Beispiel aus der Produktion von Chips, Keksen, Nougatcremes oder Billigmargarinen. Auch eine Fehlerquelle: Durch Braten werden oft ungesunde Prozesse ausgelöst, weil oft mit Fetten, die nicht hoch erhitzbar sind, hantiert wird. So ist auch Olivenöl nicht hoch erhitzbar, das heißt über 160 Grad, und daher nicht zum scharfen Anbraten geeignet. Daher mein Appell: Ich empfehle gerade Menschen, die an entzündlichen Erkrankungen leiden wie Rheuma, MS, Darmentzündungen oder Herzerkrankungen: Werft die Bratpfannen in die Saar und gart öfter mal. Kocht das Huhn oder gart den Fisch im Ofen. Und wenn scharf angebraten wird, dann möglichst mit Hocherhitzbarem, zum Beispiel mit Kokosfett, Butterschmalz, Rapsöl oder Ghee. Danach kann man ein wohlschmeckendes Olivenöl zum Essen geben, dann ist es geschmacklich gut und gesundheitlich wertvoll.

Zum Abschluss: Was isst die Saarländerin Anne Fleck am liebstent?

Anne Fleck: Zu Hause im Saarland freue ich mich auf Hooriche, Bettseicher-Salat und Lyoner.

Bevor Anne Fleck wieder mit den Ernährungs-Docs unterwegs ist, ist sie am Freitag, 6. Januar, 18.45 Uhr, Gast in der Sendung DAS! im NDR.

docfleck.com

 

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