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Sechseinhalb Jahre Haft für sexuellen Missbrauch

Gestern beantragte der Verteidiger des Mannes eine erneute psychiatrische Begutachtung der Tochter. Der Aussage des behandelnden Therapeuten könne man nicht folgen. Es sei durchaus denkbar, dass der Vater falsch beschuldigt wurde, als er sich einer anderen Frau zuwandte und die Tochter nicht mehr im Mittelpunkt stand. Der Angeklagte sei unschuldig, sagte der Anwalt.

Anders sahen es Staatsanwältin und Nebenklage. Es gebe keine Anzeichen für eine ungerechtfertigte Belastung. Das Mädchen hat den Vater nicht angezeigt. Die Anzeige bei der Polizei stamme aus einer anderen Quelle. Das Mädchen hatte ein gutes Verhältnis zum Vater. In der Öffentlichkeit wollte sie so lange wie möglich das Bild einer intakten Familie wahren. Das Mädchen hat später einen Brief mit Vorwürfen an den Vater geschrieben. Er hat nicht darauf reagiert. 

In der Urteilsbegründung ging der Vorsitzende auf die Problematik der Beweisführung bei Missbrauchsfällen in der Familie ein: In diesem Fall hätte die Aussage des Mädchens überzeugt. An keiner Stelle habe sie versucht, sich herauszureden. Als die inzwischen verstorbene Mutter vom Missbrauch erfuhr, habe sie es zunächst nicht wahr haben wollen. Jahre später jedoch bei der Polizei habe sich die Mutter nicht geschont. Für das Nicht-wahr-haben-Wollen gebe es viele Gründe: Scham, Rücksicht auf die Beziehung, Angst um die wirtschaftliche Existenz und vor dem Gerede der Nachbarn. jht

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